Abacavir

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 3

Inhaltsverzeichnis

  1. Abacavir
  2. Abacavir: Von HIV-Infektion zu felinem erworbenem Immunschwächesyndrom
    1. Zusammenfassung
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Abacavir: Von HIV-Infektion zu felinem erworbenem Immunschwächesyndrom

Zusammenfassung

Abacavir ist ein nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Hemmer, der ursprünglich zur Behandlung von HIV-Infektionen zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei felinem erworbenem Immunschwächesyndrom wirksam sein könnte. Dafür liegen bislang keine klinischen Studien und 1 Publikation (präklinisch/veterinärmedizinisch) vor.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation HIV-Infektionen
Vorhergesagte neue Indikation Felines erworbenes Immunschwächesyndrom
TxGNN-Vorhersagewert 99,79 %
Evidenzniveau L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/aufgehobene Zulassungen
Anzahl der Zulassungen 4 (alle aufgehoben)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist jedoch, dass Abacavir ein nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTI) mit Wirkung gegen HIV-1 ist. Seine Wirksamkeit bei HIV-Infektionen ist belegt.

Das Feline Immundefizienzvirus (FIV) ist ein Lentivirus, das wie HIV auf die Reverse Transkriptase angewiesen ist. Deshalb besteht ein mechanistischer Ansatz. FIV-Infektionen bei Hauskatzen gelten zudem als Tiermodell für HIV.

Die Evidenz ist allerdings nur indirekt: Die einzige gefundene Publikation untersucht eine Kombination aus Zidovudin, Lamivudin und Abacavir, sodass die Wirkung von Abacavir allein nicht isoliert beurteilt werden kann. Der sehr hohe TxGNN-Wert spiegelt wahrscheinlich vor allem die Ähnlichkeit des lentiviralen Zielmoleküls zu HIV wider und keine unabhängige Bestätigung.

Zwei weitere Vorhersagen (Simian-Immundefizienzvirus-Infektion sowie eine neuroentwicklungsbedingte Störung mit ataktischem Gang) sind schwächer belegt. Die SIV-Vorhersage stützt sich nur auf eine In-vitro-Studie (PMID 15040537). Für die neuroentwicklungsbedingte Störung gibt es keine Studien und keine erkennbare mechanistische Verbindung.


Klinische Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
11684314 2002 Präklinische/veterinärmedizinische Kombinationsstudie (Design anhand des Titels eingeordnet) Antiviral Research Kombinierte Wirkung von Zidovudin, Lamivudin und Abacavir auf die Hemmung der FIV-Replikation in vitro; FIV-Infektion der Katze als Tiermodell für HIV

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000252 Ziagen – HIV-Infektionen
EMEA/H/C/000581 Kivexa – HIV-Infektionen
EMEA/H/C/002754 Triumeq – HIV-Infektionen
EMEA/H/C/000338 Trizivir – HIV-Infektionen

Alle vier Zulassungen sind aufgehoben (Status: cancelled).


Sicherheitsaspekte

  • Mögliche Kontraindikationen laut Wissensgraph (PrimeKG, keine Packungsbeilagen-Angaben): Leberversagen, Lebererkrankung, Fettleber/nichtalkoholische Steatohepatitis, Nierenerkrankung, Pankreatitis, Gallenblasenerkrankung, Myopathie/Myositis/Dermatomyositis, Neutropenie, Agranulozytose, Anämie, Hypertriglyzeridämie, Adipositas, Laktatazidose, familiäre periodische Paralyse, Pyoureter.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 93 Wechselwirkungen erfasst. Als moderat eingestuft sind Naltrexon und Orlistat. Weitere (Einstufung unbekannt) sind u. a. Metformin, Morphin, Omeprazol, Pantoprazol, Vancomycin, Prednison und Amphotericin B.
  • Für die dritte Vorhersage ist zusätzlich Vorsicht geboten: Abacavir ist mit einer HLA-B*57:01-assoziierten Überempfindlichkeit und neurologischen Nebenwirkungen verbunden.

Für weitere Sicherheitsinformationen ist die Packungsbeilage heranzuziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für die vorhergesagte Indikation liegen nur indirekte, präklinische Daten vor, ohne klinische Studien. Zudem sind alle deutschen/europäischen Zulassungen aufgehoben, und die Sicherheitsdaten der Packungsbeilage fehlen.

Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:

  • Beschaffung und Auswertung der Packungsbeilage (Warnhinweise, Kontraindikationen), da dies derzeit die Sicherheitsprüfung blockiert
  • Daten zum Wirkmechanismus (z. B. aus DrugBank)
  • Studien zur Wirkung von Abacavir als Einzelsubstanz gegen FIV
  • Klärung des Zulassungsstatus und der tatsächlichen Marktverfügbarkeit
  • Prüfung, ob eine veterinärmedizinische Anwendung überhaupt das Ziel der Repurposing-Strategie ist

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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