Abatacept
| Evidenzniveau: L4 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
- Abatacept
- Abatacept: Von Psoriasis-Arthritis/juveniler/rheumatoider Arthritis zu rheumatoider Vaskulitis
Abatacept: Von Psoriasis-Arthritis/juveniler/rheumatoider Arthritis zu rheumatoider Vaskulitis
Zusammenfassung
Abatacept ist ein Fusionsprotein, das ursprünglich zur Behandlung von Psoriasis-Arthritis, juveniler rheumatoider Arthritis und rheumatoider Arthritis zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei rheumatoider Vaskulitis wirksam sein könnte. Dafür liegen bislang jedoch nur 1 nicht aussagekräftige klinische Studie und einzelne Fallberichte vor, sodass die Evidenz schwach ist.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Psoriasis-Arthritis, juvenile rheumatoide Arthritis, rheumatoide Arthritis |
| Vorhergesagte neue Indikation | Rheumatoide Vaskulitis |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,91 % |
| Evidenzstufe | L4 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/aufgehobene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Nach bekanntem Wissen blockiert Abatacept die Kostimulation über CD28–CD80/86 und dämpft dadurch die T-Zell-Aktivierung, die bei der rheumatoiden Arthritis eine zentrale Rolle spielt.
Die rheumatoide Vaskulitis ist eine extraartikuläre Manifestation derselben T-Zell- und Immunkomplex-getriebenen Erkrankung. Ein mechanistischer Zusammenhang ist daher denkbar.
Die Datenlage ist jedoch widersprüchlich: Ein Fallbericht (PMID 29930884) beschreibt einen Nutzen von Abatacept, ein anderer (PMID 27052429) berichtet über ein Neuauftreten einer rheumatoiden Vaskulitis unter Abatacept-Therapie. Dies ist ein gegenläufiges Sicherheitssignal.
Evidenz aus klinischen Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT07138898 | Phase 2 | Rekrutierend | 80 | Management von Immunsuppressiva vor Schulterendoprothesen bei rheumatologischen Patienten; prüft nicht die Wirksamkeit von Abatacept bei Vaskulitis |
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 29930884 | 2018 | Fallbericht | Cureus | Abatacept als Therapieoption bei rheumatoider Vaskulitis bei Patientin mit RA und CVID, bei der Rituximab das Risiko einer Verschlechterung der Immunschwäche birgt |
| 22124545 | 2012 | Fallbericht | Modern Rheumatology | Rasches Ansprechen einer rheumatoiden Vaskulitis auf Abatacept nach Versagen von Methotrexat, TNF- und IL-6-Hemmern |
| 27052429 | 2016 | Fallbericht | Joint Bone Spine | Neu aufgetretene rheumatoide Vaskulitis unter Abatacept, Besserung nach Rituximab |
| 30119075 | 2018 | Fallbericht | Ophthalmic Plastic and Reconstructive Surgery | Orbitale Vaskulitis bei RA unter Abatacept; Progression trotz Cyclophosphamid |
| 36418100 | 2023 | Fallbericht | Internal Medicine | ANCA-assoziierte Nephritis unter Abatacept und Adalimumab bei RA; Besserung unter Tocilizumab |
| 24840285 | 2014 | Systematische Übersicht und Kohorte | Autoimmunity Reviews | Durch Biologika ausgelöste autoimmune Nierenerkrankungen bei chronisch-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen |
| 33595833 | 2021 | Systematische Übersicht | BioDrugs | Durch Biologika und zielgerichtete Wirkstoffe induzierte immunvermittelte Glomerulopathien |
| 34068884 | 2021 | Übersichtsarbeit | Journal of Clinical Medicine | Behandlungsperspektiven bei Episkleritis und Skleritis im Rahmen der RA |
| 24493331 | 2015 | Fallbasierte Übersicht | Clinical Rheumatology | Abatacept bei Myositis |
| 23557513 | 2013 | Übersichtsarbeit | BMC Medicine | Update zur Biologika-Therapie bei Autoimmunerkrankungen |
Es handelt sich ausschließlich um Fallberichte und Übersichtsarbeiten; randomisierte kontrollierte Studien zur rheumatoiden Vaskulitis liegen nicht vor.
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000701 | Orencia | – | Psoriasis-Arthritis, juvenile rheumatoide Arthritis, rheumatoide Arthritis (Status: erloschen) |
Sicherheitsaspekte
Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 73 Wechselwirkungen erfasst. Wichtige Beispiele:
- Schwerwiegend (Major): Adalimumab, Baricitinib, Certolizumab pegol, BCG-Lebendimpfstoff (Tice-Stamm)
- Mäßig (Moderate): Roflumilast, Alefacept, Alemtuzumab, Anakinra, Azathioprin, Canakinumab sowie mehrere Lebendimpfstoffe
- Gering (Minor): Zinkpräparate (Acetat, Gluconat, Sulfat, Chlorid)
Zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen liegen keine Daten vor; bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Evidenz für rheumatoide Vaskulitis beschränkt sich auf wenige, teils widersprüchliche Fallberichte, und die einzige gelistete Studie prüft Abatacept nicht bei dieser Erkrankung. Zudem besteht in Deutschland aktuell keine gültige Zulassung.
Für ein Vorankommen sind folgende Schritte erforderlich:
- Kontrollierte oder zumindest prospektive Studien zu Abatacept bei rheumatoider Vaskulitis
- Auswertung des Sicherheitssignals (Neuauftreten von Vaskulitis unter Abatacept)
- Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus
- Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) beim BfArM
- Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland
Hinweis zu weiteren Vorhersagen: Unter den übrigen Kandidaten sind inflammatorische Spondylopathie (enthält die bereits zugelassene Psoriasis-Arthritis; Phase-3-Evidenz, NCT01860976, n=489; Evidenzstufe L1, Proceed with Guardrails) und polyartikuläre juvenile rheumatoide Arthritis (bereits zugelassene Indikation; Phase-3-Evidenz, u. a. NCT00095173, n=214; L1, Proceed with Guardrails) überwiegend Überschneidungen mit den ursprünglichen Indikationen und keine echte Neuausrichtung. Bei der ankylosierenden Spondylitis (L2) liegt nur eine kleine, unkontrollierte Pilotstudie (NCT00558506, n=30) vor, und Leitlinien empfehlen Abatacept dort nicht. Für die übrigen Vorhersagen (z. B. Hypermobilität des Steißbeins, Kümmell-Krankheit) gibt es keine Evidenz.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.