Abatacept

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Abatacept
  2. Abatacept: Von Psoriasis-Arthritis/juveniler/rheumatoider Arthritis zu rheumatoider Vaskulitis
    1. Zusammenfassung
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Abatacept: Von Psoriasis-Arthritis/juveniler/rheumatoider Arthritis zu rheumatoider Vaskulitis

Zusammenfassung

Abatacept ist ein Fusionsprotein, das ursprünglich zur Behandlung von Psoriasis-Arthritis, juveniler rheumatoider Arthritis und rheumatoider Arthritis zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei rheumatoider Vaskulitis wirksam sein könnte. Dafür liegen bislang jedoch nur 1 nicht aussagekräftige klinische Studie und einzelne Fallberichte vor, sodass die Evidenz schwach ist.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Psoriasis-Arthritis, juvenile rheumatoide Arthritis, rheumatoide Arthritis
Vorhergesagte neue Indikation Rheumatoide Vaskulitis
TxGNN-Vorhersagewert 99,91 %
Evidenzstufe L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/aufgehobene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1 (erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Nach bekanntem Wissen blockiert Abatacept die Kostimulation über CD28–CD80/86 und dämpft dadurch die T-Zell-Aktivierung, die bei der rheumatoiden Arthritis eine zentrale Rolle spielt.

Die rheumatoide Vaskulitis ist eine extraartikuläre Manifestation derselben T-Zell- und Immunkomplex-getriebenen Erkrankung. Ein mechanistischer Zusammenhang ist daher denkbar.

Die Datenlage ist jedoch widersprüchlich: Ein Fallbericht (PMID 29930884) beschreibt einen Nutzen von Abatacept, ein anderer (PMID 27052429) berichtet über ein Neuauftreten einer rheumatoiden Vaskulitis unter Abatacept-Therapie. Dies ist ein gegenläufiges Sicherheitssignal.


Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Kernaussagen
NCT07138898 Phase 2 Rekrutierend 80 Management von Immunsuppressiva vor Schulterendoprothesen bei rheumatologischen Patienten; prüft nicht die Wirksamkeit von Abatacept bei Vaskulitis

Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Zeitschrift Kernaussagen
29930884 2018 Fallbericht Cureus Abatacept als Therapieoption bei rheumatoider Vaskulitis bei Patientin mit RA und CVID, bei der Rituximab das Risiko einer Verschlechterung der Immunschwäche birgt
22124545 2012 Fallbericht Modern Rheumatology Rasches Ansprechen einer rheumatoiden Vaskulitis auf Abatacept nach Versagen von Methotrexat, TNF- und IL-6-Hemmern
27052429 2016 Fallbericht Joint Bone Spine Neu aufgetretene rheumatoide Vaskulitis unter Abatacept, Besserung nach Rituximab
30119075 2018 Fallbericht Ophthalmic Plastic and Reconstructive Surgery Orbitale Vaskulitis bei RA unter Abatacept; Progression trotz Cyclophosphamid
36418100 2023 Fallbericht Internal Medicine ANCA-assoziierte Nephritis unter Abatacept und Adalimumab bei RA; Besserung unter Tocilizumab
24840285 2014 Systematische Übersicht und Kohorte Autoimmunity Reviews Durch Biologika ausgelöste autoimmune Nierenerkrankungen bei chronisch-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen
33595833 2021 Systematische Übersicht BioDrugs Durch Biologika und zielgerichtete Wirkstoffe induzierte immunvermittelte Glomerulopathien
34068884 2021 Übersichtsarbeit Journal of Clinical Medicine Behandlungsperspektiven bei Episkleritis und Skleritis im Rahmen der RA
24493331 2015 Fallbasierte Übersicht Clinical Rheumatology Abatacept bei Myositis
23557513 2013 Übersichtsarbeit BMC Medicine Update zur Biologika-Therapie bei Autoimmunerkrankungen

Es handelt sich ausschließlich um Fallberichte und Übersichtsarbeiten; randomisierte kontrollierte Studien zur rheumatoiden Vaskulitis liegen nicht vor.


Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000701 Orencia – Psoriasis-Arthritis, juvenile rheumatoide Arthritis, rheumatoide Arthritis (Status: erloschen)

Sicherheitsaspekte

Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 73 Wechselwirkungen erfasst. Wichtige Beispiele:

  • Schwerwiegend (Major): Adalimumab, Baricitinib, Certolizumab pegol, BCG-Lebendimpfstoff (Tice-Stamm)
  • Mäßig (Moderate): Roflumilast, Alefacept, Alemtuzumab, Anakinra, Azathioprin, Canakinumab sowie mehrere Lebendimpfstoffe
  • Gering (Minor): Zinkpräparate (Acetat, Gluconat, Sulfat, Chlorid)

Zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen liegen keine Daten vor; bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Evidenz für rheumatoide Vaskulitis beschränkt sich auf wenige, teils widersprüchliche Fallberichte, und die einzige gelistete Studie prüft Abatacept nicht bei dieser Erkrankung. Zudem besteht in Deutschland aktuell keine gültige Zulassung.

Für ein Vorankommen sind folgende Schritte erforderlich:

  • Kontrollierte oder zumindest prospektive Studien zu Abatacept bei rheumatoider Vaskulitis
  • Auswertung des Sicherheitssignals (Neuauftreten von Vaskulitis unter Abatacept)
  • Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus
  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) beim BfArM
  • Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland

Hinweis zu weiteren Vorhersagen: Unter den übrigen Kandidaten sind inflammatorische Spondylopathie (enthält die bereits zugelassene Psoriasis-Arthritis; Phase-3-Evidenz, NCT01860976, n=489; Evidenzstufe L1, Proceed with Guardrails) und polyartikuläre juvenile rheumatoide Arthritis (bereits zugelassene Indikation; Phase-3-Evidenz, u. a. NCT00095173, n=214; L1, Proceed with Guardrails) überwiegend Überschneidungen mit den ursprünglichen Indikationen und keine echte Neuausrichtung. Bei der ankylosierenden Spondylitis (L2) liegt nur eine kleine, unkontrollierte Pilotstudie (NCT00558506, n=30) vor, und Leitlinien empfehlen Abatacept dort nicht. Für die übrigen Vorhersagen (z. B. Hypermobilität des Steißbeins, Kümmell-Krankheit) gibt es keine Evidenz.

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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