Adalimumab

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 6

Inhaltsverzeichnis

  1. Adalimumab
  2. Adalimumab: Von Spondylitis ankylosans und weiteren entzündlichen Erkrankungen zu rheumatoider Vaskulitis
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Kurzübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Adalimumab: Von Spondylitis ankylosans und weiteren entzündlichen Erkrankungen zu rheumatoider Vaskulitis

Zusammenfassung in einem Satz

Adalimumab ist ein humaner monoklonaler Anti-TNF-Antikörper, der ursprünglich zur Behandlung entzündlicher Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Spondylitis ankylosans, Psoriasis-Arthritis, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt für ihn unter anderem eine Wirksamkeit bei rheumatoider Vaskulitis voraus. Dafür liegen 1 klinische Studie (ohne direkten Bezug) und 20 Publikationen vor, überwiegend Einzelfallberichte und Übersichtsarbeiten mit gemischter Aussage.


Kurzübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Spondylitis ankylosans, juvenile rheumatoide Arthritis, Uveitis, Colitis ulcerosa, Psoriasis, Psoriasis-Arthritis, Morbus Crohn, rheumatoide Arthritis
Vorhergesagte neue Indikation Rheumatoide Vaskulitis
TxGNN-Vorhersagewert 99,80 %
Evidenzgrad L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/aufgehobene Zulassungen (aktuell keine gültige Zulassung in den erfassten Daten)
Anzahl der Zulassungen 11 (alle erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Adalimumab ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper ist, der TNF-alpha bindet. Seine Wirksamkeit bei rheumatoider Arthritis und weiteren entzündlichen Erkrankungen ist belegt, und mechanistisch könnte er auch bei rheumatoider Vaskulitis anwendbar sein.

Die rheumatoide Vaskulitis ist eine schwere extraartikuläre Komplikation der rheumatoiden Arthritis, die durch TNF-alpha-vermittelte Entzündung mitgetragen wird. Eine TNF-Blockade ist daher biologisch plausibel. Die Literatur zeigt jedoch ein gemischtes Bild: Einerseits berichtet ein Fallbericht über ein Ansprechen einer digitalen Vaskulitis auf Adalimumab, und ein weiterer beschreibt eine akute pulmonale hypertensive Krise nach Dosisreduktion bei rheumatoider Vaskulitis. Andererseits gibt es Berichte über paradoxe Vaskulitiden und Autoimmunphänomene unter Anti-TNF-Therapie (ANCA-assoziierte Nephritis, Antiphospholipid-Syndrom, leukozytoklastische Vaskulitis). Das Signal enthält somit sowohl möglichen Nutzen als auch mögliches Schadenspotenzial.

Weitere vorhergesagte Indikationen (zur Einordnung):

  • Entzündliche Spondylopathie (Score 99,77 %, Evidenzgrad L1): entspricht weitgehend der bereits zugelassenen Indikation Spondylitis ankylosans; Phase-3-Studien stützen sie.
  • Polyartikuläre juvenile rheumatoide Arthritis (Score 99,72 %, Evidenzgrad L1): ebenfalls bereits unter den ursprünglichen Indikationen; es handelt sich um eine Anwendung im Rahmen der Zulassung, nicht um echtes Repurposing.
  • Vertebrale Erkrankung (Score 99,18 %, L4): zu breite Kategorie; die Evidenz betrifft nur die entzündliche Untergruppe.
  • Steißbeinhypermobilität und Kümmell-Krankheit (L5): nur Modellvorhersage, ohne Studien oder Literatur und ohne plausiblen TNF-Mechanismus; vermutlich Artefakte der Graphnähe.

Evidenz aus klinischen Studien

Für die Hauptvorhersage (rheumatoide Vaskulitis):

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Zentrale Ergebnisse
NCT07138898 Phase 2 Rekrutierend 80 Perioperatives Management von Immunsuppressiva bei rheumatologischen Patienten vor Schulterarthroplastik; prüft Adalimumab nicht bei Vaskulitis, daher kein direkter Beleg

Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Zentrale Ergebnisse
25133007 2014 Fallbericht Case Reports in Rheumatology Digitale Vaskulitis bei rheumatoider Arthritis sprach gut auf Adalimumab an
30773522 2019 Fallbericht Internal Medicine Akute pulmonale hypertensive Krise acht Monate nach Adalimumab-Reduktion bei rheumatoider Vaskulitis
28123776 2017 Kohorte (BSRBR-RA) RMD Open Risiko lupus- und vaskulitisartiger Ereignisse unter TNF-Inhibitoren bei rheumatoider Arthritis
31491879 2019 Netzwerk-Metaanalyse Int J Mol Sci 36 RCTs: Original- und Biosimilar-TNF-Inhibitoren verringern die Gelenkzerstörung bei RA ähnlich
23559388 2013 Fallbericht/Review Clinical Rheumatology Adalimumab-assoziiertes Antiphospholipid-Syndrom; Literaturübersicht zu Adalimumab-induzierter Vaskulitis
36418100 2023 Fallbericht Internal Medicine ANCA-assoziierte Nephritis unter Abatacept und Adalimumab; Besserung unter Tocilizumab
28719435 2018 Fallbericht Am J Dermatopathol Leukozytoklastische Vaskulitis mit perivaskulärer Hämophagozytose unter Adalimumab bei RA
36706240 2023 Biopsiestudie Kidney360 Spektrum renaler Läsionen nach Anti-TNF-Therapie
16979537 2006 Review Best Pract Res Clin Rheumatol Probleme unter Anti-TNF-Therapie, u. a. Reaktivierung der Tuberkulose

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000481 Humira – Spondylitis ankylosans, juvenile rheumatoide Arthritis, Uveitis, Colitis ulcerosa, Psoriasis, Psoriasis-Arthritis…
EMEA/H/C/005947 Libmyris – Rheumatoide Arthritis, juvenile rheumatoide Arthritis, Spondylitis ankylosans, Psoriasis-Arthritis, Psoriasis…
EMEA/H/C/005188 Yuflyma – Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Psoriasis, Spondylitis ankylosans, Uveitis…
EMEA/H/C/005548 Hukyndra – Psoriasis-Arthritis, juvenile rheumatoide Arthritis, rheumatoide Arthritis, Colitis ulcerosa…
EMEA/H/C/004879 Amsparity – Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Psoriasis, Spondylitis ankylosans, Uveitis…

Alle 11 erfassten Zulassungen (u. a. auch Idacio, Imraldi, Amgevita, Hyrimoz, Hefiya, Hulio) haben den Status „erloschen"; die Tabelle zeigt die fünf wichtigsten.


Sicherheitsaspekte

  • Arzneimittelwechselwirkungen (insgesamt 100 erfasste Einträge, Auswahl):
    • Schwerwiegend (Major): Kortikosteroide (Betamethason, Budesonid, Dexamethason, Hydrocortison, Prednisolon, Prednison, Triamcinolon), Deferipron, Ibritumomab-Tiuxetan, Iobenguan (I-131), Tositumomab (auch I-131)
    • Moderat: Metronidazol, Tinidazol, Rosuvastatin, Simvastatin
    • Gering: Zinkacetat, Zinkgluconat, Zinksulfat
  • Literaturhinweise zu Risiken der Anti-TNF-Therapie: Reaktivierung der Tuberkulose, erhöhtes Infektionsrisiko (u. a. Herpes zoster), arzneimittelinduzierter Lupus und paradoxe Vaskulitis, Antiphospholipid-Syndrom, Immunogenität (Antikörperbildung gegen Adalimumab).

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für die rheumatoide Vaskulitis liegen nur Einzelfallberichte mit widersprüchlicher Richtung (Ansprechen einerseits, paradoxe Vaskulitis andererseits) und keine einschlägige klinische Studie vor. Die Evidenz bleibt auf dem Niveau L4. Bei den Indikationen entzündliche Spondylopathie und polyartikuläre juvenile rheumatoide Arthritis ist die Evidenz stark (L1, „Proceed with Guardrails"), es handelt sich jedoch um Anwendungen im Rahmen bestehender Indikationen und nicht um echtes Repurposing.

Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:

  • Kontrollierte oder zumindest größere Beobachtungsstudien zu Adalimumab bei rheumatoider Vaskulitis, die Nutzen und paradoxe Vaskulitis gegeneinander abwägen
  • Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus
  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise und Gegenanzeigen), da diese Daten derzeit fehlen und für das Sicherheitsscreening erforderlich sind
  • Klärung des aktuellen Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland, da alle erfassten Zulassungen als erloschen geführt werden
  • Bei Anwendung im Rahmen bestehender Indikationen: Screening auf Tuberkulose und Hepatitis B, Infektionsüberwachung, Impfstatus-Prüfung, bei Kindern gewichts- bzw. altersadaptierte Dosierung

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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