Adalimumab
| Evidenzniveau: L4 | Vorhergesagte Indikationen: 6 |
Inhaltsverzeichnis
- Adalimumab
- Adalimumab: Von Spondylitis ankylosans und weiteren entzündlichen Erkrankungen zu rheumatoider Vaskulitis
Adalimumab: Von Spondylitis ankylosans und weiteren entzündlichen Erkrankungen zu rheumatoider Vaskulitis
Zusammenfassung in einem Satz
Adalimumab ist ein humaner monoklonaler Anti-TNF-Antikörper, der ursprünglich zur Behandlung entzündlicher Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Spondylitis ankylosans, Psoriasis-Arthritis, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt für ihn unter anderem eine Wirksamkeit bei rheumatoider Vaskulitis voraus. Dafür liegen 1 klinische Studie (ohne direkten Bezug) und 20 Publikationen vor, überwiegend Einzelfallberichte und Übersichtsarbeiten mit gemischter Aussage.
Kurzübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Spondylitis ankylosans, juvenile rheumatoide Arthritis, Uveitis, Colitis ulcerosa, Psoriasis, Psoriasis-Arthritis, Morbus Crohn, rheumatoide Arthritis |
| Vorhergesagte neue Indikation | Rheumatoide Vaskulitis |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,80 % |
| Evidenzgrad | L4 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/aufgehobene Zulassungen (aktuell keine gültige Zulassung in den erfassten Daten) |
| Anzahl der Zulassungen | 11 (alle erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Adalimumab ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper ist, der TNF-alpha bindet. Seine Wirksamkeit bei rheumatoider Arthritis und weiteren entzündlichen Erkrankungen ist belegt, und mechanistisch könnte er auch bei rheumatoider Vaskulitis anwendbar sein.
Die rheumatoide Vaskulitis ist eine schwere extraartikuläre Komplikation der rheumatoiden Arthritis, die durch TNF-alpha-vermittelte Entzündung mitgetragen wird. Eine TNF-Blockade ist daher biologisch plausibel. Die Literatur zeigt jedoch ein gemischtes Bild: Einerseits berichtet ein Fallbericht über ein Ansprechen einer digitalen Vaskulitis auf Adalimumab, und ein weiterer beschreibt eine akute pulmonale hypertensive Krise nach Dosisreduktion bei rheumatoider Vaskulitis. Andererseits gibt es Berichte über paradoxe Vaskulitiden und Autoimmunphänomene unter Anti-TNF-Therapie (ANCA-assoziierte Nephritis, Antiphospholipid-Syndrom, leukozytoklastische Vaskulitis). Das Signal enthält somit sowohl möglichen Nutzen als auch mögliches Schadenspotenzial.
Weitere vorhergesagte Indikationen (zur Einordnung):
- Entzündliche Spondylopathie (Score 99,77 %, Evidenzgrad L1): entspricht weitgehend der bereits zugelassenen Indikation Spondylitis ankylosans; Phase-3-Studien stützen sie.
- Polyartikuläre juvenile rheumatoide Arthritis (Score 99,72 %, Evidenzgrad L1): ebenfalls bereits unter den ursprünglichen Indikationen; es handelt sich um eine Anwendung im Rahmen der Zulassung, nicht um echtes Repurposing.
- Vertebrale Erkrankung (Score 99,18 %, L4): zu breite Kategorie; die Evidenz betrifft nur die entzündliche Untergruppe.
- Steißbeinhypermobilität und Kümmell-Krankheit (L5): nur Modellvorhersage, ohne Studien oder Literatur und ohne plausiblen TNF-Mechanismus; vermutlich Artefakte der Graphnähe.
Evidenz aus klinischen Studien
Für die Hauptvorhersage (rheumatoide Vaskulitis):
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT07138898 | Phase 2 | Rekrutierend | 80 | Perioperatives Management von Immunsuppressiva bei rheumatologischen Patienten vor Schulterarthroplastik; prüft Adalimumab nicht bei Vaskulitis, daher kein direkter Beleg |
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 25133007 | 2014 | Fallbericht | Case Reports in Rheumatology | Digitale Vaskulitis bei rheumatoider Arthritis sprach gut auf Adalimumab an |
| 30773522 | 2019 | Fallbericht | Internal Medicine | Akute pulmonale hypertensive Krise acht Monate nach Adalimumab-Reduktion bei rheumatoider Vaskulitis |
| 28123776 | 2017 | Kohorte (BSRBR-RA) | RMD Open | Risiko lupus- und vaskulitisartiger Ereignisse unter TNF-Inhibitoren bei rheumatoider Arthritis |
| 31491879 | 2019 | Netzwerk-Metaanalyse | Int J Mol Sci | 36 RCTs: Original- und Biosimilar-TNF-Inhibitoren verringern die Gelenkzerstörung bei RA ähnlich |
| 23559388 | 2013 | Fallbericht/Review | Clinical Rheumatology | Adalimumab-assoziiertes Antiphospholipid-Syndrom; Literaturübersicht zu Adalimumab-induzierter Vaskulitis |
| 36418100 | 2023 | Fallbericht | Internal Medicine | ANCA-assoziierte Nephritis unter Abatacept und Adalimumab; Besserung unter Tocilizumab |
| 28719435 | 2018 | Fallbericht | Am J Dermatopathol | Leukozytoklastische Vaskulitis mit perivaskulärer Hämophagozytose unter Adalimumab bei RA |
| 36706240 | 2023 | Biopsiestudie | Kidney360 | Spektrum renaler Läsionen nach Anti-TNF-Therapie |
| 16979537 | 2006 | Review | Best Pract Res Clin Rheumatol | Probleme unter Anti-TNF-Therapie, u. a. Reaktivierung der Tuberkulose |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000481 | Humira | – | Spondylitis ankylosans, juvenile rheumatoide Arthritis, Uveitis, Colitis ulcerosa, Psoriasis, Psoriasis-Arthritis… |
| EMEA/H/C/005947 | Libmyris | – | Rheumatoide Arthritis, juvenile rheumatoide Arthritis, Spondylitis ankylosans, Psoriasis-Arthritis, Psoriasis… |
| EMEA/H/C/005188 | Yuflyma | – | Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Psoriasis, Spondylitis ankylosans, Uveitis… |
| EMEA/H/C/005548 | Hukyndra | – | Psoriasis-Arthritis, juvenile rheumatoide Arthritis, rheumatoide Arthritis, Colitis ulcerosa… |
| EMEA/H/C/004879 | Amsparity | – | Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Psoriasis, Spondylitis ankylosans, Uveitis… |
Alle 11 erfassten Zulassungen (u. a. auch Idacio, Imraldi, Amgevita, Hyrimoz, Hefiya, Hulio) haben den Status „erloschen"; die Tabelle zeigt die fünf wichtigsten.
Sicherheitsaspekte
- Arzneimittelwechselwirkungen (insgesamt 100 erfasste Einträge, Auswahl):
- Schwerwiegend (Major): Kortikosteroide (Betamethason, Budesonid, Dexamethason, Hydrocortison, Prednisolon, Prednison, Triamcinolon), Deferipron, Ibritumomab-Tiuxetan, Iobenguan (I-131), Tositumomab (auch I-131)
- Moderat: Metronidazol, Tinidazol, Rosuvastatin, Simvastatin
- Gering: Zinkacetat, Zinkgluconat, Zinksulfat
- Literaturhinweise zu Risiken der Anti-TNF-Therapie: Reaktivierung der Tuberkulose, erhöhtes Infektionsrisiko (u. a. Herpes zoster), arzneimittelinduzierter Lupus und paradoxe Vaskulitis, Antiphospholipid-Syndrom, Immunogenität (Antikörperbildung gegen Adalimumab).
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Für die rheumatoide Vaskulitis liegen nur Einzelfallberichte mit widersprüchlicher Richtung (Ansprechen einerseits, paradoxe Vaskulitis andererseits) und keine einschlägige klinische Studie vor. Die Evidenz bleibt auf dem Niveau L4. Bei den Indikationen entzündliche Spondylopathie und polyartikuläre juvenile rheumatoide Arthritis ist die Evidenz stark (L1, „Proceed with Guardrails"), es handelt sich jedoch um Anwendungen im Rahmen bestehender Indikationen und nicht um echtes Repurposing.
Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:
- Kontrollierte oder zumindest größere Beobachtungsstudien zu Adalimumab bei rheumatoider Vaskulitis, die Nutzen und paradoxe Vaskulitis gegeneinander abwägen
- Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus
- Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise und Gegenanzeigen), da diese Daten derzeit fehlen und für das Sicherheitsscreening erforderlich sind
- Klärung des aktuellen Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland, da alle erfassten Zulassungen als erloschen geführt werden
- Bei Anwendung im Rahmen bestehender Indikationen: Screening auf Tuberkulose und Hepatitis B, Infektionsüberwachung, Impfstatus-Prüfung, bei Kindern gewichts- bzw. altersadaptierte Dosierung
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.