Aflibercept
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 1 |
Inhaltsverzeichnis
Aflibercept: Von neovaskulären Netzhauterkrankungen zu Esotropie
Zusammenfassung
Aflibercept ist ein VEGF-Fänger (Trap), der ursprünglich zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration, des Makulaödems, des diabetischen Makulaödems, des retinalen Venenverschlusses und der choroidalen Neovaskularisation eingesetzt wird (als Zaltrap auch bei Kolorektalkarzinom). Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Esotropie (Einwärtsschielen) wirksam sein könnte. Für diese Richtung liegen jedoch keine klinischen Studien und keine Publikationen vor; die Vorhersage beruht allein auf dem Modell.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Feuchte Makuladegeneration, Makulaödem, diabetische Komplikationen, retinaler Venenverschluss, choroidale Neovaskularisation |
| Vorhergesagte neue Indikation | Esotropie |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,38 % |
| Evidenzlevel | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/widerrufene Zulassungen |
| Anzahl der Zulassungen | 14 (alle erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Aflibercept ist ein Fänger für VEGF-A, VEGF-B und den Plazenta-Wachstumsfaktor (PlGF). Es ist für Netzhauterkrankungen mit pathologischer Gefäßneubildung und erhöhter Gefäßpermeabilität zugelassen. Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten nicht vor; die Einordnung beruht auf allgemeinem Wissen über den Wirkstoff.
Der Zusammenhang zwischen der ursprünglichen und der neuen Indikation ist schwach. Esotropie ist eine Störung der Augenstellung, die vor allem durch neuromuskuläre, refraktive, akkommodative oder binokulare Faktoren bedingt ist und nicht primär durch VEGF getrieben wird. Ein direkter biologischer Weg von der VEGF-Hemmung zur Korrektur der Esotropie lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht herleiten.
Ein möglicher indirekter Zusammenhang besteht bei der Frühgeborenenretinopathie: Hier werden intravitreale Anti-VEGF-Wirkstoffe eingesetzt, und Strabismus ist eine bekannte Spätkomplikation. Ein Effekt würde jedoch die zugrunde liegende Netzhauterkrankung betreffen, nicht die Esotropie selbst. Dies ist rein hypothetisch und durch die vorliegende Evidenz nicht gestützt. Der hohe Modellwert sollte daher als computergestützter Hinweis, nicht als biologische Bestätigung verstanden werden.
Klinische Studienevidenz
Derzeit sind keine einschlägigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
Derzeit liegt keine einschlägige Literatur vor.
Informationen zum deutschen Markt
Alle 14 erfassten Zulassungen sind erloschen bzw. widerrufen. Die folgende Tabelle zeigt fünf davon.
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/002392 | Eylea (Bayer AG) | – | Feuchte Makuladegeneration, Makulaödem, diabetische Komplikationen, retinaler Venenverschluss… |
| EMEA/H/C/002532 | Zaltrap (Sanofi Winthrop Industrie) | – | Kolorektalkarzinom |
| EMEA/H/C/006056 | Opuviz (Samsung Bioepis NL B.V.) | – | Feuchte Makuladegeneration, Makulaödem, diabetische Komplikationen, retinaler Venenverschluss |
| EMEA/H/C/005899 | Eydenzelt (Celltrion Healthcare Hungary Kft.) | – | Feuchte Makuladegeneration, Makulaödem, diabetische Komplikationen, retinaler Venenverschluss… |
| EMEA/H/C/006761 | Afiveg (STADA Arzneimittel AG) | – | Feuchte Makuladegeneration, Makulaödem, diabetische Komplikationen, retinaler Venenverschluss… |
Sicherheitsaspekte
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 78 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind unter anderem: Deferipron, Samarium-(153Sm)-Lexidronam, Adalimumab, Baricitinib, Certolizumab pegol, Cladribin und Clozapin. Als mäßig (Moderate) eingestuft sind unter anderem: Strontiumchlorid Sr-89, Roflumilast, Chloramphenicol, Zidovudin, Alefacept, Alemtuzumab, Anakinra, Azathioprin und Canakinumab sowie mehrere Impfstoffe (u. a. Tetanus-Toxoid, Anthrax, Cholera-Lebendimpfstoff).
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage für Esotropie beruht ausschließlich auf einem Computermodell (Evidenzlevel L5). Es gibt weder klinische Studien noch Publikationen, und ein plausibler biologischer Zusammenhang zwischen VEGF-Hemmung und Esotropie ist nicht erkennbar. Zudem sind in Deutschland derzeit alle erfassten Zulassungen erloschen.
Für ein Weiterverfolgen sind erforderlich:
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank
- Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der BfArM-Fachinformation (derzeit blockierende Datenlücke für das Sicherheitsscreening)
- Systematische Literaturrecherche, z. B. zu Strabismus nach Anti-VEGF-Therapie bei Frühgeborenenretinopathie
- Prüfung der Anwendungswege (Applikationsroute) für die neue Indikation
- Klärung des aktuellen Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.