Agomelatine
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
- Agomelatine
- Agomelatin: Von der Major Depression zur benignen paroxysmalen Torticollis des Säuglingsalters
Agomelatin: Von der Major Depression zur benignen paroxysmalen Torticollis des Säuglingsalters
Zusammenfassung in einem Satz
Agomelatin ist ein Antidepressivum, das ursprünglich zur Behandlung der Major Depression (depressive Episoden bei Erwachsenen) eingesetzt wurde. Das TxGNN-Modell sagt für den Spitzenkandidaten benigne paroxysmale Torticollis des Säuglingsalters eine mögliche Wirksamkeit voraus. Dafür liegen jedoch keine klinischen Studien und keine Publikationen vor; die Vorhersage beruht allein auf dem Modell.
Hinweis: Dieser Kandidat hat keinen erkennbaren biologischen Bezug zu Agomelatin. Die Indikationen Melancholie, neurotische Depression und dysthymische Störung haben eine deutlich plausiblere Evidenzbasis (siehe unten).
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Major Depression |
| Vorhergesagte neue Indikation | Benigne paroxysmale Torticollis des Säuglingsalters (Rang 1) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,96 % |
| Evidenzstufe | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/aufgehobene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (aufgehoben) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Aus der Literatur und den Rezeptordaten ist bekannt: Agomelatin ist ein Agonist an den melatonergen Rezeptoren MT1 und MT2 sowie ein Antagonist am Serotonin-5-HT2C-Rezeptor. Dadurch kann es zirkadiane Rhythmen normalisieren und die Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin im präfrontalen Kortex steigern. Die Bindung an 5-HT2A- und 5-HT2B-Rezeptoren ist ebenfalls beschrieben.
Für die benigne paroxysmale Torticollis des Säuglingsalters, eine episodische Erkrankung im Kindesalter (häufig mit CACNA1A-Varianten assoziiert), ist kein mechanistischer Zusammenhang erkennbar. Der hohe Modellwert ist wahrscheinlich ein Artefakt der Netzwerknähe im Wissensgraphen.
Mechanistisch deutlich besser begründet sind andere Vorhersagen aus der Liste:
- Melancholie (Score 99,88 %): schwere Unterform der Major Depression, also im Wesentlichen eine Überschneidung mit der ursprünglichen Indikation.
- Neurotische Depression (99,88 %) und dysthymische Störung (99,86 %): mildere bzw. chronische depressive Störungen, auf die sich der antidepressive Mechanismus plausibel übertragen lässt.
- Agoraphobie (99,95 %) und neurotische Störung (99,90 %): indirekte Begründung über anxiolytische Effekte und gemeinsame serotonerge/zirkadiane Signalwege.
- Seltene genetische Syndrome (Ohdo-Syndrom, Keppen-Lubinsky-Syndrom) und die Conjunctivitis lignosa zeigen keinen biologischen Bezug.
Klinische Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
Derzeit liegt keine zugehörige Literatur vor.
Zum Vergleich: Für die besser begründeten Alternativkandidaten wurde Literatur gefunden. Für Melancholie und neurotische Depression sind es überwiegend allgemeine Übersichten und Netzwerk-Metaanalysen zu Antidepressiva (z. B. Cipriani et al., Lancet 2018, PMID 29477251) sowie Übersichten zu Agomelatin (z. B. PMID 24033095). Für die dysthymische Störung liegt eine Metaanalyse placebokontrollierter RCTs zu Antidepressiva vor (PMID 21527126, 2011), die Agomelatin nicht nachweislich einschließt. Keine dieser Arbeiten ist spezifisch für die jeweilige Diagnose.
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000915 | Valdoxan | – | Major Depression (Status: aufgehoben) |
Sicherheitsaspekte
- Pharmakologische Zielstrukturen (aus der Wechselwirkungsabfrage): 5-HT2A-, 5-HT2B-, 5-HT2C-, MT1- und MT2-Rezeptor. Das sind Zielstrukturen des Wirkstoffs selbst, keine klassischen Arzneimittelwechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen siehe die Packungsbeilage bzw. Fachinformation.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Für die benigne paroxysmale Torticollis des Säuglingsalters liegt ausschließlich eine Modellvorhersage ohne Studien, Literatur oder mechanistische Begründung vor (Evidenzstufe L5). Zudem ist die deutsche Zulassung aufgehoben.
Für ein Weiterkommen sind erforderlich:
- Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen); derzeit fehlt diese Information und blockiert die Sicherheitsprüfung.
- Daten zum Wirkmechanismus aus einer verlässlichen Arzneimitteldatenbank.
- Priorisierung der Kandidaten mit plausiblerem Bezug (Melancholie, neurotische Depression, dysthymische Störung) und gezielte Suche nach agomelatin-spezifischen Studien in diesen Subtypen. Diese tragen derzeit die Stufe L4 mit der Einstufung „Forschungsfrage".
- Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland, da nur eine aufgehobene Zulassung vorliegt.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.