Aliskiren
| Evidenzniveau: L4 | Vorhergesagte Indikationen: 7 |
Inhaltsverzeichnis
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- Aliskiren: Von Hypertonie zu pulmonaler Hypertonie infolge von Lungenerkrankung und/oder Hypoxie
Aliskiren: Von Hypertonie zu pulmonaler Hypertonie infolge von Lungenerkrankung und/oder Hypoxie
Zusammenfassung
Aliskiren ist ein direkter Renin-Inhibitor, der ursprünglich zur Behandlung der Hypertonie zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei pulmonaler Hypertonie infolge von Lungenerkrankung und/oder Hypoxie wirksam sein könnte. Dafür liegen keine klinischen Studien und nur präklinische Publikationen (4 Arbeiten) vor. Die Vorhersage ist daher bislang rein hypothesengenerierend.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Hypertonie |
| Vorhergesagte neue Indikation | Pulmonale Hypertonie infolge von Lungenerkrankung und/oder Hypoxie |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,98 % |
| Evidenzgrad | L4 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/zurückgezogene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Aliskiren als direkter Renin-Inhibitor den geschwindigkeitsbestimmenden ersten Schritt des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) blockiert. Seine Wirksamkeit bei Hypertonie ist belegt.
Chronische intermittierende Hypoxie aktiviert das RAS. Dadurch steigt das zirkulierende Angiotensin II, was Sympathikusaktivierung sowie vaskuläres und atriales Remodeling fördert. In einem Rattenmodell milderte Aliskiren das hypoxiebedingte atriale Remodeling. Der biologische Zusammenhang ist daher denkbar.
Die Evidenz ist jedoch ausschließlich präklinisch und betrifft hypoxiebedingte Umbauprozesse, nicht die pulmonale Hypertonie selbst. Der hohe TxGNN-Wert ist eine reine Modellvorhersage.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 32982180 | 2020 | Präklinisch (Ratte) | Drug Des Devel Ther | Mögliche Wirkung von Aliskiren auf das atriale Remodeling bei chronischer intermittierender Hypoxie |
| 29645283 | 2018 | Präklinisch (Ratte) | J Physiol | Sympathikusaktivierung nach intermittierender Hypoxie wird durch zirkulierendes Angiotensin II vermittelt; RAS-Hemmung verhindert sie |
| 39133776 | 2024 | Präklinisch (in vitro) | Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol | Angiotensin-II-Aktivität im Gehirn (Lamina terminalis); nur indirekt relevant |
| 26502369 | 2016 | Präklinisch/mechanistisch | Transplantation | Calcineurin-Inhibitoren steigern lokales Renin in den Sammelrohren der Niere; nur indirekt relevant |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000780 | Rasilez | – | Hypertonie (Status: erloschen) |
Sicherheitshinweise
Aus der Wissensgraph-Analyse (nicht aus dem Beipackzettel) ergeben sich Kontraindikationen bzw. Risikokonstellationen, unter anderem:
- Leber und Galle: Leberversagen, Lebererkrankung, hepatische Enzephalopathie/Koma, Pankreatitis, Gallenblasenerkrankung, Neugeborenenikterus
- Niere: Anurie, Nierenfunktionsstörung, Nierenarterienverschluss, Nephrokalzinose
- Angioödem: auch hereditäres, erworbenes und RAAS-Blocker-induziertes Angioödem
- Stoffwechsel: Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Kaliummangel, Hyperurikämie, Gicht, Hyperkalzämie, Störungen des Phosphatstoffwechsels, Hyperparathyreoidismus
- Blut und Kreislauf: Neutropenie, Agranulozytose, Hypotonie
- Immunologisch: systemischer Lupus erythematodes (auch pädiatrisch)
Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst, die gezeigten sind alle von mäßigem Schweregrad. Hierzu zählen:
- Kortikosteroide (Hydrocortison, Prednisolon, Prednison, Dexamethason, Betamethason, Budesonid)
- Kaliumpräparate (Kaliumchlorid, -citrat, -gluconat, -bicarbonat)
- SGLT2-Hemmer (Canagliflozin, Dapagliflozin, Empagliflozin, Ertugliflozin)
- Acetylsalicylsäure, Clarithromycin, Miconazol, Clotrimazol, Aprepitant, Eliglustat
Für die weiteren Sicherheitsangaben bitte den Beipackzettel heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage stützt sich allein auf ein Modell und auf präklinische, indirekte Daten zu hypoxiebedingtem Remodeling. Klinische Studien zur pulmonalen Hypertonie fehlen. Zudem ist die Zulassung in Deutschland erloschen und das Sicherheitsprofil (z. B. Hyperkaliämie, Angioödem, Nierenfunktion) erfordert Vorsicht.
Für ein Weiterkommen sind erforderlich:
- Präklinische Studien direkt in Modellen der pulmonalen Hypertonie (z. B. hypoxieinduziert)
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank
- Beipackzettel des BfArM mit Warnhinweisen und Kontraindikationen für das Sicherheitsscreening
- Klärung der Verfügbarkeit des Präparats in Deutschland
- Bewertung der Sicherheit bei Patienten mit Lungen- und Rechtsherzerkrankung
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.