Amifampridine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 2

Inhaltsverzeichnis

  1. Amifampridine
  2. Amifampridin: Vom Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom zum Glaukom
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Evidenz
    5. Literaturevidenz
    6. Informationen zum deutschen Markt
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Amifampridin: Vom Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom zum Glaukom

Zusammenfassung

Amifampridin (3,4-Diaminopyridin) wurde ursprünglich zur Behandlung des Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndroms (LEMS) eingesetzt. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Glaukom wirksam sein könnte (zweiter Vorhersagekandidat: akute intermittierende Porphyrie). Für diese Vorhersage liegen derzeit keine klinischen Studien und keine Publikationen vor; es handelt sich um eine reine Modellvorhersage.


Kurzübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom
Vorhergesagte neue Indikation Glaukom
TxGNN-Vorhersagewert 99,71 %
Evidenzstufe L5
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/zurückgezogene Zulassungen (keine gültige Zulassung)
Anzahl der Zulassungen 2 (beide erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus sind in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit nicht verfügbar. Bekannt ist, dass Amifampridin ein Blocker spannungsabhängiger Kaliumkanäle ist. Dadurch wird die präsynaptische Depolarisation verlängert und die Freisetzung von Acetylcholin an der neuromuskulären Endplatte erhöht. Die Wirksamkeit bei LEMS ist belegt.

Ein möglicher Zusammenhang mit dem Glaukom wäre eine Neuroprotektion retinaler Ganglienzellen oder eine Modulation der neuronalen Erregbarkeit. Dieser Zusammenhang ist jedoch nicht belegt. Eine Kaliumkanalblockade könnte zudem die Augenphysiologie in nicht vorhersagbarer Weise beeinflussen. Der hohe TxGNN-Wert ist eine rein rechnerische Vorhersage und wird durch keine klinischen oder Literaturdaten gestützt.

Zweiter Kandidat: akute intermittierende Porphyrie (TxGNN-Wert 99,32 %, Evidenzstufe L5, Hold). Hier käme allenfalls ein symptomatischer Nutzen bei neuromuskulärer Schwäche in Betracht, der den zugrunde liegenden Enzymdefekt nicht adressiert. Das Krampfanfallsrisiko von Amifampridin ist besonders kritisch, da Krampfanfälle bei dieser Erkrankung eine bekannte Komplikation sind. Zudem muss die Exposition gegenüber porphyrinogenen Arzneimitteln vermieden werden, was angesichts der Zahl von 68 Wechselwirkungen relevant ist. Auch hierfür gibt es keine Studien oder Publikationen.


Klinische Evidenz

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

Derzeit liegt keine zugehörige Literatur vor.


Informationen zum deutschen Markt

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005839 (erloschen) Amifampridine SERB – Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom, paraneoplastische Syndrome des Nervensystems, Neoplasmen des Nervensystems, paraneop…
EMEA/H/C/001032 (erloschen) Firdapse (zuvor Zenas) – Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom

Beide Zulassungen (Inhaber: SERB SA) sind als erloschen geführt; derzeit besteht keine gültige Zulassung.


Sicherheitsaspekte

  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 68 Wechselwirkungen erfasst. Auszug der geprüften Einträge:
    • Schwerwiegend (Major): Bupropion
    • Moderat: Hydrocortison, Betamethason, Dexamethason, Prednisolon, Prednison, Dexfenfluramin, Diethylpropion, Dronabinol, Ephedrin, Fenfluramin, Levofloxacin, Mazindol, Metoclopramid, Morphin (auch liposomal), Opium, Phentermin, Sibutramin, Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten)
  • Besondere Hinweise: Das Krampfanfallsrisiko von Amifampridin ist insbesondere bei der Indikation akute intermittierende Porphyrie relevant.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für beide vorhergesagten Indikationen (Glaukom und akute intermittierende Porphyrie) existieren weder klinische Studien noch Publikationen; die Evidenz beschränkt sich auf die Modellvorhersage (L5). Zudem besteht in Deutschland keine gültige Zulassung, und Daten zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen fehlen.

Für ein Fortschreiten sind folgende Schritte erforderlich:

  • Beschaffung und Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise und Gegenanzeigen) als Voraussetzung für die Sicherheitsprüfung
  • Ergänzung detaillierter Wirkmechanismus-Daten (z. B. über DrugBank)
  • Systematische Literaturrecherche und präklinische Studien zu einer möglichen Neuroprotektion bei Glaukom
  • Klärung der Zulassungs- und Verfügbarkeitssituation in Deutschland
  • Bewertung des Krampfanfallsrisikos und der Wechselwirkungen, insbesondere bei akuter intermittierender Porphyrie

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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