Amlodipine
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 9 |
Inhaltsverzeichnis
- Amlodipine
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Amlodipin: Von Hypertonie zu Hirnstamminfarkt
- Zusammenfassung in einem Satz
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Literaturevidenz
- Marktinformationen Deutschland
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Amlodipin: Von Hypertonie zu Hirnstamminfarkt
Zusammenfassung in einem Satz
Amlodipin ist ein Calciumkanalblocker, der ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Hirnstamminfarkt wirksam sein könnte (Rang 1 der Vorhersagen). Für diese Indikation liegen jedoch keine klinischen Studien und keine Publikationen vor. Die am besten belegte Richtung unter den Vorhersagen ist die intrazerebrale Blutung (Sekundärprävention) mit 4 klinischen Studien und 8 Publikationen, allerdings nur als Bestandteil einer Dreifachkombination.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Hypertonie |
| Vorhergesagte neue Indikation | Hirnstamminfarkt |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9994 |
| Evidenzgrad | L5 (nur Modellvorhersage) |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 8 von 8) |
| Anzahl der Zulassungen | 8 (gültig: 8) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Hinweis: Weitere Vorhersagen weisen höhere Evidenzgrade auf, z. B. die intrazerebrale Blutung (L1, mit Einschränkungen, siehe unten) und der Verschluss zerebraler Arterien (L3, überwiegend präklinisch).
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Amlodipin ist ein Calciumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ. Er erweitert die Gefäße und senkt den Blutdruck. Seine Wirksamkeit bei Hypertonie ist belegt.
Der Blutdruck ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für Schlaganfälle. Mechanistisch ist daher denkbar, dass Amlodipin über Blutdrucksenkung und Gefäßwirkung das zerebrovaskuläre Risiko verringert. Für den Hirnstamminfarkt selbst wurden jedoch weder Studien noch Literatur gefunden, die Vorhersage beruht allein auf dem Modell.
Präklinische Daten stützen eine neuroprotektive Wirkung bei zerebraler Ischämie (verkleinerte Infarktgröße, antiapoptotische und antioxidative Effekte, additive Wirkung mit Atorvastatin in Tiermodellen). Die klinischen Belege stammen dagegen aus Kombinationsregimen, sodass ein amlodipinspezifischer Beitrag nicht abgrenzbar ist.
Evidenz aus klinischen Studien
Für den Spitzenkandidaten Hirnstamminfarkt sind derzeit keine einschlägigen klinischen Studien registriert.
Für die klinisch am besten belegte Vorhersage, intrazerebrale Blutung (TxGNN-Wert 0,9979), liegen folgende Studien vor:
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT02699645 | Phase 3 | Abgeschlossen | 1671 | TRIDENT: intensivere Blutdrucksenkung mit einer Dreifachkombinations-Pille (niedrig dosiert) zur Verhinderung eines erneuten Schlaganfalls nach intrazerebraler Blutung |
| NCT07458880 | Nicht zugeordnet | Rekrutierend | 140 | Dreifache antihypertensive Therapie nach intrazerebraler Blutung mit TRICH-Score; Ergebnisse noch nicht verfügbar |
| NCT03783754 | Nicht zugeordnet | Abgebrochen | 4 | MRT-Teilstudie von TRIDENT; Daten kaum verwertbar |
| NCT03785067 | Phase 3 | Abgebrochen | 1 | Kognitive Teilstudie von TRIDENT; Daten praktisch nicht verwertbar |
Für Verschluss zerebraler Arterien sind drei Studien registriert (NCT03783754, NCT03785067 und die Phase-4-Studie NCT00805311 zur Endarteriektomie versus optimale medikamentöse Therapie, 400 Teilnehmer); alle wurden abgebrochen, und Amlodipin ist nicht die geprüfte Einzelintervention.
Literaturevidenz
Zur intrazerebralen Blutung (Auswahl):
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 42019018 | 2026 | RCT | N Engl J Med | TRIDENT-Hauptergebnisse: Dreifach-Niedrigdosis-Pille nach intrazerebraler Blutung |
| 34994269 | 2022 | Studiendesign | Int J Stroke | TRIDENT: Begründung, Design und Fortschritt |
| 14717341 | 2003 | RCT (indirekt) | Hypertens Res | CASE-J: Candesartan versus Amlodipin bei Hypertonie |
| 3154329 | 1988 | Übersichtsarbeit | Cardiovasc Drugs Ther | Calciumantagonisten bei Hypertonie und Arrhythmien |
| 19299323 | 2009 | Fallbericht | Ann Pharmacother | Wahrscheinliches Amlodipin-induziertes Angioödem bei Thalamusblutung |
Zum Verschluss zerebraler Arterien (präklinisch):
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 17070425 | 2006 | Präklinisch | Am J Hypertens | Amlodipin verkleinert die Infarktgröße bei ApoE-defizienten Mäusen |
| 17904110 | 2007 | Präklinisch | Brain Res | Calciumkanalblocker mit antioxidativer Wirkung schützen Neuronen nach transienter Ischämie |
| 21538457 | 2011 | Präklinisch | J Neurosci Res | Amlodipin plus Atorvastatin: antiapoptotische und antiautophagische Schutzwirkung nach MCAO |
| 20971084 | 2011 | Präklinisch | Brain Res | Synergistischer Nutzen von Amlodipin plus Atorvastatin |
| 21276424 | 2011 | Präklinisch | Brain Res | Schutz vor ischämischem Schlaganfallschaden durch die Kombination |
Marktinformationen Deutschland
Alle acht Zulassungen sind gültig. Es handelt sich um zentrale EU-Zulassungen (EMEA) von Kombinationspräparaten.
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/004037 | Amlodipine / Valsartan Mylan | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/000776 | Dafiro | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/001224 | Twynsta | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/000716 | Exforge | – | Hypertonie |
| EMEA/H/C/000774 | Copalia | – | Hypertonie |
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (keine Packungsbeilagen-Angaben): Leberversagen, Nierenerkrankung, Pankreatitis, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Hypothyreose, Angioödem (inkl. hereditäres), systemischer Lupus erythematodes, Myopathie, familiäre periodische Paralyse, Kaliummangel, Diabetes mellitus bzw. diabetische Ketoazidose, Neutropenie/Agranulozytose, hypotensive Störungen, Hyperparathyreoidismus.
- Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen erfasst; die aufgeführten sind überwiegend von mittlerem Schweregrad, z. B. mit Hydrocortison, Dexamethason, Betamethason, Budesonid, Aprepitant, Acetylsalicylsäure, Bupropion, Clarithromycin, Clotrimazol, Canagliflozin, Dapagliflozin sowie verschiedenen Calciumsalzen.
- Hinweise aus der Literatur: Fallberichte zu Angioödem, Überdosierung mit nichtkardiogenem Lungenödem und Hypoxie während Einlungenventilation. Bei hypoxischer Lungenerkrankung können Vasodilatatoren das Ventilations-Perfusions-Verhältnis verschlechtern.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Packungsbeilage ist die Fachinformation heranzuziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Für den Spitzenkandidaten Hirnstamminfarkt gibt es ausschließlich eine Modellvorhersage ohne Studien oder Literatur (L5). Die stärkste klinische Evidenz (TRIDENT, intrazerebrale Blutung) betrifft eine Dreifachkombination; ein amlodipinspezifischer Effekt ist nicht abgrenzbar. Das Arzneimittel ist in Deutschland aktuell im Handel, alle 8 Zulassungen sind gültig.
Für ein Weiterkommen sind erforderlich:
- Detaillierte Mechanismusdaten (MOA), z. B. aus DrugBank
- Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Packungsbeilage (BfArM); ohne diese ist ein Sicherheitsscreening nicht möglich
- Auswertung der TRIDENT-Daten hinsichtlich des Beitrags einzelner Komponenten
- Klinische oder zumindest gezielte Beobachtungsdaten zu Hirnstamminfarkt bzw. zerebralem Arterienverschluss
- Klärung des Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland (Einzelpräparate, Darreichungsformen)
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.