Anagrelide
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 2 |
Inhaltsverzeichnis
- Anagrelide
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Anagrelid: Thrombozytenreduzierender Wirkstoff → Reaktive Thrombozytose (reactive thrombocytosis)
- Zusammenfassung
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Evidenz aus der Literatur
- Informationen zum deutschen Markt
- Zytotoxizität
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Anagrelid: Thrombozytenreduzierender Wirkstoff → Reaktive Thrombozytose (reactive thrombocytosis)
Zusammenfassung
Anagrelid ist ein Wirkstoff, der die Thrombozytenzahl senkt. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei reaktiver Thrombozytose (reactive thrombocytosis) wirksam sein könnte. Für diese Richtung liegen keine klinischen Studien und 10 Publikationen vor, die sich überwiegend mit der essenziellen Thrombozythämie befassen, nicht direkt mit der vorhergesagten Erkrankung.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Thrombocythemia, Essential |
| Vorhergesagte neue Indikation | Reaktive Thrombozytose (reactive thrombocytosis) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9983 |
| Evidenzstufe | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2) |
| Anzahl der Zulassungen | 2 (gültig: 2) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den hier zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist aus der Literatur, dass Anagrelid die Thrombozytenzahl senkt, indem es die Reifung und Differenzierung der Megakaryozyten hemmt. Dieser Effekt ist unabhängig von der Ursache der Thrombozytose, was eine pharmakologisch plausible Verbindung zur reaktiven Thrombozytose schafft.
Dem steht ein wesentlicher klinischer Einwand gegenüber: Die reaktive Thrombozytose ist sekundär, etwa infolge von Entzündung, Infektion, Eisenmangel oder nach Splenektomie, und meist vorübergehend. Sie ist in der Regel mit einem niedrigen Thromboserisiko verbunden und wird durch Behandlung der Grunderkrankung gesteuert; eine zytoreduktive Therapie ist selten angezeigt. Die Übersichtsarbeiten betonen entsprechend, dass die reaktive Form meist keiner Therapie bedarf, während die klonale Thrombozytose behandelt werden kann. Der hohe Vorhersagewert spiegelt wahrscheinlich vor allem die Ähnlichkeit zur essenziellen Thrombozythämie wider und ist kein unabhängiger Wirksamkeitsbeleg.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
Keine der aufgeführten Arbeiten untersucht Anagrelid direkt bei reaktiver Thrombozytose. Sie behandeln überwiegend die essenzielle Thrombozythämie oder grenzen sie von der reaktiven Form ab.
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 15270658 | 2004 | Übersichtsarbeit | Expert Rev Anticancer Ther | Wirkmechanismen und therapeutisches Potenzial von Anagrelid; reaktive Thrombozytose erfordert keine Therapie, klonale ggf. schon |
| 16019501 | 2005 | Übersichtsarbeit | Leuk Lymphoma | Kritische Bewertung der Anagrelid-Therapie bei essenzieller Thrombozythämie und verwandten Erkrankungen |
| 10494240 | 1999 | Übersichtsarbeit | Med J Aust | Essenzielle Thrombozythämie; Diagnose setzt den Ausschluss anderer Neoplasien und der reaktiven Thrombozytose voraus |
| 1994734 | 1991 | Übersichtsarbeit | Am J Med Sci | Klinisches Spektrum von Thrombozytose und Thrombozythämie |
| 7783354 | 1995 | Übersichtsarbeit | Rinsho Ketsueki | Diagnose und Behandlung der essenziellen Thrombozythämie, Abgrenzung zur reaktiven Thrombozytose |
| 28380402 | 2017 | Übersichtsarbeit | Leuk Res | Rolle der Thrombozytapherese bei Hyperthrombozytose bei myeloproliferativen Neoplasien |
| 17171694 | 2007 | Retrospektive Kohorte | Pediatr Blood Cancer | Essenzielle versus reaktive Thrombozythämie bei Kindern, 12 Fälle |
| 38455691 | 2024 | Fallbericht | Eur J Case Rep Intern Med | Akuter Myokardinfarkt bei Patient mit essenzieller Thrombozythämie unter Anagrelid |
| 27276864 | 2016 | Fallbericht | Srp Arh Celok Lek | Essenzielle Thrombozythämie und Spondylitis ankylosans, Behandlung u. a. mit Anagrelid |
| 29851840 | 2018 | Fallbericht | Medicine | Replantation zweier Finger bei Thrombozytose nach Splenektomie |
Informationen zum deutschen Markt
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000480 | Xagrid | – | Siehe lokale Zulassungsdaten |
| EMEA/H/C/004585 | Anagrelide Viatris (zuvor Anagrelide Mylan) | – | Siehe lokale Zulassungsdaten |
Zytotoxizität
Anagrelid wird in den vorliegenden Daten nicht als Antineoplastikum im Sinne konventioneller Zytostatika geführt; dieser Abschnitt entfällt daher.
Sicherheitsaspekte
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind unter anderem Cisaprid, Clarithromycin, Dolasetron, Granisetron und Levofloxacin. Als mittelschwer (Moderate) eingestuft sind unter anderem Famotidin, Alosetron, Aprepitant, Acetylsalicylsäure, Cimetidin, Loperamid und Fenfluramin.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen siehe die Fachinformation.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Es gibt keine klinische Studie und keine Publikation, die Anagrelid direkt bei reaktiver Thrombozytose untersucht; die Evidenz entspricht daher L5. Zudem ist die reaktive Thrombozytose meist vorübergehend und risikoarm, sodass der klinische Bedarf für eine zytoreduktive Therapie fraglich ist.
Für ein Weiterkommen ist Folgendes erforderlich:
- Klinische oder retrospektive Daten, die Anagrelid direkt bei reaktiver Thrombozytose untersuchen
- Klärung, in welchen Ausnahmefällen (z. B. extreme Thrombozytose mit Gefäßkomplikationen) ein Nutzen plausibel wäre
- Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus
- Auswertung der Fachinformation zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen
- Sicherheitsbewertung der schwerwiegenden Wechselwirkungen, insbesondere mit QT-verlängernden Arzneimitteln
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.