Anakinra

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 9

Inhaltsverzeichnis

  1. Anakinra
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Anakinra: Extrakutanes Mastozytom
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Evidenz aus der Literatur
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Anakinra: Extrakutanes Mastozytom

Zusammenfassung

Anakinra ist ein Interleukin-1-Rezeptorantagonist, der ursprünglich zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis (und zuletzt auch bei COVID-19) zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass der Wirkstoff unter anderem bei der autosomal-rezessiven familiären Mittelmeerfieber (FMF) wirksam sein könnte. Dafür liegen keine registrierten klinischen Studien, aber 19 Publikationen (überwiegend Übersichtsarbeiten, Fallserien und Fallberichte) vor.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Rheumatoide Arthritis; COVID-19-Virusinfektion
Vorhergesagte neue Indikation Extrakutanes Mastozytom
TxGNN-Vorhersagewert 0,9989 (FMF); 0,9993 (Rang 1, extrakutanes Mastozytom)
Evidenzstufe L5 (FMF)
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold (Forschungsfrage; weitere Prüfung nötig)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Anakinra als rekombinanter Interleukin-1-Rezeptorantagonist die Signalübertragung von IL-1 blockiert. Seine Wirksamkeit bei rheumatoider Arthritis ist belegt.

Beim familiären Mittelmeerfieber führen Mutationen im MEFV-Gen (Pyrin) zu einer Überaktivierung des Inflammasoms und zu einem Überschuss an IL-1β. Anakinra setzt genau an diesem Signalweg an. Die vorliegende Literatur (u. a. Fallserien und Übersichten) stützt den Einsatz der IL-1-Blockade bei Patienten, die auf Colchicin nicht ansprechen oder es nicht vertragen.

Auch für verwandte autoinflammatorische Erkrankungen (PAPA-Syndrom und verwandte Formen, nicht klassifizierte autoinflammatorische Syndrome) ist der IL-1-Mechanismus plausibel. Für die übrigen Vorhersagen (z. B. Mastozytom, hepatische Infarkte, Peliosis hepatis) ist der mechanistische Zusammenhang spekulativ.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Evidenz aus der Literatur

Für das familiäre Mittelmeerfieber (Auswahl):

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
23322405 2013 Übersichtsarbeit Clin Rev Allergy Immunol Biologische IL-1β-Therapie des FMF als Option bei Colchicin-Versagen
21277619 2011 Fallserie/Übersicht Semin Arthritis Rheum IL-1-gerichtete Wirkstoffe bei FMF; Pyrin ist an der IL-1-Reifung beteiligt
34550430 2022 Kohorte Rheumatol Int Canakinumab wirksam bei FMF mit Resistenz oder Unverträglichkeit gegenüber Colchicin und/oder Anakinra
21931121 2012 Fallbericht Nephrol Dial Transplant Deutlicher Nutzen der IL-1-Hemmung bei FMF mit Amyloidose und Nierenversagen
19033248 2009 Fallbericht Nephrol Dial Transplant Erfolgreiche Anakinra-Behandlung bei FMF und Verlauf nach Nierentransplantation
20386914 2012 Fallbericht Rheumatol Int Wirksamkeit von Anakinra bei Colchicin-resistentem FMF
23928237 2013 Fallbericht Joint Bone Spine Myositis bei FMF und Spondyloarthritis erfolgreich mit Anakinra behandelt
28585601 2017 Fallserie JPMA Anakinra bzw. Canakinumab bei vier Patienten mit Colchicin-resistentem FMF erfolgreich
32655029 2020 Fallbericht Iran J Kidney Dis Späte akute zelluläre Abstoßung nach Anakinra bei Nierentransplantierter – möglicher Sicherheitshinweis
26572612 2016 Übersichtsarbeit Curr Med Chem Colchicin, Biologika und weitere Optionen bei FMF

Zu weiteren Vorhersagen (jeweils nur indirekte Evidenz):

  • PAPA-/PSTPIP1-assoziierte Erkrankungen: Scoping-Review zu Anakinra und Canakinumab (38259483, 2023), Anakinra-Fallbericht bei PAPASH (39006661, 2024) sowie eine Arbeit zu Schwierigkeiten bei der Langzeitremission (38006373, 2023).
  • Nicht klassifiziertes autoinflammatorisches Syndrom: retrospektive Anakinra-Erfahrung bei pädiatrischen rheumatischen Erkrankungen (36589607, 2022) und deutsches GARROD-Register (37747561, 2024).
  • Aggressive systemische Mastozytose: nur Berichte zum Schnitzler-Syndrom (40718535), also eine andere Erkrankung.
  • Oligoartikuläre juvenile idiopathische Arthritis: nur eine allgemeine Übersicht (28418334).
  • Für extrakutanes Mastozytom, hepatischen Infarkt, hepatische veno-okklusive Erkrankung und Peliosis hepatis liegt keine Literatur vor.

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000363 Kineret (Swedish Orphan Biovitrum AB) – Rheumatoide Arthritis; COVID-19-Virusinfektion (Status: gültig)

Sicherheitsaspekte

Arzneimittelwechselwirkungen (100 Einträge insgesamt; Auswahl):

  • Schwerwiegend (Major): Deferipron
  • Moderat: Kortikosteroide (Hydrocortison, Betamethason, Budesonid, Dexamethason, Prednisolon, Prednison, Triamcinolon), Simvastatin, Apixaban, Rivaroxaban, Dicoumarol, Ibritumomab tiuxetan, Tositumomab, Iobenguan (I-131)
  • Gering (Minor): Zinkacetat, Zinkgluconat, Zinksulfat

Ergänzend weist ein Fallbericht auf eine späte akute Abstoßung nach Anakinra bei einer Nierentransplantierten hin (kausaler Zusammenhang unklar).

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold (Forschungsfrage)

Begründung: Für das familiäre Mittelmeerfieber ist der Mechanismus (IL-1-Überproduktion) stark und durch Fallserien sowie Übersichten gestützt, es fehlen jedoch registrierte Studien und RCTs (Evidenzstufe L3). Die Vorhersagen mit dem höchsten Score (z. B. extrakutanes Mastozytom) haben keinerlei klinische Evidenz (L5). Die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation fehlen.

Für das weitere Vorgehen sind erforderlich:

  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) – derzeit blockierende Datenlücke für das Sicherheitsscreening
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank
  • Prüfung prospektiver Studien oder RCTs für FMF (Colchicin-resistente Patienten) sowie für PAPA-/PSTPIP1-assoziierte Erkrankungen
  • Klärung des regulatorischen Status in Deutschland und der Anwendungswege

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.