Azathioprine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 7

Inhaltsverzeichnis

  1. Azathioprine
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Azathioprine: Colobomatous microphthalmia-rhizomelic dysplasia syndrome
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Azathioprine: Colobomatous microphthalmia-rhizomelic dysplasia syndrome

Zusammenfassung

Azathioprin ist ein Purin-Antimetabolit mit immunsuppressiver Wirkung und wurde ursprünglich zur Behandlung der Transplantatabstoßung zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt für die Substanz mehrere neue Indikationen voraus. Der höchste Score entfällt formal auf seltene Entwicklungsstörungen ohne jede Evidenz. Die einzige klinisch belastbare Richtung ist die chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED, einschließlich Colitis ulcerosa). Dafür liegen mindestens 24 registrierte klinische Studien und zahlreiche Publikationen vor, darunter mehrere Cochrane-Übersichten. Es handelt sich dabei aber überwiegend um etablierten Einsatz und nicht um ein neues Repurposing-Signal.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Graft Rejection
Vorhergesagte neue Indikation (Rang 1 laut Modell) Colobomatous microphthalmia-rhizomelic dysplasia syndrome
TxGNN-Score (Rang 1) 1.0000
Evidenzstufe L5 für Rang 1; L1 für CED und Colitis ulcerosa
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Rang 1: Hold; CED / Colitis ulcerosa: Proceed with Guardrails

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben aus der Arzneistoffdatenbank vor. Aus der Literatur ist jedoch bekannt: Azathioprin wird zu 6-Thioguaninnukleotiden verstoffwechselt, die die Purinsynthese hemmen und die Apoptose von T-Zellen fördern (u. a. über die Hemmung von Rac1). Dadurch wird die Aktivierung des Immunsystems unterdrückt, die auch bei Transplantatabstoßung zentral ist.

Bei der CED und der Colitis ulcerosa spielt eine überschießende, T-Zell-getriebene Immunaktivierung der Darmschleimhaut eine zentrale Rolle. Der Wirkmechanismus passt daher gut. Die Substanz wird in der Praxis seit Jahrzehnten als steroidsparender Immunmodulator zur Remissionserhaltung eingesetzt.

Bei den meisten übrigen vorhergesagten Erkrankungen (z. B. seltene Skelett- und Fehlbildungssyndrome, Osteoarthrose-Suszeptibilität) besteht dagegen kein erkennbarer mechanistischer Zusammenhang. Das WHIM-Syndrom ist sogar ungünstig, da die myelosuppressive und lymphozytensuppressive Wirkung die Zytopenien wahrscheinlich verschlechtern würde. Die hohen Scores dieser Kandidaten sind reine Graphvorhersagen.


Evidenz aus klinischen Studien

Dargestellt sind die relevantesten Studien für die CED, die Colitis ulcerosa wird dabei mitabgedeckt (Auswahl von 10).

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT07235904 Phase 4 Rekrutierend 300 Mirikizumab (Top-down) vs. Azathioprin-Standardtherapie bei neu diagnostizierter mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa
NCT00537316 Phase 3 Abgebrochen 242 Infliximab als Monotherapie oder mit Azathioprin vs. Azathioprin-Monotherapie bei Colitis ulcerosa
NCT02177071 Phase 4 Abgeschlossen 211 Infliximab plus Antimetabolit vs. Monotherapien bei Morbus Crohn in steroidfreier Remission
NCT01235689 Phase 3 Abgeschlossen 252 Zwei Behandlungsalgorithmen bei mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn; Azathioprin indirekt beteiligt
NCT00976690 Phase 3 Abgeschlossen 83 Azathioprin vs. Mesalazin zur Prävention des postoperativen Rezidivs bei Morbus Crohn
NCT01564823 Phase 3 Abgeschlossen 86 Adalimumab vs. Azathioprin zur Prävention des postoperativen Rezidivs bei Morbus Crohn
NCT02425852 Phase 4 Abgeschlossen 65 Früh Azathioprin plus Infliximab vs. Kortikosteroide plus Azathioprin bei akuter schwerer Colitis
NCT00984568 Phase 3 Abgebrochen 28 Konventionelles Step-up (mit Azathioprin) vs. Infliximab-Monotherapie; wegen geringer Fallzahl wenig aussagekräftig
NCT00098111 Phase 3 Abgebrochen 31 Dosisfindung von Azathioprin (IMURAN) bei aktivem Morbus Crohn
NCT03101800 Phase 3 Unbekannt 84 Niedrig dosiertes Azathioprin plus Allopurinol vs. Azathioprin-Monotherapie bei Colitis ulcerosa

Für die übrigen vorhergesagten Erkrankungen (insbesondere die Rangplätze 1–4, 6, 8 und 10) sind derzeit keine relevanten klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
40013523 2025 Systematische Übersicht Cochrane Database Syst Rev Aktualisierte Bewertung von Azathioprin/6-MP zur Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa
39586616 2025 RCT Gut ACTIVE-Studie: Top-down Infliximab plus Azathioprin vs. Azathioprin allein bei akuter schwerer Colitis ulcerosa
27192092 2016 Systematische Übersicht Cochrane Database Syst Rev Wirksamkeit von Azathioprin/6-MP zur Remissionserhaltung bei Colitis ulcerosa
22972046 2012 Systematische Übersicht Cochrane Database Syst Rev Frühere Fassung der Cochrane-Analyse zur Remissionserhaltung
17253451 2007 Systematische Übersicht Cochrane Database Syst Rev Erste Fassung der Cochrane-Analyse zur Remissionserhaltung
29293971 2018 Review J Crohns Colitis Aktueller Überblick zu Thiopurinen bei CED
16048561 2005 Review J Gastroenterol Hepatol Pharmakogenetik und Metabolitenmonitoring von Azathioprin und 6-MP bei CED
34287682 2021 Review J Gastroenterol Thiopurin-Pharmakogenomik (NUDT15) und Schwangerschaft bei CED
37586320 2023 Mechanistische Studie Cell Rep Med Kommensale Bakterien fördern Therapieversagen von Azathioprin durch geringere 6-MP-Bioverfügbarkeit
32799195 2020 Review Digestion Malignome bei CED

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005055 Jayempi (Lipomed GmbH) – Transplantatabstoßung (Zulassung gültig)

Zytotoxizität

Azathioprin ist kein klassisches Antineoplastikum, wirkt aber als Purin-Antimetabolit zytotoxisch auf proliferierende Lymphozyten. Zu Zytotoxizitätsklassifikation, Emetogenität und Handhabungsvorschriften liegen in den zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Bitte die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen bzw. Risikoerkrankungen aus dem Wissensgraphen (kein Fachinformationstext): Pankreatitis, Thrombozytopenie, Anämie (auch makrozytär), Niereninsuffizienz, Pilz- und andere Infektionskrankheiten (u. a. Dermatophytose), Lymphome (einschließlich primärem ZNS-Lymphom, Lymphosarkom und hepatosplenischem T-Zell-Lymphom), Lebervenenthrombose und Budd-Chiari-Syndrom.
  • Wechselwirkungen (100 gemeldete):
    • Moderat: Mesalazin, Balsalazid, Olsalazin, Sulfasalazin.
    • Gering: Zinkacetat, Zinkgluconat, Zinksulfat.
    • Weitere Wechselwirkungen mit unbekanntem Schweregrad, u. a. Amphotericin B, Acetylsalicylsäure, Pantoprazol, Omeprazol, Metformin, Doxycyclin und Morphin.
  • Leitplanken aus der Literatur: TPMT-/NUDT15-Genotypisierung vor Therapiebeginn, Kontrolle von Blutbild und Leberenzymen sowie Überwachung auf Infektionen und Malignome (Lymphome, Hautkrebs).

Ergänzend bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails (für CED / Colitis ulcerosa); Hold (für alle übrigen vorhergesagten Indikationen, einschließlich Rang 1)

Begründung:

  • Für CED und Colitis ulcerosa sprechen mehrere Phase-3- und Phase-4-Studien, Cochrane-Übersichten und ein publizierter RCT (ACTIVE) für die Wirksamkeit. Die Studien nutzen Azathioprin jedoch häufig als Vergleichs- oder Kombinationspartner, sodass dies etablierten Einsatz widerspiegelt und kein neues Repurposing-Signal darstellt.
  • Die höchstbewerteten Vorhersagen (Rang 1 und 2) sind seltene Entwicklungsstörungen ohne plausiblen Mechanismus und ohne Studien- oder Literaturbasis. Der Score ist dort rein graphbasiert.

Für das weitere Vorgehen erforderlich:

  • Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) aus der BfArM-Quelle beschaffen, da diese Daten fehlen und die Sicherheitsprüfung sonst nicht abgeschlossen werden kann.
  • Detaillierte Wirkmechanismusdaten aus der Arzneistoffdatenbank ergänzen.
  • Sicherheitsüberwachungsplan (TPMT/NUDT15-Testung, Blutbild, Leberwerte, Malignomrisiko) für die Zielpopulation festlegen.

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.