Bosentan

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 9

Inhaltsverzeichnis

  1. Bosentan
  2. Bosentan: Von pulmonaler Hypertonie und systemischer Sklerose zu rheumatoider Arthritis
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
      1. Hinweis zu weiteren Vorhersagen
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Bosentan: Von pulmonaler Hypertonie und systemischer Sklerose zu rheumatoider Arthritis

Zusammenfassung in einem Satz

Bosentan ist ein dualer Endothelin-Rezeptor-Antagonist, der ursprünglich zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie und der systemischen Sklerose eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei rheumatoider Arthritis wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit keine klinischen Studien und 15 Publikationen vor, die überwiegend Übersichtsarbeiten, Fallberichte und Tiermodelle sind; die Evidenz ist daher schwach.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Pulmonale Hypertonie; systemische Sklerose
Vorhergesagte neue Indikation Rheumatoide Arthritis
TxGNN-Vorhersagewert 99,80 %
Evidenzstufe L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/widerrufene Zulassungen
Anzahl der Zulassungen 2 (beide erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Für diesen Bericht liegen derzeit keine detaillierten Daten zum Wirkmechanismus vor. Bosentan ist bekanntermaßen ein dualer Endothelin-Rezeptor-Antagonist (ETA/ETB). Seine Wirksamkeit bei pulmonaler Hypertonie und systemischer Sklerose ist belegt.

Endothelin-1 trägt in Arthritis-Modellen zu Entzündung, Gefäßveränderungen und Zytokinfreisetzung (TNF, IL-17, LTB4) bei. In einem Mausmodell der kollageninduzierten Arthritis verringerte Bosentan die Krankheitsaktivität, wobei ein TNF-abhängiger Mechanismus beschrieben wurde (PMID 22249931). Zudem sind die Endothelin-1-Spiegel in Plasma und Synovialmembran von RA-Patienten erhöht.

Ein Großteil der humanen Literatur betrifft jedoch die mit Bindegewebserkrankungen assoziierte pulmonale arterielle Hypertonie, also den bereits zugelassenen Kontext und nicht die Gelenkerkrankung der RA. Die Plausibilität beruht derzeit auf präklinischen Daten und Modellvorhersagen.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine relevanten klinischen Studien registriert.


Evidenz aus der Literatur

Die folgende Auswahl berücksichtigt die für die Fragestellung relevantesten Arbeiten (Präklinik und Übersichten zu Bosentan).

PMID Jahr Typ Journal Wichtigste Erkenntnisse
22249931 2012 Präklinisch (Tiermodell) Inflammation Research Bosentan lindert kollageninduzierte Arthritis bei Mäusen; TNF-α induziert Endothelin-System-Gene
18515326 2008 Präklinisch (Tiermodell) Journal of Leukocyte Biology Endotheline modulieren die Entzündungsreaktion bei zymosaninduzierter Arthritis (LTB4, TNF-α, CXCL-1)
16766656 2006 Präklinisch (Tiermodell) PNAS IL-15-induzierte Hypernozizeption wird durch duale Endothelin-Rezeptor-Blockade gehemmt
19969421 2010 Präklinisch (Tiermodell) Pain IL-17 vermittelt artikuläre Hypernozizeption bei antigeninduzierter Arthritis
24268012 2014 Übersichtsarbeit Rheumatic Diseases Clinics of North America PAH bei Bindegewebserkrankungen: hohe Morbidität, Mortalität bis 10–15 % im ersten Jahr
16218473 2005 Übersichtsarbeit Lupus PAH als Komplikation von Bindegewebserkrankungen, in geringerem Maß auch bei RA
19487226 2009 Übersichtsarbeit Rheumatology (Oxford) Vaskuläre Erkrankungen und PAH bei SLE und Sjögren-Syndrom
20054770 2009 Fallbericht Kardiologia Polska Kind mit Eisenmenger-Syndrom unter Bosentan und zusätzlich juveniler RA; kein Wirksamkeitsnachweis bei RA
21165350 2010 Übersichtsarbeit Canadian Respiratory Journal Behandlung der pulmonalen Hypertonie bei Bindegewebserkrankung mit interstitieller Lungenerkrankung
19851110 2010 Übersichtsarbeit Current Opinion in Rheumatology Rheumatische Hautmanifestationen; kein direkter Bezug zu Bosentan bei RA

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/002644 Stayveer – Pulmonale Hypertonie; systemische Sklerose (erloschen)
EMEA/H/C/000401 Tracleer – Systemische Sklerose; pulmonale Hypertonie (erloschen)

Beide Zulassungen (Janssen-Cilag) sind erloschen; es gibt keine gültige Zulassung.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen laut Wissensgraph (nicht aus dem Beipackzettel): Leberversagen, Lebererkrankung, medikamenteninduzierte Leberschädigung, Gallenblasenerkrankung, Thrombozytopenie, Anämie (einschließlich makrozytärer Anämie), Hyperbilirubinämie (einschließlich hereditärer Form), Gilbert-Syndrom, dekompensierte Herzinsuffizienz, Lungenödem, pulmonale venookklusive Erkrankung.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen erfasst. Beispiele mit moderater Einstufung: Kortikosteroide (Hydrocortison, Dexamethason, Betamethason, Triamcinolon), Pioglitazon, Aprepitant, Metronidazol, Cimetidin, Clarithromycin, Cisaprid, Clotrimazol sowie mehrere Antidiabetika (Chlorpropamid, Acetohexamid, Canagliflozin, Dapagliflozin, Empagliflozin, Ertugliflozin).
  • Weitere Angaben zu Warnhinweisen und Kontraindikationen sind dem Beipackzettel zu entnehmen. Als Klasseneffekt der Endothelin-Rezeptor-Antagonisten sind Teratogenität und Hepatotoxizität zu beachten.

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für rheumatoide Arthritis gibt es keine klinischen Studien; die Evidenz beschränkt sich auf Tiermodelle und Übersichten zur PAH bei Bindegewebserkrankungen. Hinzu kommen der erloschene Zulassungsstatus in Deutschland und ein relevantes Sicherheitsprofil (Leber, Teratogenität).

Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte erforderlich:

  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank ergänzen
  • Warnhinweise und Kontraindikationen aus dem BfArM-Beipackzettel einholen (aktuell blockierende Datenlücke für das Sicherheits-Screening)
  • Klärung des Zulassungsstatus und der Marktverfügbarkeit in Deutschland
  • Prüfung, ob translationale oder explorative klinische Studien bei RA sinnvoll sind

Hinweis zu weiteren Vorhersagen

Der Vorhersage mit dem höchsten Rang (rheumatoide Arthritis) stehen weitere gegenüber. Bemerkenswert ist limitierte systemische Sklerose (Evidenzstufe L3, Empfehlung Proceed with Guardrails): Dort gibt es u. a. eine systematische Übersicht mit Metaanalyse von 2023 zu digitalen Ulzerationen (PMID 36974107) und präklinische Daten zur Hemmung der endothelial-mesenchymalen Transition (PMID 27716320). Diese Indikation überschneidet sich jedoch weitgehend mit der bereits zugelassenen Indikation und ist teilweise eine Label-Erweiterung statt einer echten Neupositionierung. Die übrigen Vorhersagen (z. B. Brachydaktylie-Syndaktylie-Syndrom, Gicht, Hypertrichose) haben keine tragfähige Evidenz (L5, Hold).

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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