Budesonide

Evidenzniveau: L2 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Budesonide
  2. Budesonid: Von chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung/Asthma zu Bronchitis
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studien
    5. Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Budesonid: Von chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung/Asthma zu Bronchitis

Zusammenfassung

Budesonid ist ein Glukokortikoid, das in Deutschland bzw. der EU ursprünglich zur Behandlung von Erkrankungen der Speiseröhre sowie von Asthma und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) zugelassen war. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Bronchitis wirksam sein könnte (Rang 2 der Vorhersagen; Rang 1, atopisches Ekzem, ist nur durch indirekte Literatur gestützt und ohne klinische Studien). Für Bronchitis liegen 10 registrierte klinische Studien (davon nur wenige wirklich einschlägig) und 19 Publikationen vor; die Evidenz ist unterstützend, aber indirekt.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Erkrankungen der Speiseröhre; COPD und Asthma
Vorhergesagte neue Indikation Bronchitis (Rang 2 der TxGNN-Vorhersagen)
TxGNN-Vorhersagewert 99,81 %
Evidenzstufe L2
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/zurückgezogene Zulassungen
Anzahl der Zulassungen 6 (alle erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold (zurückstellen)

Hinweis zur Auswahl: Das atopische Ekzem (Rang 1, Score 99,96 %) hat keine klinischen Studien und nur indirekte Literatur (Evidenzstufe L4, Empfehlung Hold). Bronchitis wurde als Schwerpunkt gewählt, weil hier die belastbarsten Daten vorliegen.


Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zu den Wirkmechanismen liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Budesonid ist jedoch ein potentes Glukokortikoid mit breiter entzündungshemmender und immunsuppressiver Wirkung. Inhaliertes Budesonid senkt die Atemwegsentzündung und ist bereits bei Asthma und COPD zugelassen bzw. war es.

Asthma, COPD und Bronchitis sind entzündliche Atemwegserkrankungen. Der Wirkmechanismus lässt sich daher unmittelbar übertragen, insbesondere auf die eosinophile Bronchitis, bei der inhalative Kortikosteroide gut wirken. Allerdings handelt es sich bei den vorliegenden Studien überwiegend um verwandte Krankheitsbilder (Bronchiolitis, COPD) und nicht exakt um Bronchitis. Eine Phase-3-RCT speziell zur Bronchitis fehlt.


Klinische Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Zentrale Erkenntnisse
NCT00624754 Phase 2 Abgeschlossen 32 Budesonid/Formoterol bei Bronchiolitis obliterans nach allogener Stammzelltransplantation
NCT01560689 Phase 2 Abgeschlossen 32 Offene Studie zu Budesonid/Formoterol bei Bronchiolitis obliterans, ohne Kontrollarm
NCT00483743 Phase 2 Abgeschlossen 62 Randomisierte, placebo- und aktiv kontrollierte 6-Wochen-Studie (TPI 1020 vs. Budesonid) bei COPD
NCT03436225 Phase 1 Unbekannt 80 Steroidtherapie bei akuter Bronchiolitis; Steroid nicht sicher Budesonid
NCT02002715 Phase 4 Abgeschlossen 106 Vergleich unterschiedlicher Behandlungsdauern inhalativer Kortikosteroide bei eosinophiler Bronchitis
NCT06571942 Phase 4 Unbekannt 128 Inhalative Tripeltherapien und kleine Atemwege bei COPD/chronischer Bronchitis; Budesonid vermutlich nur Bestandteil
NCT00202189 Phase 4 Abgeschlossen 4 Physiologische Studie zu inhalativen Kortikosteroiden bei COPD; zu klein für Aussagen
NCT01432080 Phase 2 Abgebrochen 12 Immunsuppression bei transplantationsassoziierter Lungenerkrankung; nur indirekt relevant

Zwei weitere gelistete Studien (Ibrutinib bei chronischer GVHD, Ivermectin bei COVID-19) haben keinen Bezug zu Budesonid und werden nicht aufgeführt.


Literatur

PMID Jahr Typ Journal Zentrale Erkenntnisse
31015757 2019 Metaanalyse Int J Chron Obstruct Pulmon Dis Risiken von Budesonid/Formoterol bei stabiler COPD gegenüber Placebo bzw. Monotherapie
37954384 2023 Metaanalyse Heliyon Inhalation von Budesonid und Ambroxol bei Kindern mit Pneumonie und Wirkung auf die Entzündungsreaktion
10780759 2000 Klinische Studie Eur Respir J Atemwegsentzündung, Hyperreagibilität und Husten vor und nach inhaliertem Budesonid bei eosinophiler Bronchitis
28810628 2017 Klinische Studie (randomisiert) Exp Ther Med Budesonid plus Terbutalin per Aerosol bei akuter asthmatischer Bronchitis im Kindesalter, verglichen mit Dexamethason-Infusion (60 Kinder)
11129126 2000 Review Drugs Budesonid-Inhalationssuspension bei entzündlichen Atemwegserkrankungen von Säuglingen, Kindern und Erwachsenen
42110010 2026 Review/Fallbericht Cureus Nichtasthmatische eosinophile Bronchitis als übersehene Ursache chronischen Hustens bei Kindern; gutes Ansprechen auf inhalative Steroide
25515181 2015 Leitlinie Basic Clin Pharmacol Toxicol Finnische Leitlinie zu Diagnostik und Pharmakotherapie der stabilen COPD
8620234 1996 Studie Arch Pediatr Adolesc Med Frühe entzündungshemmende Therapie (Cromoglicinsäure oder Budesonid) und Giemen nach Bronchiolitis
24000786 2013 Veterinärstudie J Small Anim Pract Inhalatives Budesonid bei Katzen mit chronischer Bronchialerkrankung
9057793 1997 Review Pediatr Clin North Am Fortschritte bei der Behandlung von Bronchiolitis und Laryngitis

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/004655 Jorveza – Erkrankungen der Speiseröhre
EMEA/H/C/002348 DuoResp Spiromax – COPD; Asthma
EMEA/H/C/003890 BiResp Spiromax – COPD; Asthma
EMEA/H/C/004882 GoResp Digihaler – Asthma; COPD
EMEA/H/C/004983 Trixeo Aerosphere – COPD

Eine sechste Zulassung (Riltrava Aerosphere, COPD, EMEA/H/C/005311) ist ebenfalls erloschen. Alle 6 Zulassungen sind als erloschen geführt; aktuell gültige Zulassungen bestehen laut den vorliegenden Daten nicht.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (kein Packungsbeilagentext): Der TxGNN-Wissensgraph verzeichnet unter anderem Bluthochdruck, Epilepsie, Lebererkrankungen, Gallenblasenerkrankungen, Hyperglykämie, Masern, Herzinsuffizienz, Herpes-simplex-Keratitis sowie verschiedene Formen von Hypophysenunterfunktion und Wachstumshormonmangel.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen wurden erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind unter anderem Adalimumab und Fosamprenavir. Mittelgradig (Moderate) sind u. a. Zidovudin, Isotretinoin, Acebutolol, Ketorolac, Nifedipin, Ibuprofen, Ethinylestradiol, Fluvoxamin und Fosaprepitant. Geringfügig (Minor) sind Formoterol und Salbutamol.
  • Aus der Literatur: Kortikosteroid-Kontaktallergie, mögliche Nebennierensuppression und Wachstumseffekte bei Kindern sowie ein Pneumonie-Risiko bei Budesonid/Formoterol in der COPD-Metaanalyse.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation ist die Packungsbeilage heranzuziehen; diese Daten liegen nicht vor.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Evidenz für Bronchitis ist unterstützend, aber indirekt: kleine Phase-2- und Phase-4-Studien zu verwandten Krankheitsbildern, keine Phase-3-RCT. Zudem gibt es in Deutschland derzeit keine gültige Zulassung, und die Sicherheitsprüfung kann ohne die Fachinformation nicht abgeschlossen werden.

Für das weitere Vorgehen wird benötigt:

  • Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) von BfArM beschaffen und auswerten, um die Sicherheitsprüfung abzuschließen
  • Detaillierte Wirkmechanismus-Daten (z. B. aus DrugBank) ergänzen
  • Gezielte RCT-Daten zu Bronchitis (insbesondere eosinophile Bronchitis) und eine Klärung des aktuellen Zulassungsstatus
  • Bewertung der Wechselwirkungen mit den als schwerwiegend eingestuften Arzneimitteln (Adalimumab, Fosamprenavir) sowie des Pneumonie-Risikos

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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