Clofarabine

Evidenzniveau: L1 Vorhergesagte Indikationen: 8

Inhaltsverzeichnis

  1. Clofarabine
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Clofarabin: Myeloische Leukämie
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzüberblick)
    12. Fazit und nächste Schritte
    13. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Clofarabin: Myeloische Leukämie

Zusammenfassung

Clofarabin ist ein Purinnukleosid-Analogon, das ursprünglich zur Behandlung der Vorläuferzell-lymphoblastischen Leukämie/Lymphom (ALL) zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es auch bei myeloischer Leukämie wirksam sein könnte. Die Datenlage umfasst 43 klinische Studien und 19 Publikationen, darunter eine abgeschlossene Phase-3-Studie (NCT02085408, n=727) und eine weitere abgeschlossene Phase-3-Studie (NCT00317642, n=326). Ergebnisdaten zu beiden Studien liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten nicht vor.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Vorläuferzell-lymphoblastische Leukämie/Lymphom
Vorhergesagte neue Indikation Myeloische Leukämie
TxGNN-Vorhersagewert 0,9988
Evidenzgrad L1
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Mit Schutzmaßnahmen fortfahren (Proceed with Guardrails)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben aus der Arzneimitteldatenbank vor. Aus der Literatur ist jedoch bekannt: Clofarabin ist ein Purinnukleosid-Analogon der zweiten Generation. Es hemmt die Ribonukleotid-Reduktase und die DNA-Polymerase, vermindert dadurch die für die DNA-Replikation verfügbaren Desoxynukleosidtriphosphate und löst Apoptose über mitochondriale Signalwege aus.

Lymphoblastische und myeloische Leukämie sind beides Erkrankungen schnell proliferierender Blasten. Ein Wirkstoff, der die DNA-Synthese in teilungsaktiven Zellen hemmt, kann daher mechanistisch auf beide Formen übertragbar sein. Dies stützen eine abgeschlossene randomisierte Phase-3-Studie bei AML (NCT02085408) sowie zahlreiche Phase-2-Studien.

Wichtig: Das Ergebnis der Phase-3-Studie selbst liegt nicht vor. Die Überlegenheit gegenüber der Standardtherapie (Daunorubicin plus Cytarabin) lässt sich daher anhand dieser Daten nicht bestätigen. Zudem wurde Clofarabin bei AML bislang vor allem außerhalb der Zulassung (Off-Label) eingesetzt.


Evidenz aus klinischen Studien

Die folgende Auswahl zeigt die relevantesten Studien (Phase 3 und Phase 2 mit größeren Fallzahlen):

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Kernaussagen
NCT02085408 Phase 3 Abgeschlossen 727 Clofarabin als Induktions- und Post-Remissionstherapie vs. Standard (Daunorubicin + Cytarabin), anschließend Decitabin-Erhaltung vs. Beobachtung bei älteren Patienten (≥60 Jahre) mit neu diagnostizierter AML
NCT00317642 Phase 3 Abgeschlossen 326 Doppelblinde Studie: Clofarabin + Cytarabin vs. Cytarabin allein bei Patienten ab 55 Jahren mit rezidivierter/refraktärer AML
NCT01295307 Phase 2 Abgeschlossen 86 Clofarabin als Salvage-Therapie bei rezidivierter oder refraktärer AML
NCT00469014 Phase 2 Abgeschlossen 72 Busulfan-Fludarabin-Clofarabin mit allogener Stammzelltransplantation bei fortgeschrittener refraktärer AML, MDS und CML
NCT01193400 Phase 2 Abgeschlossen (beendet) 75 Clofarabin plus niedrig dosiertes Cytarabin als Induktion und Konsolidierung bei AML ab 60 Jahren; vorzeitig beendet
NCT00067028 Phase 2 Abgeschlossen 116 Vergleich Clofarabin/Ara-C vs. Clofarabin/Idarubicin vs. Dreierkombination bei rezidivierter AML, Hochrisiko-MDS oder CML-Blastenphase
NCT01101880 Phase 2 Abgeschlossen 50 Clofarabin mit hochdosiertem Cytarabin und G-CSF-Priming bei neu diagnostizierter AML (<65 Jahre)
NCT00044889 Phase 2 Abgeschlossen 40 Einarmige Studie mit Clofarabin bei Erwachsenen mit refraktärer/rezidivierter AML
NCT01643668 Phase 2 Abgeschlossen 34 Busulfan/Clofarabin als dosisreduzierte Konditionierung vor allogener Stammzelltransplantation
NCT01629082 Phase 1 Abgeschlossen 4 Clofarabin gefolgt von Lenalidomid bei Hochrisiko-MDS und AML; sehr kleine Stichprobe

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
22957815 2013 Review Leukemia & Lymphoma Rolle von Clofarabin bei AML; Hemmung von Ribonukleotid-Reduktase und DNA-Polymerase, höhere Stabilität als Vorläufersubstanzen
25457773 2015 Review Critical Reviews in Oncology/Hematology Clofarabin bei erwachsenen AML-Patienten: Monotherapie und Kombinationsstrategien in Erst- und Zweitlinie
22170975 2012 Review Annals of Pharmacotherapy Wirksamkeit und Verträglichkeit bei älteren Patienten mit neu diagnostizierter AML
19852733 2009 Review Future Oncology Klinisch relevante Einzelwirkung, sicher kombinierbar; mögliche Rolle in Induktions-/Konsolidierungsschemata
19463072 2009 Review Expert Opinion on Pharmacotherapy Neue Behandlungsoption bei AML; Wirksamkeit auch bei ALL und MDS
16316309 2005 Review Expert Opinion on Pharmacotherapy Einzelsubstanzaktivität bei akuten Leukämien
36336258 2023 Klinische Studie Transplantation and Cellular Therapy Clofarabin plus Busulfan als myeloablative Konditionierung bei aktiven myeloischen Neoplasien
21591997 2011 Review Expert Opinion on Investigational Drugs Clofarabin bei myelodysplastischen Syndromen; mögliche Wirkung auf DNA-Methylierung in niedriger Dosis
24081220 2014 Fallbericht J Oncol Pharm Pract Clofarabin-induzierte Nierentoxizität bei einem Patienten mit refraktärer AML
18780321 2008 Review Cancer Suche nach Kombinationen für Hochrisiko-AML

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000613 Evoltra (Sanofi B.V.) nicht angegeben Vorläuferzell-lymphoblastische Leukämie/Lymphom

Die einzige Zulassung ist gültig (1 von 1 gültigen Zulassungen); das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel.


Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Konventionell zytotoxisch (Purinnukleosid-Antimetabolit)
Myelosuppressionsrisiko Hoch (Neutropenie, Thrombozytopenie und Anämie gemäß Wissensgraph-Kontraindikationen relevant)
Emetogenität Gering bis mittel
Überwachungsparameter Blutbild mit Differenzialblutbild, Leber- und Nierenfunktion, Bilirubin, Elektrolyte, Blutdruck
Handhabungsschutz Vorschriften für den Umgang mit zytotoxischen Arzneimitteln müssen eingehalten werden

Die Einstufung von Myelosuppression und Emetogenität beruht auf der Wirkstoffklasse; für die Details bitte die Fachinformation heranziehen.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen/Risikokonstellationen aus dem Wissensgraphen (keine Angaben aus dem Beipackzettel): Lebererkrankungen, Gallenblasenerkrankungen, Thrombozytopenie, Neutropenie, Agranulozytose, Anämie (einschließlich makrozytärer Anämie), Hyperbilirubinämie (einschließlich Gilbert-Syndrom), Niereninsuffizienz, Urämie, Hypotonie, Kapillarlecksyndrom, Pilzinfektionen, Dermatophytose und Infektionskrankheiten allgemein.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen erfasst, die gezeigten Beispiele sind alle als moderat eingestuft: Amphotericin B (alle Formulierungen), Clarithromycin, Levofloxacin, Minocycline, Kanamycin, Neomycin, Clotrimazol, Mesalazin, Balsalazid, Olsalazin, Acarbose, Pioglitazon, Bupropion, Naltrexon, Nicotinamid, Nitisinon, Chenodesoxycholsäure.
  • Organtoxizität aus der Literatur: Ein Fallbericht beschreibt eine Clofarabin-induzierte Nierentoxizität bei AML.

Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation lagen nicht vor; bitte die Fachinformation heranziehen.


Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzüberblick)

Rang Indikation Score Evidenzgrad Empfehlung
3 Ganglioneuroblastom 0,9953 L5 Zurückstellen
4 Neuroblastom 0,9952 L4 Zurückstellen
5 Wirbelanomalien mit endokriner und T-Zell-Dysfunktion 0,9946 L5 Zurückstellen
6 Retroperitoneales Neoplasma 0,9944 L5 Zurückstellen
7 Blastenphase der CML, BCR-ABL1-positiv 0,9943 L5 Forschungsfrage
9–10 CLL/SLL-Subtypen 0,9926 L5 Zurückstellen

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Mit Schutzmaßnahmen fortfahren (Proceed with Guardrails)

Begründung: Für die myeloische Leukämie liegen zwei abgeschlossene Phase-3-Studien sowie zahlreiche Phase-2-Studien vor, und der Wirkmechanismus ist plausibel übertragbar. Die Ergebnisse der Phase-3-Studien liegen in den vorliegenden Daten jedoch nicht vor. Hinzu kommt, dass das Sicherheitsprofil (Myelosuppression, Nieren- und Leberrisiken) erheblich ist.

Für das weitere Vorgehen sind erforderlich:

  • Auswertung der Ergebnisse von NCT02085408 und NCT00317642 (Gesamtüberleben, Remissionsrate, Toxizität im Vergleich zur Standardtherapie)
  • Beschaffung und Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) – derzeit eine blockierende Datenlücke für die Sicherheitsbewertung
  • Ergänzung der Wirkmechanismus-Daten aus der Arzneimitteldatenbank
  • Klärung des Zulassungs- und Versorgungsstatus in Deutschland
  • Überwachungsplan für Blutbild, Leber- und Nierenfunktion sowie Prüfung relevanter Wechselwirkungen (z. B. nephro- oder hepatotoxische Begleitmedikation)

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.