Decitabine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Decitabine
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Decitabin: Refraktäre Zytopenie des Kindesalters
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Decitabin: Refraktäre Zytopenie des Kindesalters

Zusammenfassung in einem Satz

Decitabin ist ein hypomethylierender Wirkstoff, der ursprünglich zur Behandlung der myeloischen Leukämie eingesetzt wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei der refraktären Zytopenie des Kindesalters (RCC, der wichtigsten pädiatrischen Unterform des myelodysplastischen Syndroms) wirksam sein könnte. Die Datenlage ist dünn: Es liegen keine registrierten klinischen Studien vor, aber 2 Publikationen (eine retrospektive Kohortenstudie und ein Fallbericht).


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Myeloische Leukämie
Vorhergesagte neue Indikation Refraktäre Zytopenie des Kindesalters
TxGNN-Vorhersagewert 0,9903
Evidenzstufe L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2)
Anzahl der Zulassungen 2 (gültig: 2)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zu Decitabin liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Nach allgemeinem Wissen über die Wirkstoffklasse ist Decitabin ein hypomethylierender Wirkstoff (Inhibitor der DNA-Methyltransferase), der bereits bei myeloischen Neoplasien, einschließlich myelodysplastischer Syndrome (MDS), eingesetzt wird.

Die refraktäre Zytopenie des Kindesalters ist die häufigste pädiatrische MDS-Unterform. Daher besteht ein plausibler biologischer Zusammenhang über die epigenetische Modulation abnormer hämatopoetischer Klone. Diese Verbindung beruht auf dem allgemeinen Wissen über die Wirkstoffklasse und nicht auf den vorliegenden Datensätzen. Der sehr hohe TxGNN-Wert ist eine reine Computervorhersage und kein klinischer Beleg.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
35624441 2022 Retrospektive Kohortenstudie BMC Pediatrics Erfahrungen eines einzelnen Zentrums über 10 Jahre: Decitabin kombiniert mit einem gering myelosuppressiven Regime als Überbrückung zur allogenen Stammzelltransplantation bei Kindern mit MDS
42125547 2026 Fallbericht Experimental and Therapeutic Medicine Decitabin-Monotherapie bei einem 8-jährigen Kind mit pädiatrischem MDS (RCC), das weder für eine Transplantation noch für eine Immunsuppression geeignet war

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/002221 Dacogen – Myeloische Leukämie (gültig)
EMEA/H/C/005823 Inaqovi – Myeloische Leukämie (gültig)

Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Hypomethylierender Wirkstoff (Nukleosidanalogon, antineoplastisch)
Myelosuppressionsrisiko Hoch (aus den Wechselwirkungs- und Kontraindikationsdaten: Neutropenie, Thrombozytopenie, Agranulozytose als relevante Risiken)
Emetogenität Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Großes Blutbild mit Differenzialblutbild, Leber- und Nierenfunktion
Handhabungsschutz Handhabung gemäß den Vorschriften für zytotoxische Arzneimittel

Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen/Risikokonstellationen (aus dem Wissensgraphen, nicht aus dem Beipackzettel): Nierenerkrankung, Pyourether, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Thrombozytopenie, Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Neutropenie, Agranulozytose
  • Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind u. a. Deferipron, Samarium-(153Sm)-Lexidronam, Adalimumab und Baricitinib. Als mäßig (Moderate) eingestuft sind u. a. Palifermin, Strontiumchlorid-Sr-89, Mercaptopurin, Roflumilast, Chloramphenicol, Zidovudin, Aldesleukin, Alemtuzumab, Ganciclovir, Gemcitabin, Anakinra, Azathioprin sowie einige Impfstoffe.

Die Warnhinweise und Kontraindikationen der Fachinformation liegen nicht vor. Bitte die Fachinformation konsultieren.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage stützt sich auf einen hohen Modellwert und einen plausiblen Klassenmechanismus, jedoch nur auf eine retrospektive Einzelzentrum-Kohorte und einen Fallbericht, ohne registrierte klinische Studien (Evidenzstufe L4). Zudem ist das Arzneimittel in Deutschland im Handel (2 von 2 Zulassungen gültig), und die Sicherheitsdaten der Fachinformation fehlen.

Für das weitere Vorgehen sind erforderlich:

  • Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) vom BfArM beschaffen und auswerten, da dies die Sicherheitsprüfung derzeit blockiert
  • Daten zum Wirkmechanismus aus DrugBank ergänzen
  • Klärung der Gründe für das Erlöschen der Zulassungen und des aktuellen Zulassungsstatus
  • Systematische Literaturrecherche und Prüfung prospektiver pädiatrischer Studien zu RCC/MDS
  • Sicherheits- und Dosierungskonzept für Kinder, einschließlich Überwachung der Myelosuppression

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.