Deferasirox

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 5

Inhaltsverzeichnis

  1. Deferasirox
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Deferasirox: Von Eisenüberladung/β-Thalassämie zu HIV-Infektion
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Evidenz
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Deferasirox: Von Eisenüberladung/β-Thalassämie zu HIV-Infektion

Zusammenfassung in einem Satz

Deferasirox ist ein Eisenchelator, der ursprünglich zur Behandlung von Eisenüberladung bei β-Thalassämie eingesetzt wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei HIV-Infektion wirksam sein könnte, doch bislang gibt es keine klinischen Studien und nur 2 Publikationen (davon nur eine mit indirektem, präklinischem Bezug).


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Eisenüberladung; β-Thalassämie
Vorhergesagte neue Indikation HIV-Infektion
TxGNN-Vorhersagewert 0,9940
Evidenzgrad L4 (nur präklinische/mechanistische Evidenz)
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 3 von 3)
Anzahl der Zulassungen 3 (gültig: 3)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Deferasirox ein Eisenchelator ist; seine Wirksamkeit bei Eisenüberladung ist belegt. Mechanistisch könnte der Eisenstoffwechsel auch bei HIV-1 eine Rolle spielen.

Eine Studie von 2021 (PMID 34550543) berichtet, dass Eisen in Endolysosomen die Tat-vermittelte Transaktivierung des HIV-1-LTR einschränkt, indem es die Tat-Oligomerisierung und die β-Catenin-Expression erhöht. Das ergibt einen plausiblen, aber nur indirekten Zusammenhang zwischen Eisenhomöostase und HIV-1-Transkription.

Wichtig ist die Einschränkung: Ob eine Eisenchelierung die Virusreplikation bei Patienten beeinflusst, ist nicht belegt. Eisenentzug könnte sogar in beide Richtungen wirken, also die Transkription auch verstärken. Die zweite Publikation (PMID 16529348) ist ein allgemeiner Überblick über neue Arzneimittel und liefert keine Evidenz für HIV.


Klinische Evidenz

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Zeitschrift Zentrale Aussagen
34550543 2021 Präklinisch/mechanistisch Journal of Neurovirology Endolysosomales Eisen schränkt die Tat-vermittelte HIV-1-LTR-Transaktivierung ein (erhöhte Tat-Oligomerisierung, mehr β-Catenin)
16529348 2006 Übersichtsarbeit Journal of the American Pharmacists Association Allgemeiner Überblick über neue Arzneimittel (u. a. Deferasirox); kein HIV-Bezug

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005014 Deferasirox Mylan – Eisenüberladung; β-Thalassämie
EMEA/H/C/005156 Deferasirox Accord – Eisenüberladung; β-Thalassämie
EMEA/H/C/000670 Exjade – β-Thalassämie; Eisenüberladung

Alle drei Zulassungen sind gültig.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (PrimeKG, nicht aus dem Beipackzettel): Leberversagen, Lebererkrankung, Leberzirrhose, Nierenerkrankung, eingeschränkte Nierenfunktion, Thrombozytopenie, Neutropenie (einschließlich angeborener Formen), Agranulozytose, Anämie, Hyperbilirubinämie, Gilbert-Syndrom, Gallenblasenerkrankung, aktives Magengeschwür, okuläre Hypertension, Multiorganversagen und Krebserkrankungen.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen gefunden; Beispiele für schwerwiegende (Major) Wechselwirkungen:
    • Kortikosteroide: Hydrocortison, Dexamethason, Betamethason, Triamcinolon
    • Amphotericin B (konventionell, Lipidkomplex, Cholesterylsulfat, liposomal)
    • Acetylsalicylsäure
    • Mesalazin, Balsalazid
  • Beispiele für moderate Wechselwirkungen: Rabeprazol, Pioglitazon, Alosetron, Aprepitant, Clarithromycin, Saxagliptin, Aluminiumhydroxid, Cisaprid, Dexfenfluramin.

Angaben zu Warnhinweisen und Kontraindikationen aus der Fachinformation liegen nicht vor; bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage stützt sich auf einen hohen Modellwert und eine einzelne indirekte präklinische Arbeit. Es gibt keine klinischen Studien, und die Wirkrichtung der Eisenchelierung bei HIV ist unklar. Das Präparat ist in Deutschland im Handel (3 von 3 Zulassungen gültig), die Fachinformation zur Sicherheit fehlt.

Für das weitere Vorgehen wird Folgendes benötigt:

  • Detaillierte Wirkmechanismus-Daten (MOA)
  • Fachinformation mit Warnhinweisen und Kontraindikationen (blockierend für die Sicherheitsprüfung)
  • Gezielte präklinische Untersuchungen (Zellkultur), ob Deferasirox die HIV-Replikation hemmt oder fördert
  • Prüfung der Sicherheit bei HIV-Patienten, insbesondere bei Leber- und Nierenfunktion sowie Blutbild, und der Wechselwirkungen mit antiretroviraler Therapie
  • Klärung des Zulassungsstatus bzw. der verfügbaren Präparate in Deutschland

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.