Desloratadine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 4

Inhaltsverzeichnis

  1. Desloratadine
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Desloratadin: Von allergischer Rhinitis und Urtikaria zu Erkrankung der Nasenhöhle
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studienevidenz
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Desloratadin: Von allergischer Rhinitis und Urtikaria zu Erkrankung der Nasenhöhle

Zusammenfassung

Desloratadin ist ein Antihistaminikum der zweiten Generation und wurde ursprünglich zur Behandlung von allergischer Rhinitis (saisonal und ganzjährig) sowie Urtikaria zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Kälteurtikaria wirksam sein könnte. Dafür liegen derzeit 2 klinische Studien und 6 Publikationen vor, darunter mehrere randomisierte kontrollierte Studien.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Allergische Rhinitis (ganzjährig und saisonal), Urtikaria
Vorhergesagte neue Indikation Kälteurtikaria
TxGNN-Vorhersagewert 0,9987
Evidenzlevel L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 8 von 8)
Anzahl der Zulassungen 8 (gültig: 8)
Empfohlene Entscheidung Proceed with Guardrails (Fortsetzung mit Schutzmaßnahmen)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Die Kälteurtikaria ist eine durch Mastzellen getriebene, histaminvermittelte Erkrankung. Desloratadin ist ein potenter, selektiver Inverse-Agonist am peripheren H1-Rezeptor und blockiert dadurch direkt die histaminvermittelte Quaddel- und Rötungsreaktion. Dies ist derselbe Mechanismus wie bei der bereits zugelassenen Anwendung bei Urtikaria.

Die ursprüngliche Indikation (Urtikaria und allergische Rhinitis) und die neue Indikation (Kälteurtikaria) beruhen auf demselben pathophysiologischen Prinzip, nämlich der Histaminfreisetzung. Zudem sehen Leitlinien für Patienten, die auf die Standarddosis unzureichend ansprechen, eine Dosiserhöhung von Antihistaminika der zweiten Generation vor. Diese wurde für Desloratadin bis zu 20 mg untersucht.

Hinweis: Für diesen Bericht liegen keine detaillierten Daten zum Wirkmechanismus aus der Arzneimitteldatenbank vor. Die obige Mechanismusbeschreibung stützt sich auf die mechanistische Begründung der Vorhersage.


Klinische Studienevidenz

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Zentrale Ergebnisse
NCT01444196 Phase 4 Abgeschlossen 30 Multizentrische, doppelblinde Dosiseskalationsstudie (5 mg, 10 mg, 20 mg) zur Ermittlung der Dosis, die Symptome der erworbenen Kälteurtikaria ausreichend hemmt
NCT00600847 Phase 4 Abgeschlossen 33 Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie: 5 mg vs. 20 mg Desloratadin bei experimentell ausgelösten Kälteurtikaria-Läsionen

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Zentrale Ergebnisse
19201016 2009 RCT J Allergy Clin Immunol Hochdosiertes Desloratadin verringert das Quaddelvolumen und verbessert die Kälteprovokationsschwellen im Vergleich zur Standarddosis (randomisiert, placebokontrolliert, Crossover)
22242678 2012 RCT Br J Dermatol Messung der kritischen Temperaturschwelle bei Kälteurtikaria unter H1-Antihistaminika-Dosiseskalation
14754651 2004 RCT J Dermatolog Treat 5 mg Desloratadin über 4 Tage hemmte die Reaktion auf Eiswürfeltests bei 12 Patienten mit Kälteurtikaria
15516152 2004 Review Drugs Übersicht zu Ätiologie, Management und Therapieoptionen der chronischen Urtikaria
38025339 2023 Fallbericht Qatar Med J Kälteinduzierte Urtikaria nach Anaphylaxie durch einen Ameisenbiss

Marktinformationen Deutschland

Alle acht Zulassungen sind gültig. Es handelt sich um zentrale EU-Zulassungen (EMEA).

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000313 Aerius – Allergische Rhinitis (ganzjährig, saisonal), Urtikaria
EMEA/H/C/000314 Neoclarityn – Allergische Rhinitis (ganzjährig, saisonal), Urtikaria
EMEA/H/C/000310 Azomyr – Allergische Rhinitis (ganzjährig, saisonal), Urtikaria
EMEA/H/C/002310 Dasselta – Allergische Rhinitis (ganzjährig, saisonal), Urtikaria
EMEA/H/C/002419 Desloratadine Teva – Allergische Rhinitis (ganzjährig, saisonal)

Sicherheitsaspekte

Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (nicht aus dem Beipackzettel): Im TxGNN-Wissensgraphen (PrimeKG) sind für Desloratadin Kontraindikationskanten zu folgenden Erkrankungen hinterlegt:

  • Herz-Kreislauf: Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Koronar-/Arteriosklerose, Atherosklerose
  • Stoffwechsel/Endokrinologie: Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Hyperthyreose, Morbus Basedow, Thyreotoxikose
  • Organe: Nierenerkrankung, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Pyoureter
  • Sonstige: benigne Prostatahyperplasie, Engwinkelglaukom

Diese Angaben stammen aus Graphdaten und nicht aus dem Produkttext. Sie sind daher nur als Hinweis zu verstehen und müssen anhand der Fachinformation überprüft werden.

Arzneimittelwechselwirkungen: Die Abfrage ergab 100 Wechselwirkungen, die Einstufung des Schweregrads ist jedoch jeweils „unbekannt“. Beispiele: Cimetidin, Omeprazol, Pantoprazol, Metformin, Simvastatin, Morphin, Prednison, Epinephrin, Doxycyclin.

Für Warnhinweise und Kontraindikationen laut Produktinformation siehe bitte die Fachinformation.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails

Begründung: Für Kälteurtikaria liegen mehrere randomisierte, kontrollierte Untersuchungen und zwei abgeschlossene Phase-4-Studien vor, die Desloratadin einschließlich Dosiserhöhung direkt untersuchen. Die Studien sind jedoch klein (n = 30–33). Das Arzneimittel ist vermarktet, und alle 8 Zulassungen sind gültig. Da die Anwendung bei Urtikaria bereits zugelassen war, ist der Schritt mechanistisch klein.

Für das weitere Vorgehen ist erforderlich:

  • Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) beschaffen und auswerten, da dies für die Sicherheitsprüfung derzeit eine blockierende Datenlücke ist
  • Detaillierte Mechanismusdaten aus der Arzneimitteldatenbank ergänzen
  • Klärung des Zulassungs- und Vertriebsstatus (8 von 8 Zulassungen gültig) sowie ggf. Prüfung der Off-Label-Anwendung bei Dosiserhöhung
  • Sicherheitsbewertung höherer Dosen (bis 20 mg) und Abgleich der Wissensgraph-Kontraindikationen mit der Fachinformation
  • Größere Studien zur Bestätigung von Wirksamkeit und Dosis

Weitere vorhergesagte Indikationen (nur Modellvorhersage, jeweils Hold): Nasenhöhlenerkrankung (die Evidenz beschränkt sich auf Tiermodelle; die Vorhersage spiegelt weitgehend die bestehende Indikation allergische Rhinitis wider), akute Laryngopharyngitis, therapieresistente atopische Dermatitis, atopische IgE-Reaktivität und Rosazea-Konjunktivitis. Für diese liegen keine klinischen Studien vor, und die mechanistische Begründung ist schwach bis spekulativ.

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.