Eltrombopag
| Evidenzniveau: L3 | Vorhergesagte Indikationen: 1 |
Inhaltsverzeichnis
- Eltrombopag
- Eltrombopag: Von idiopathischer thrombozytopenischer Purpura und aplastischer Anämie zu HIV-Infektionskrankheit
Eltrombopag: Von idiopathischer thrombozytopenischer Purpura und aplastischer Anämie zu HIV-Infektionskrankheit
Zusammenfassung
Eltrombopag ist ein Wirkstoff, der ursprünglich zur Behandlung der idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP) und der aplastischen Anämie zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei einer HIV-Infektionskrankheit wirksam sein könnte. Die Evidenz ist begrenzt: 1 klinische Studie (nur indirekt relevant, vorzeitig beendet) und 8 Publikationen, überwiegend Fallberichte, Übersichtsarbeiten und ein präklinisches Screening.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Idiopathische thrombozytopenische Purpura; aplastische Anämie |
| Vorhergesagte neue Indikation | HIV-Infektionskrankheit |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,26 % |
| Evidenzniveau | L3 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/zurückgezogene Zulassung (Status „Cancelled only“) |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (davon 0 gültig) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Detaillierte Angaben zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten nicht vor. Eltrombopag gehört jedoch nach seiner Anwendung bei ITP und aplastischer Anämie zur Klasse der Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten. Diese Substanzen fördern die Megakaryopoese und damit die Thrombozytenbildung.
Der Bezug zu HIV besteht vor allem über die Behandlung HIV-assoziierter Blutbildstörungen: HIV-assoziierte ITP und HIV-assoziierte aplastische Anämie bzw. Knochenmarkversagen. Es handelt sich dabei um eine symptomatische, hämatologische Unterstützung und nicht um eine antivirale Wirkung. Ein Screening aus dem Jahr 2020 (PMID 32977702) berichtet zwar über eine mögliche Modulation der proviralen HIV-1-Transkription, doch ist dies präklinisch, und die Relevanz für eine klinische antivirale Anwendung ist unbelegt. Der hohe TxGNN-Wert ist eine rechnerische Vorhersage und passt nur teilweise zu dieser hämatologischen Begründung.
Klinische Studienevidenz
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT00678587 | Phase 3 | Beendet (vorzeitig) | 292 | Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie zu Eltrombopag bei Thrombozytopenie infolge chronischer Lebererkrankung vor elektiven invasiven Eingriffen, mit dem Ziel, Thrombozytentransfusionen zu vermeiden. Ein direkter HIV-Bezug ist aus den Daten nicht erkennbar; die Relevanz ist höchstens indirekt (Bewertung B). |
Diese Studie darf nicht als direkte Phase-3-Evidenz für HIV gewertet werden.
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 25504472 | 2015 | Fallserie | J Int Assoc Provid AIDS Care | Erste Erfahrungen mit Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten (u. a. Eltrombopag) bei refraktärer HIV-assoziierter ITP |
| 19932434 | 2009 | Übersichtsarbeit | Hematol Oncol Clin North Am | Infektiöse Ursachen chronischer Thrombozytopenie (HCV, HIV, H. pylori); Behandlung der Grunderkrankung bessert oft die Thrombozytopenie |
| 19245929 | 2009 | Übersichtsarbeit | Semin Hematol | Therapiestrategien bei hepatitis- und infektionsassoziierten Immunthrombozytopenien |
| 22992580 | 2012 | Fallbericht | AIDS | Erfolgreiche Anwendung von Eltrombopag ohne Splenektomie bei refraktärer HIV-assoziierter Thrombozytopenie nach Immunrekonstitution |
| 25333665 | 2014 | Fallbericht | AIDS | Erfolgreiche Behandlung einer HIV-assoziierten schweren aplastischen Anämie mit Eltrombopag; Hinweise auf eine immunmodulatorische Rolle |
| 24128106 | 2013 | Fallbericht | Farm Hosp | Eltrombopag bei Thrombozytopenie infolge chronischer Hepatitis C (zwei Fälle) |
| 28043314 | 2016 | Fallbericht | J Coll Physicians Surg Pak | Hepatitis B mit megaloblastärer Anämie und schwerer Thrombozytopenie (kein Eltrombopag-Bezug erkennbar) |
| 32977702 | 2020 | In-vitro-Screening | Viruses | Identifikation von Modulatoren der proviralen HIV-1-Transkription aus einer Bibliothek zugelassener Arzneimittel |
Informationen zum deutschen Markt
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/001110 | Revolade (Novartis Europharm Limited) | Nicht angegeben | Idiopathische thrombozytopenische Purpura; aplastische Anämie (Status: erloschen) |
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (PrimeKG, keine Packungsbeilagen-Angaben): Nierenerkrankung, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, akutes Leberversagen, Hepatitis, Anämie, makrozytäre Anämie, Hyperbilirubinämie, hereditäre Hyperbilirubinämie, Gilbert-Syndrom, Leukopenie, myelodysplastisches Syndrom, Thrombozytose, Lebervenenthrombose, Budd-Chiari-Syndrom.
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen gefunden; hier die wichtigsten aus der Liste:
- Schwerwiegend (Major): Eluxadolin
- Moderat: polyvalente Kationen, z. B. Calcium-, Magnesium- und Aluminiumpräparate (u. a. Calciumcarbonat, Magnesiumhydroxid, Aluminiumhydroxid, Kaolin, Attapulgit), Eisen sowie Glibenclamid (Glyburid)
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen laut Fachinformation liegen keine Daten vor; bitte die Packungsbeilage bzw. Fachinformation konsultieren.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Evidenz für HIV beschränkt sich auf Fallberichte, Übersichtsarbeiten und ein präklinisches Screening. Die einzige gelistete Studie ist vorzeitig beendet und nur indirekt relevant. Der hohe TxGNN-Wert wird durch eine rein hämatologische (nicht antivirale) Begründung nur teilweise gestützt. Zudem besteht in Deutschland keine gültige Zulassung.
Für ein Fortschreiten ist Folgendes erforderlich:
- Prüfung der Population und des Beendigungsgrundes der Studie NCT00678587
- Kontrollierte Studien zu Eltrombopag bei HIV-assoziierter Thrombozytopenie bzw. Knochenmarkversagen
- Klärung, ob ein antiviraler Effekt (proviraler Transkriptionsmodulator) auch über die präklinische Ebene hinaus belegt werden kann
- Daten zum Wirkmechanismus sowie zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen aus der Fachinformation
- Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland (derzeit nur erloschene Zulassung)
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.