Fenofibrate

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Fenofibrate
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Fenofibrat: Von Dyslipidämien zu Cholesterinester-Transferprotein-Mangel
    3. Zusammenfassung
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Evidenz aus der Literatur
    8. Informationen zum Markt in Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Fenofibrat: Von Dyslipidämien zu Cholesterinester-Transferprotein-Mangel

Zusammenfassung

Fenofibrat wird ursprünglich zur Behandlung von Dyslipidämien eingesetzt. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Cholesterinester-Transferprotein-Mangel (CETP-Mangel) wirksam sein könnte. Dafür liegen keine klinischen Studien und 3 Publikationen (ausschließlich präklinisch bzw. mechanistisch) vor.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Dyslipidämien
Vorhergesagte neue Indikation Cholesterinester-Transferprotein-Mangel
TxGNN-Vorhersagewert 0,9961
Evidenzniveau L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2)
Anzahl der Zulassungen 2 (gültig: 2)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus von Fenofibrat liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt aus den ausgewerteten Publikationen ist, dass Fenofibrat als PPARα-Agonist das HDL-Cholesterin erhöht und Triglyceride senkt. In Mäusen induziert es zudem die Expression des Phospholipid-Transferprotein-Gens (PLTP), was die Vergrößerung der HDL-Partikel erklärt (PMID 11342537).

Der Zusammenhang zwischen der ursprünglichen und der vorhergesagten Indikation ist nur indirekt: Beide betreffen den Lipoproteinstoffwechsel. Fenofibrat beeinflusst den Umbau von Lipoproteinen über einen verwandten Signalweg, behebt aber nicht den zugrunde liegenden genetischen CETP-Defekt. Eine Studie zur Kombination von CETP-Hemmung und PPARα-Agonismus (PMID 20332533) deutet auf additive Effekte beider Mechanismen hin, nicht darauf, dass Fenofibrat einen CETP-Mangel korrigiert.

Der sehr hohe TxGNN-Wert ist eine rechnerische Vorhersage und spiegelt wahrscheinlich die Nähe im Netzwerk des Lipidstoffwechsels wider, nicht eine therapeutische Begründung. Zudem ist der CETP-Mangel meist ein biochemischer Phänotyp mit erhöhtem HDL, und ein Behandlungsbedarf ist fraglich.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
20332533 2010 Präklinisch J Cardiovasc Pharmacol Ther An Mäusen mit humanem ApoB100/CETP: CETP-Hemmung (Torcetrapib) und PPARα-Agonismus (Fenofibrat) beeinflussen das Lipidprofil, HDL-Cholesterin steigt, LDL-Cholesterin sinkt
11342537 2001 Mechanistisch/präklinisch J Biol Chem Induktion des PLTP-Gens erklärt die HDL-Vergrößerung bei mit Fenofibrat behandelten Mäusen
30271349 2018 Mechanistisch/präklinisch Front Physiol Keine Korrelation von Plasma-HDL mit fäkaler Cholesterinausscheidung und Cholesterin-Efflux; Bedeutung der HDL-Funktion bei der Atheroskleroseminderung

Keine dieser Arbeiten untersucht Fenofibrat direkt bei CETP-Mangel beim Menschen.


Informationen zum Markt in Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/002559 Cholib – Dyslipidämien
EMEA/H/C/001243 Pravafenix – Dyslipidämien

Sicherheitsaspekte

Kontraindikationen/Risikoerkrankungen aus dem Wissensgraphen (keine Packungsbeilagen-Angaben): Im Wissensgraphen sind unter anderem folgende Erkrankungen als Kontraindikationsbeziehungen hinterlegt: Leberversagen und Lebererkrankung, Pankreatitis, Gallenblasenerkrankung, Cholelithiasis, Thrombozytopenie, Myopathie und Rhabdomyolyse, Beeinträchtigung der Nierenfunktion, Anämie sowie Leukopenie, Neutropenie und Agranulozytose.

Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt 100 Wechselwirkungen verzeichnet, die aufgeführten sind jeweils von moderatem Schweregrad:

  • Sulfonylharnstoffe (Acetohexamid, Chlorpropamid, Glimepirid, Glipizid, Glyburid)
  • Verschiedene Insuline (u. a. Humaninsulin, Insulin aspart, degludec, detemir, glargin, glulisin, lispro)
  • Chenodeoxycholsäure
  • Esomeprazol

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen laut Fachinformation siehe die Packungsbeilage.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Es gibt keine Studie, die Fenofibrat direkt bei CETP-Mangel untersucht; die vorhandenen Arbeiten sind präklinisch und betreffen nur verwandte Mechanismen. Der Behandlungsbedarf beim CETP-Mangel ist zudem fraglich, sodass der hohe TxGNN-Wert allein keine Weiterverfolgung rechtfertigt.

Für ein Weiterkommen sind erforderlich:

  • Klärung, ob beim CETP-Mangel überhaupt ein klinischer Behandlungsbedarf besteht
  • Direkte präklinische oder klinische Daten zu Fenofibrat bei CETP-Mangel
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) von Fenofibrat
  • Auswertung der Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation des BfArM

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.