Glecaprevir
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
- Glecaprevir
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Glecaprevir: HCV-NS3/4A-Proteaseinhibitor → HIV-Infektionskrankheit (HIV infectious disease)
- Zusammenfassung in einem Satz
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Evidenz aus der Literatur
- Marktinformationen Deutschland
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Glecaprevir: HCV-NS3/4A-Proteaseinhibitor → HIV-Infektionskrankheit (HIV infectious disease)
Zusammenfassung in einem Satz
Glecaprevir ist ein Hemmstoff der NS3/4A-Protease des Hepatitis-C-Virus. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei HIV-Infektionskrankheit (HIV infectious disease) wirksam sein könnte. Die vorliegenden Studien (7 klinische Studien und 20 Publikationen) untersuchen jedoch Hepatitis C bei Menschen mit HIV-Koinfektion und nicht HIV selbst; die Vorhersage ist daher nur modellbasiert.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Hepatitis C, Chronic |
| Vorhergesagte neue Indikation | HIV-Infektionskrankheit (HIV infectious disease) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9987 |
| Evidenzstufe | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1) |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (gültig: 1) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus liegen in den zusammengestellten Daten nicht vor. Bekannt ist, dass Glecaprevir die NS3/4A-Protease des Hepatitis-C-Virus hemmt und in fester Kombination mit Pibrentasvir (NS5A-Hemmer) eingesetzt wird. Eine direkte Aktivität gegen HIV ist nicht belegt.
Der hohe Vorhersagewert spiegelt vermutlich die gemeinsame Wirkstoffklasse (antivirale Substanzen) und die umfangreiche Literatur zur HIV/HCV-Koinfektion wider, nicht einen Wirkmechanismus gegen HIV. Die Daten zeigen Wirksamkeit und Verträglichkeit der Kombination bei koinfizierten Personen, wo sie die HCV-Infektion behandelt, nicht die HIV-Infektion. Ein mechanistischer Beleg für eine HIV-Repurposing-Indikation fehlt.
Evidenz aus klinischen Studien
Keine der Studien prüft die Wirksamkeit gegen HIV; sie betreffen HCV-Therapie, teils bei HIV-Koinfektion.
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmer | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT02738138 | Phase 3 | Abgeschlossen | 153 | EXPEDITION-2: Wirksamkeit und Sicherheit von Glecaprevir/Pibrentasvir bei chronischer HCV-Infektion mit HIV-1-Koinfektion |
| NCT03222583 | Phase 3 | Abgeschlossen | 546 | Randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert bei asiatischen Erwachsenen mit HCV (GT1–6) mit oder ohne HIV-Koinfektion |
| NCT03235349 | Phase 3 | Abgeschlossen | 160 | Offene Studie bei HCV mit kompensierter Zirrhose, mit oder ohne HIV-Koinfektion |
| NCT02634008 | Phase 3 | Abgeschlossen | 83 | Offene Pilotstudie bei kürzlich erworbener HCV-Infektion, mit oder ohne HIV-Koinfektion |
| NCT03823911 | Phase 4 | Abgeschlossen | 87 | Kardiovaskuläres Risiko nach HCV-Eradikation bei Menschen mit HIV und HCV |
| NCT04042740 | Phase 2 | Abgeschlossen | 45 | 4-wöchige Glecaprevir/Pibrentasvir-Therapie bei akuter HCV, mit oder ohne HIV-1-Koinfektion |
| NCT07040319 | Phase 1/2 | Rekrutierend | 30 | Pharmakokinetik und Sicherheit in der Schwangerschaft bei Hepatitis C, mit oder ohne HIV |
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 37671831 | 2023 | Kohorte | J Antimicrob Chemother | Ansprechen auf Glecaprevir/Pibrentasvir bei HIV/HCV-koinfizierten Personen in der Routineversorgung |
| 39697370 | 2024 | Kohorte | Clin Exp Hepatol | Praxisnahe Wirksamkeit bei HIV/HCV-Koinfektion unter Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid |
| 31504702 | 2020 | Pharmakokinetische Studie | J Infect Dis | Wechselwirkungen von Glecaprevir/Pibrentasvir mit antiretroviralen HIV-Arzneimitteln |
| 29595065 | 2018 | Review | Expert Opin Pharmacother | Proteaseinhibitor-Therapie bei HCV; Hinweis auf häufige HIV-Koinfektion |
| 30499343 | 2019 | Review | Future Microbiol | Glecaprevir/Pibrentasvir bei chronischer HCV-Infektion |
| 31284039 | 2019 | Metaanalyse | Int J Antimicrob Agents | Wirksamkeit und Sicherheit bei HCV-Genotypen 1–6; SVR12 insgesamt 97,8 % |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/004430 | Maviret | – | Hepatitis C, chronisch |
Die Zulassungsdaten betreffen das Kombinationspräparat Maviret; sie beschreiben nicht die Zulassung von Glecaprevir als Einzelwirkstoff.
Sicherheitsaspekte
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt 57 Wechselwirkungen verzeichnet. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind u. a. Rosuvastatin, Simvastatin und Edoxaban. Mäßige Wechselwirkungen bestehen u. a. mit Dexamethason, Esomeprazol, Omeprazol, Apixaban, Cobicistat und Deferasirox. Bei gleichzeitiger antiretroviraler Therapie ist die Wechselwirkungsprüfung besonders wichtig.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen siehe die Fachinformation.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Evidenz stützt die HCV-Behandlung auch bei HIV-Koinfektion, nicht aber eine Wirkung gegen HIV selbst. Es gibt weder eine Studie, die HIV als Zielerkrankung untersucht, noch einen plausiblen Wirkmechanismus; die Evidenzstufe ist daher L5.
Für ein Weiterverfolgen wäre erforderlich:
- Präklinische Daten zur antiviralen Aktivität gegen HIV (In-vitro-Untersuchungen)
- Daten zum Wirkmechanismus
- Auswertung der Fachinformation zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.