Glucagon
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 1 |
Inhaltsverzeichnis
Glucagon: Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome)
Zusammenfassung in einem Satz
Glucagon ist ein Peptidhormon, das in der lokalen Zulassung für Diabetes mellitus geführt wird. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome) voraus. Es gibt jedoch keine Studie, die Glucagon selbst beim Reizdarmsyndrom prüft: Die 2 verknüpften Studien und die Literatur betreffen GLP-1 und GLP-1-Analoga, also andere Wirkstoffe. Der Evidenzgrad ist daher L5.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Diabetes Mellitus |
| Vorhergesagte neue Indikation | Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0.9924 |
| Evidenzgrad | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2) |
| Anzahl der Zulassungen | 2 (gültig: 2) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Glucagon wirkt am Glucagon-Rezeptor und hemmt die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts. Deshalb wird es in der Radiologie als diagnostisches Hilfsmittel eingesetzt. Daraus ergibt sich eine plausible, aber nur indirekte Begründung, Krämpfe oder Hypermotilität beim Reizdarmsyndrom zu verringern.
Glucagon und GLP-1 stammen zwar vom selben Vorläufer (Proglucagon), sind aber pharmakologisch verschieden. Die vorliegenden Studien zu GLP-1 und dem Analogon ROSE-010 beim Reizdarmsyndrom lassen sich nicht ohne Weiteres auf Glucagon übertragen. Der hohe TxGNN-Wert ist eine rechnerische Vorhersage und kein klinischer Beleg. Insgesamt ist die Verbindung indirekt und für Glucagon beim Reizdarmsyndrom nicht gezeigt.
Klinische Studien
Keine der Studien prüft Glucagon oder schließt Glucagon-Behandlung ein; sie dienen nur als mechanistischer Kontext.
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmer | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT01056107 | Phase 1/2 | Abgeschlossen | 52 | ROSE-010 (GLP-1-Analogon) und die Magen-Darm-Motilität bei Frauen mit obstipationsdominantem Reizdarmsyndrom; passende Population, aber anderer Wirkstoff |
| NCT02731664 | Phase 1 | Abgeschlossen | 12 | Natives GLP-1 und ROSE-010 hemmen die Motilität von Magen, Duodenum und Jejunum bei Gesunden; keine Reizdarm-Patienten |
Literatur
Die Publikationen betreffen GLP-1 bzw. GLP-1-Rezeptoragonisten, nicht Glucagon.
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 40134805 | 2025 | Systematische Übersicht / Meta-Analyse | Frontiers in Endocrinology | GLP-1-Rezeptoragonisten und Reizdarmsyndrom; GLP-1 und ROSE-010 hemmen die Motilität |
| 35234561 | 2022 | Kreuzanalyse klinischer Studien | Scandinavian Journal of Gastroenterology | ROSE-010 verringerte Schmerzen bei Reizdarm-Attacken; Suche nach geeigneter Subpopulation |
| 30444291 | 2019 | Übersichtsarbeit | Experimental Physiology | Mögliche Rolle von GLP-1 und L-Zellen in der Pathophysiologie des Reizdarmsyndroms |
| 40697433 | 2025 | Kohortenstudie | Annals of Gastroenterology | Verschreibungs- und Absetzmuster von GLP-1-Rezeptoragonisten bei Reizdarm-Patienten |
| 25427821 | 2015 | Übersichtsarbeit / Konzept | Advances in Experimental Medicine and Biology | Aerosoliertes GLP-1 bei Diabetes und Reizdarmsyndrom |
| 26765585 | 2016 | Übersichtsarbeit | Expert Opinion on Investigational Drugs | Neue Substanzen in Entwicklung bei obstipationsdominantem Reizdarmsyndrom |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005391 | Ogluo | – | Diabetes mellitus (gültig) |
| EMEA/H/C/003848 | Baqsimi | – | Diabetes mellitus (gültig) |
Beide Zulassungen sind gültig.
Sicherheitsaspekte
Arzneimittelwechselwirkungen: In der Abfrage wurden 25 Wechselwirkungen erfasst, die gelisteten sind alle als geringfügig (Minor) eingestuft. Genannt sind Warfarin sowie zahlreiche Betablocker, darunter Acebutolol, Atenolol, Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol, Propranolol und Timolol.
Weitere Sicherheitsangaben zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Keine Studie prüft Glucagon beim Reizdarmsyndrom; die vorhandenen Studien betreffen GLP-1 und GLP-1-Analoga. Der Evidenzgrad ist daher L5, und der hohe TxGNN-Wert (0,9924) ersetzt keine klinischen Daten.
Für ein Weiterkommen ist Folgendes nötig:
- Direkte präklinische oder klinische Daten zu Glucagon beim Reizdarmsyndrom
- Detaillierte Angaben zum Wirkmechanismus
- Auswertung der Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Packungsbeilage
- Prüfung der Darreichungsformen und Anwendungswege im Hinblick auf eine mögliche neue Indikation
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.