Glucagon

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Glucagon
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Glucagon: Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome)
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studien
    7. Literatur
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Glucagon: Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome)

Zusammenfassung in einem Satz

Glucagon ist ein Peptidhormon, das in der lokalen Zulassung für Diabetes mellitus geführt wird. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome) voraus. Es gibt jedoch keine Studie, die Glucagon selbst beim Reizdarmsyndrom prüft: Die 2 verknüpften Studien und die Literatur betreffen GLP-1 und GLP-1-Analoga, also andere Wirkstoffe. Der Evidenzgrad ist daher L5.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Diabetes Mellitus
Vorhergesagte neue Indikation Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrome)
TxGNN-Vorhersagewert 0.9924
Evidenzgrad L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2)
Anzahl der Zulassungen 2 (gültig: 2)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Glucagon wirkt am Glucagon-Rezeptor und hemmt die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts. Deshalb wird es in der Radiologie als diagnostisches Hilfsmittel eingesetzt. Daraus ergibt sich eine plausible, aber nur indirekte Begründung, Krämpfe oder Hypermotilität beim Reizdarmsyndrom zu verringern.

Glucagon und GLP-1 stammen zwar vom selben Vorläufer (Proglucagon), sind aber pharmakologisch verschieden. Die vorliegenden Studien zu GLP-1 und dem Analogon ROSE-010 beim Reizdarmsyndrom lassen sich nicht ohne Weiteres auf Glucagon übertragen. Der hohe TxGNN-Wert ist eine rechnerische Vorhersage und kein klinischer Beleg. Insgesamt ist die Verbindung indirekt und für Glucagon beim Reizdarmsyndrom nicht gezeigt.


Klinische Studien

Keine der Studien prüft Glucagon oder schließt Glucagon-Behandlung ein; sie dienen nur als mechanistischer Kontext.

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT01056107 Phase 1/2 Abgeschlossen 52 ROSE-010 (GLP-1-Analogon) und die Magen-Darm-Motilität bei Frauen mit obstipationsdominantem Reizdarmsyndrom; passende Population, aber anderer Wirkstoff
NCT02731664 Phase 1 Abgeschlossen 12 Natives GLP-1 und ROSE-010 hemmen die Motilität von Magen, Duodenum und Jejunum bei Gesunden; keine Reizdarm-Patienten

Literatur

Die Publikationen betreffen GLP-1 bzw. GLP-1-Rezeptoragonisten, nicht Glucagon.

PMID Jahr Typ Zeitschrift Kernaussagen
40134805 2025 Systematische Übersicht / Meta-Analyse Frontiers in Endocrinology GLP-1-Rezeptoragonisten und Reizdarmsyndrom; GLP-1 und ROSE-010 hemmen die Motilität
35234561 2022 Kreuzanalyse klinischer Studien Scandinavian Journal of Gastroenterology ROSE-010 verringerte Schmerzen bei Reizdarm-Attacken; Suche nach geeigneter Subpopulation
30444291 2019 Übersichtsarbeit Experimental Physiology Mögliche Rolle von GLP-1 und L-Zellen in der Pathophysiologie des Reizdarmsyndroms
40697433 2025 Kohortenstudie Annals of Gastroenterology Verschreibungs- und Absetzmuster von GLP-1-Rezeptoragonisten bei Reizdarm-Patienten
25427821 2015 Übersichtsarbeit / Konzept Advances in Experimental Medicine and Biology Aerosoliertes GLP-1 bei Diabetes und Reizdarmsyndrom
26765585 2016 Übersichtsarbeit Expert Opinion on Investigational Drugs Neue Substanzen in Entwicklung bei obstipationsdominantem Reizdarmsyndrom

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005391 Ogluo – Diabetes mellitus (gültig)
EMEA/H/C/003848 Baqsimi – Diabetes mellitus (gültig)

Beide Zulassungen sind gültig.


Sicherheitsaspekte

Arzneimittelwechselwirkungen: In der Abfrage wurden 25 Wechselwirkungen erfasst, die gelisteten sind alle als geringfügig (Minor) eingestuft. Genannt sind Warfarin sowie zahlreiche Betablocker, darunter Acebutolol, Atenolol, Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol, Propranolol und Timolol.

Weitere Sicherheitsangaben zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Keine Studie prüft Glucagon beim Reizdarmsyndrom; die vorhandenen Studien betreffen GLP-1 und GLP-1-Analoga. Der Evidenzgrad ist daher L5, und der hohe TxGNN-Wert (0,9924) ersetzt keine klinischen Daten.

Für ein Weiterkommen ist Folgendes nötig:

  • Direkte präklinische oder klinische Daten zu Glucagon beim Reizdarmsyndrom
  • Detaillierte Angaben zum Wirkmechanismus
  • Auswertung der Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Packungsbeilage
  • Prüfung der Darreichungsformen und Anwendungswege im Hinblick auf eine mögliche neue Indikation

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.