Iloprost

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 4

Inhaltsverzeichnis

  1. Iloprost
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Iloprost: Von pulmonaler arterieller Hypertonie zu hypotrichosis simplex der Kopfhaut
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Evidenz aus der Literatur
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Iloprost: Von pulmonaler arterieller Hypertonie zu hypotrichosis simplex der Kopfhaut

Zusammenfassung in einem Satz

Iloprost ist ein stabiles Prostacyclin-Analogon, das ursprünglich zur Behandlung der pulmonalen Hypertonie zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt für die Kopfhaut-Erkrankung Hypotrichosis simplex (Rang 1) eine mögliche Wirksamkeit voraus, hierfür liegen jedoch keine klinischen Studien und keine Publikationen vor. Deutlich besser belegt sind die weiteren Vorhersagen aus dem PAH-Spektrum, z. B. die PAH bei angeborenem Herzfehler (19 Publikationen) und die PAH bei Bindegewebserkrankung (19 Publikationen).


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Pulmonale Hypertonie
Vorhergesagte neue Indikation Hypotrichosis simplex der Kopfhaut (Rang 1)
TxGNN-Vorhersagewert 0,9945
Evidenzniveau L5 (für Rang 1); zum Vergleich L3 für PAH bei angeborenem Herzfehler und PAH bei Bindegewebserkrankung
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold (für Rang 1)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus lagen für diesen Bericht nicht vor. Iloprost gehört jedoch zur Klasse der Prostacyclin-Analoga: Es aktiviert den IP-Rezeptor, erhöht cAMP, führt zu pulmonaler Vasodilatation, hemmt die Thrombozytenaggregation und kann die Proliferation glatter Gefäßmuskelzellen verringern.

Für die Top-Vorhersage (Hypotrichosis simplex der Kopfhaut) ist der mechanistische Zusammenhang spekulativ. Theoretisch könnte eine Vasodilatation die Durchblutung der Kopfhaut oder den Haarfollikelzyklus beeinflussen. Die Hypotrichosis simplex ist jedoch eine genetische Erkrankung, die ein Vasodilatator voraussichtlich nicht an der Ursache angreift. Ähnliches gilt für die kongenitale Hypotrichosis mit Milien und die diffuse Alopecia areata (autoimmun): Hier fehlen belastbare Daten.

Deutlich plausibler sind die vorhergesagten PAH-Untergruppen (angeborener Herzfehler, Bindegewebserkrankung, HIV, Schistosomiasis, hämolytische Anämie). Sie teilen die pulmonale Gefäßerkrankung der zugelassenen Indikation, sodass es sich eher um eine Erweiterung auf Untergruppen als um ein echtes Repurposing handelt. Bei der PAH bei hämolytischer Anämie ist der Nutzen wegen der abweichenden Pathophysiologie (Scavenging von Stickstoffmonoxid, endotheliale Dysfunktion) unsicher. Bei der pulmonalen arteriovenösen Malformation besteht dagegen ein Sicherheitsrisiko, da ein pulmonaler Vasodilatator die Ventilations-Perfusions-Fehlanpassung oder den Shunt verschlechtern könnte.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert (weder für die Top-Vorhersage noch für die übrigen vorhergesagten Indikationen).


Evidenz aus der Literatur

Für die Top-Vorhersage (Hypotrichosis simplex der Kopfhaut) liegt derzeit keine zugehörige Literatur vor. Die folgende Tabelle zeigt daher die Literatur zur best belegten Vorhersage, PAH bei angeborenem Herzfehler (Rang 3), ausgewählt nach Studientyp:

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
31371115 2020 Randomisierte, placebokontrollierte Doppelblind-Crossover-Pilotstudie Int J Cardiol Vernebeltes Iloprost bei Eisenmenger-Syndrom (schwerste Form der CHD-PAH)
28608969 2017 Kohorte Clin Exp Pharmacol Physiol Effekt von Iloprost auf Biomarker (NO, ET-1, ADMA, Gal-3, BNP, Harnsäure) bei CHD-PAH
29426959 2018 Kohorte Pediatr Cardiol Sicherheit und akute hämodynamische Wirkung von inhaliertem Iloprost bei Kindern mit PAH-CHD
24729548 2015 Kohorte Pediatr Pulmonol Langzeitwirkung von inhaliertem Iloprost bei Kindern mit pulmonaler Hypertonie
27492657 2017 Kohorte J Cardiol Langzeit-Iloprost und Funktion des rechten Ventrikels bei Eisenmenger-Syndrom
30719004 2018 Prospektive Studie Front Pharmacol Akute Iloprost-Inhalation verbessert die Funktion des rechten Ventrikels (kardiale MRT) bei PAH
36010107 2022 Fallserie Children (Basel) Add-on-Kombination aus Sildenafil, Bosentan und Iloprost bei 5 Eisenmenger-Patienten
19436672 2009 Übersichtsarbeit Vasc Health Risk Manag Inhaliertes Iloprost bei pulmonaler Hypertonie im Kindesalter
22621693 2012 Übersichtsarbeit Drugs Behandlung der PAH bei Bindegewebserkrankung
24753712 2014 Fallbericht J Korean Med Sci PAH bei kongenitalem extrahepatischem portokavalem Shunt

Für die PAH bei Bindegewebserkrankung (Rang 7) ist zusätzlich die Langzeitstudie zu intravenösem Iloprost im häuslichen Umfeld bei idiopathischer und CTD-assoziierter PAH relevant (27651181, 2017, Kohorte, Respirology).


Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000474 Ventavis (Bayer AG) – Pulmonale Hypertonie (Status: gültig/gelöscht)

Sicherheitsaspekte

Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (TxGNN/PrimeKG, keine Angaben aus dem Beipackzettel): Leberversagen, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD, auch schwere früh beginnende Form), hypotensive Erkrankung, Lungenödem, Bronchialerkrankung.

Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen gefunden. Beispiele mit mäßigem Schweregrad: Acetylsalicylsäure, Epinephrin, Ephedrin, Papaverin, Mannitol, Glycerin, Sibutramin, Fenfluramin sowie die SGLT2-Hemmer Canagliflozin, Dapagliflozin, Empagliflozin und Ertugliflozin. Bei Acetylsalicylsäure ist wegen der thrombozytenhemmenden Wirkung auf additive Blutungsneigung zu achten. Für Calcitriol, Pantoprazol, Morphin, Metformin und Omeprazol ist der Schweregrad nicht eingestuft.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen laut Fachinformation liegen keine Daten vor; bitte die Fachinformation heranziehen. Bei HIV-PAH sollte zusätzlich eine Interaktionsprüfung mit antiretroviralen Mitteln erfolgen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold (für die Top-Vorhersage Hypotrichosis simplex der Kopfhaut)

Begründung:

  • Der hohe Wert stammt aus dem TxGNN-Modell (Deep Learning) und kann Ähnlichkeiten widerspiegeln, die das Modell zwischen verwandten Erkrankungen gelernt hat, nicht biologische Evidenz. Es gibt keine Studien oder Literatur und keinen plausiblen kausalen Mechanismus bei einer genetischen Haarerkrankung.
  • Für die PAH bei angeborenem Herzfehler und die PAH bei Bindegewebserkrankung (jeweils L3) ist eine Einstufung als Proceed with Guardrails vertretbar. Die Evidenz besteht jedoch überwiegend aus Beobachtungsstudien, Fallserien und Übersichten, nicht aus Phase-3-Studien.

Für das weitere Vorgehen wird benötigt:

  • Daten zum Wirkmechanismus aus DrugBank
  • Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation (BfArM), die derzeit eine blockierende Datenlücke darstellen
  • Klärung des aktuellen Zulassungs- und Vermarktungsstatus in Deutschland
  • Bei Verfolgung der PAH-Untergruppen: kontrollierte Studien und ein Sicherheitsmonitoring (z. B. Blutdruck, Blutungsrisiko, Begleitmedikation)
  • Für die Haarerkrankungen: zunächst präklinische oder mechanistische Belege, bevor eine Weiterverfolgung erwogen wird

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.