Imidacloprid

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 9

Inhaltsverzeichnis

  1. Imidacloprid
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Imidacloprid: Von einem nicht ausgewiesenen Ursprungsanwendungsgebiet zu Cauda-equina-Syndrom
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Überblick
    5. Warum ist diese Vorhersage (nicht) plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Evidenz aus der Literatur
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Imidacloprid: Von einem nicht ausgewiesenen Ursprungsanwendungsgebiet zu Cauda-equina-Syndrom

Zusammenfassung in einem Satz

Imidacloprid ist ein Neonicotinoid-Wirkstoff (nikotinischer Acetylcholinrezeptor-Agonist) mit Selektivität für Insektenrezeptoren. Die Zulassungen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten betreffen Tierarzneimittel. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei Cauda-equina-Syndrom voraus, doch es liegen keine klinischen Studien und keine Publikationen zu dieser Indikation vor. Die Vorhersage beruht allein auf dem Modellscore.


Überblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Keine Angabe in den zusammengestellten Daten (die Zulassungstexte sind leer)
Vorhergesagte neue Indikation Cauda-equina-Syndrom
TxGNN-Vorhersagescore 0,9999
Evidenzlevel L5
Marktstatus in Deutschland Keine zentrale EU-Zulassung (EMA) erfasst – nationale Zulassungen (BfArM) sind in den hier ausgewerteten Daten nicht enthalten
Anzahl der Zulassungen 0 (gültig: 0)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage (nicht) plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Imidacloprid ein Neonicotinoid-Insektizid ist und als Agonist an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren (nAChR) wirkt, mit deutlicher Selektivität für Insektenrezeptoren. Die Affinität zu nAChR von Säugetieren ist gering, und der Stoff ist kein Humantherapeutikum.

Das Cauda-equina-Syndrom ist eine Kompression der lumbosakralen Nervenwurzeln. Eine biologisch plausible Verbindung zwischen einem Insekten-nAChR-Agonisten und dieser strukturellen, kompressiven Erkrankung ist nicht erkennbar. Der hohe Score stammt vom TxGNN-Modell (Deep Learning) und kann Ähnlichkeiten widerspiegeln, die das Modell zwischen verwandten Erkrankungen gelernt hat, nicht biologische Evidenz.

Auch die weiteren Vorhersagen (u. a. obsolete neurogene Blase, Reizdarmsyndrom, Ösophaguserkrankung, Mitralklappenprolaps und verwandte Einträge) stützen sich ausschließlich auf Modellscores. Für sie gibt es keine belastbare mechanistische Begründung.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Evidenz aus der Literatur

Für das Cauda-equina-Syndrom liegt derzeit keine zugehörige Literatur vor.

Zur Orientierung: Für die weiter hinten gereihte Vorhersage „Ösophaguserkrankung" gibt es einen Treffer:

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
29506575 2018 Veterinärmedizinische klinische Studie (doppelblind, placebokontrolliert) Parasites & Vectors Spot-on-Kombination aus Imidacloprid und Moxidectin (Advocate®) im Vergleich zu injizierbarem Doramectin bei Hunden mit ösophagealer Spirocercose. Die antiparasitäre Wirkung ist vor allem Moxidectin zuzuschreiben; kein Beleg für eine Wirksamkeit bei menschlichen Ösophaguserkrankungen.

Marktinformationen Deutschland

| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation | |---------|------|------|-----------|


Sicherheitsaspekte

Zu Warnhinweisen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen liegen keine Daten vor (die Abfrage zu Wechselwirkungen ergab keine Treffer). Bitte die Fachinformation zu Sicherheitsaspekten heranziehen. Zu beachten ist zudem, dass Imidacloprid als neurotoxisches Pestizid eingestuft wird, was gegen eine Anwendung beim Menschen spricht.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage stützt sich ausschließlich auf einen Modellscore (Evidenzlevel L5) ohne klinische Studien, ohne relevante Literatur und ohne plausiblen Mechanismus. Hinzu kommen der Status „nur erloschene Zulassungen", die Einstufung als neurotoxisches Insektizid und ein Zulassungsbestand ausschließlich im Veterinärbereich.

Für ein Weiterverfolgen wären erforderlich:

  • Beschaffung und Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen), da dies die Sicherheitsprüfung derzeit blockiert
  • Daten zum Wirkmechanismus (z. B. aus DrugBank)
  • Präklinische Belege für einen Zusammenhang mit dem Cauda-equina-Syndrom oder den anderen vorhergesagten Erkrankungen
  • Eine toxikologische Bewertung für die Anwendung beim Menschen

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.