Interferon Beta-1B
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 2 |
Inhaltsverzeichnis
- Interferon Beta-1B
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Interferon beta-1b: Von Multipler Sklerose zu Haarzellleukämie
- Zusammenfassung in einem Satz
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Literaturevidenz
- Marktinformationen Deutschland
- Sicherheitshinweise
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Interferon beta-1b: Von Multipler Sklerose zu Haarzellleukämie
Zusammenfassung in einem Satz
Interferon beta-1b ist ein Immunmodulator, der ursprünglich zur Behandlung der Multiplen Sklerose zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell (Deep Learning) sagt voraus, dass er bei Haarzellleukämie wirksam sein könnte (Score 0,9916), doch dafür liegen keine klinischen Studien und keine Publikationen vor. Für die zweitplatzierte Vorhersage (autoimmune Erkrankung des zentralen Nervensystems) gibt es zwar 6 klinische Studien und 18 Publikationen, diese betreffen aber fast ausschließlich die bereits zugelassene Multiple Sklerose.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Multiple Sklerose |
| Vorhergesagte neue Indikation | Haarzellleukämie |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9916 |
| Evidenzlevel | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1) |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (gültig: 1) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Für diesen Wirkstoff liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Bekannt ist, dass Interferone eine antiproliferative und immunmodulatorische Klassenwirkung haben. Interferon beta-1b wird bei Multipler Sklerose eingesetzt, wo es die T-Zell-Aktivierung und proinflammatorische Zytokine reduziert.
Interferon alfa wurde historisch bei Haarzellleukämie eingesetzt. Die hohe Vorhersage dürfte vor allem die Nähe zu Interferon-Wirkstoffen im Wissensnetzwerk widerspiegeln. Sie belegt nicht, dass Interferon beta-1b selbst wirksam ist. Zudem sind Purinanaloga (Cladribin, Pentostatin) und BRAF-Inhibitoren inzwischen der Therapiestandard, sodass der klinische Bedarf für eine Interferon-Option gering ist.
Evidenz aus klinischen Studien
Für Haarzellleukämie sind derzeit keine relevanten klinischen Studien registriert.
Zur Einordnung: Für die zweitplatzierte Vorhersage „autoimmune Erkrankung des zentralen Nervensystems“ liegen folgende Studien vor. Sie betreffen sämtlich Multiple Sklerose, also die bestehende Indikation:
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT00185211 | Phase 3 | Abgeschlossen | 468 | Offene Verlängerung der BENEFIT-Studie: Langzeitwirksamkeit und -sicherheit bei früher MS |
| NCT01333501 | Phase 4 | Abgeschlossen | 151 | Fingolimod vs. Interferon beta-1b bei kognitiven Symptomen der schubförmigen MS |
| NCT00893217 | Phase 2 | Abgeschlossen | 71 | Sicherheit und Verträglichkeit von Betaseron 500 µg vs. 250 µg |
| NCT01111656 | Phase 2 | Abgeschlossen | 28 | Nachfolgestudie: Atorvastatin plus Interferon beta-1b bei schubförmiger MS |
| NCT01158183 | N/A | Abgeschlossen | 226 | Beobachtungsstudie unter Alltagsbedingungen (ROBUST) zu Betaseron bei schubförmiger MS |
| NCT01701856 | Phase 4 | Abgebrochen | 5 | Deeskalation von Natalizumab auf Interferon beta-1b; wegen sehr geringer Rekrutierung nicht aussagekräftig |
Literaturevidenz
Für Haarzellleukämie liegen derzeit keine relevanten Publikationen vor.
Die folgende Auswahl betrifft die zweitplatzierte Vorhersage (wiederum Multiple Sklerose):
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 38032059 | 2023 | Netzwerk-Metaanalyse | Cochrane Database Syst Rev | Unerwünschte Wirkungen von Immuntherapien bei MS |
| 8808634 | 1996 | Review | Clin Immunol Immunopathol | Interferon beta-1b senkt Schubrate und MRT-Krankheitslast; immunmodulatorische Wirkung |
| 9266420 | 1997 | Review | J Neural Transm Suppl | Rolle der Interferone bei demyelinisierenden Erkrankungen; Zulassung von Betaseron 1993 |
| 8069001 | 1994 | Review | Ann Pharmacother | Pharmakologie, Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Interferon beta-1b bei schubförmiger MS |
| 25482255 | 2014 | Review | Neurol Neurochir Pol | Einfluss der Interferon-beta-Therapie auf das Überleben bei MS (Langzeit-Nachbeobachtung) |
| 27640189 | 2016 | Review | Neurol Ther | Multiple Sklerose bei Kindern: Konzepte und Therapieoptionen |
| 19794123 | 2009 | Kohortenstudie | Neurology | Zusammenhang zwischen T2-Läsionslast und Behinderung bei MS |
| 17439988 | 2007 | Kohortenstudie | Brain | Heterogenität der Aquaporin-4-Autoimmunität bei japanischen MS-Patienten |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000081 | Betaferon (Bayer AG) | – | Multiple Sklerose (Status: gültig/gültig) |
Sicherheitshinweise
Arzneimittelwechselwirkungen: Die Abfrage ergab insgesamt 100 Wechselwirkungen. Davon ist eine als schwerwiegend eingestuft:
- Bupropion (schwerwiegend)
Weitere Beispiele mit mittlerem Schweregrad: Acarbose, Pioglitazon, Rosiglitazon, Clarithromycin, Levofloxacin, Minocyclin, Naltrexon, Simvastatin, Rosuvastatin, Orlistat sowie die anabolen Steroide Oxandrolon, Oxymetholon und Stanozolol.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung:
- Die Vorhersage zur Haarzellleukämie beruht allein auf dem Modell (L5) ohne Studien oder Publikationen; zudem existieren etablierte, wirksame Standardtherapien.
- Die umfangreichere Evidenz zur zweiten Vorhersage betrifft die bereits zugelassene Multiple Sklerose und stellt kein echtes Repurposing dar. Interferon beta gilt bei AQP4-IgG-positiver NMOSD als unwirksam oder möglicherweise schädlich.
Für ein Weiterverfolgen sind erforderlich:
- Präklinische oder mechanistische Daten zu Interferon beta-1b bei Haarzellleukämie
- Systematische Literaturrecherche zu Interferon beta (nicht nur Interferon alfa) bei Haarzellleukämie
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA)
- Fachinformation mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen für die Sicherheitsbewertung
- Klärung des Zulassungsstatus und der Verfügbarkeit in Deutschland
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.