Interferon Beta-1B

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 2

Inhaltsverzeichnis

  1. Interferon Beta-1B
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Interferon beta-1b: Von Multipler Sklerose zu Haarzellleukämie
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitshinweise
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Interferon beta-1b: Von Multipler Sklerose zu Haarzellleukämie

Zusammenfassung in einem Satz

Interferon beta-1b ist ein Immunmodulator, der ursprünglich zur Behandlung der Multiplen Sklerose zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell (Deep Learning) sagt voraus, dass er bei Haarzellleukämie wirksam sein könnte (Score 0,9916), doch dafür liegen keine klinischen Studien und keine Publikationen vor. Für die zweitplatzierte Vorhersage (autoimmune Erkrankung des zentralen Nervensystems) gibt es zwar 6 klinische Studien und 18 Publikationen, diese betreffen aber fast ausschließlich die bereits zugelassene Multiple Sklerose.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Multiple Sklerose
Vorhergesagte neue Indikation Haarzellleukämie
TxGNN-Vorhersagewert 0,9916
Evidenzlevel L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Für diesen Wirkstoff liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Bekannt ist, dass Interferone eine antiproliferative und immunmodulatorische Klassenwirkung haben. Interferon beta-1b wird bei Multipler Sklerose eingesetzt, wo es die T-Zell-Aktivierung und proinflammatorische Zytokine reduziert.

Interferon alfa wurde historisch bei Haarzellleukämie eingesetzt. Die hohe Vorhersage dürfte vor allem die Nähe zu Interferon-Wirkstoffen im Wissensnetzwerk widerspiegeln. Sie belegt nicht, dass Interferon beta-1b selbst wirksam ist. Zudem sind Purinanaloga (Cladribin, Pentostatin) und BRAF-Inhibitoren inzwischen der Therapiestandard, sodass der klinische Bedarf für eine Interferon-Option gering ist.


Evidenz aus klinischen Studien

Für Haarzellleukämie sind derzeit keine relevanten klinischen Studien registriert.

Zur Einordnung: Für die zweitplatzierte Vorhersage „autoimmune Erkrankung des zentralen Nervensystems“ liegen folgende Studien vor. Sie betreffen sämtlich Multiple Sklerose, also die bestehende Indikation:

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Kernaussagen
NCT00185211 Phase 3 Abgeschlossen 468 Offene Verlängerung der BENEFIT-Studie: Langzeitwirksamkeit und -sicherheit bei früher MS
NCT01333501 Phase 4 Abgeschlossen 151 Fingolimod vs. Interferon beta-1b bei kognitiven Symptomen der schubförmigen MS
NCT00893217 Phase 2 Abgeschlossen 71 Sicherheit und Verträglichkeit von Betaseron 500 µg vs. 250 µg
NCT01111656 Phase 2 Abgeschlossen 28 Nachfolgestudie: Atorvastatin plus Interferon beta-1b bei schubförmiger MS
NCT01158183 N/A Abgeschlossen 226 Beobachtungsstudie unter Alltagsbedingungen (ROBUST) zu Betaseron bei schubförmiger MS
NCT01701856 Phase 4 Abgebrochen 5 Deeskalation von Natalizumab auf Interferon beta-1b; wegen sehr geringer Rekrutierung nicht aussagekräftig

Literaturevidenz

Für Haarzellleukämie liegen derzeit keine relevanten Publikationen vor.

Die folgende Auswahl betrifft die zweitplatzierte Vorhersage (wiederum Multiple Sklerose):

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
38032059 2023 Netzwerk-Metaanalyse Cochrane Database Syst Rev Unerwünschte Wirkungen von Immuntherapien bei MS
8808634 1996 Review Clin Immunol Immunopathol Interferon beta-1b senkt Schubrate und MRT-Krankheitslast; immunmodulatorische Wirkung
9266420 1997 Review J Neural Transm Suppl Rolle der Interferone bei demyelinisierenden Erkrankungen; Zulassung von Betaseron 1993
8069001 1994 Review Ann Pharmacother Pharmakologie, Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Interferon beta-1b bei schubförmiger MS
25482255 2014 Review Neurol Neurochir Pol Einfluss der Interferon-beta-Therapie auf das Überleben bei MS (Langzeit-Nachbeobachtung)
27640189 2016 Review Neurol Ther Multiple Sklerose bei Kindern: Konzepte und Therapieoptionen
19794123 2009 Kohortenstudie Neurology Zusammenhang zwischen T2-Läsionslast und Behinderung bei MS
17439988 2007 Kohortenstudie Brain Heterogenität der Aquaporin-4-Autoimmunität bei japanischen MS-Patienten

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000081 Betaferon (Bayer AG) – Multiple Sklerose (Status: gültig/gültig)

Sicherheitshinweise

Arzneimittelwechselwirkungen: Die Abfrage ergab insgesamt 100 Wechselwirkungen. Davon ist eine als schwerwiegend eingestuft:

  • Bupropion (schwerwiegend)

Weitere Beispiele mit mittlerem Schweregrad: Acarbose, Pioglitazon, Rosiglitazon, Clarithromycin, Levofloxacin, Minocyclin, Naltrexon, Simvastatin, Rosuvastatin, Orlistat sowie die anabolen Steroide Oxandrolon, Oxymetholon und Stanozolol.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung:

  • Die Vorhersage zur Haarzellleukämie beruht allein auf dem Modell (L5) ohne Studien oder Publikationen; zudem existieren etablierte, wirksame Standardtherapien.
  • Die umfangreichere Evidenz zur zweiten Vorhersage betrifft die bereits zugelassene Multiple Sklerose und stellt kein echtes Repurposing dar. Interferon beta gilt bei AQP4-IgG-positiver NMOSD als unwirksam oder möglicherweise schädlich.

Für ein Weiterverfolgen sind erforderlich:

  • Präklinische oder mechanistische Daten zu Interferon beta-1b bei Haarzellleukämie
  • Systematische Literaturrecherche zu Interferon beta (nicht nur Interferon alfa) bei Haarzellleukämie
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA)
  • Fachinformation mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen für die Sicherheitsbewertung
  • Klärung des Zulassungsstatus und der Verfügbarkeit in Deutschland

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.