Ivosidenib
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 1 |
Inhaltsverzeichnis
- Ivosidenib
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Ivosidenib: Neue vorhergesagte Indikation Bulbäre Poliomyelitis
- Zusammenfassung
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Klinische Studien
- Literaturevidenz
- Marktinformationen Deutschland
- Zytotoxizität
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Ivosidenib: Neue vorhergesagte Indikation Bulbäre Poliomyelitis
Zusammenfassung
Ivosidenib ist ein Hemmstoff der mutierten IDH1 und wurde ursprünglich zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie und des Cholangiokarzinoms zugelassen. Das TxGNN-Modell (Deep Learning) sagt für den Wirkstoff eine mögliche Wirksamkeit bei Bulbärer Poliomyelitis voraus (Score 0.9931). Der Score stammt vom TxGNN-Modell (Deep Learning) und kann vom Modell gelernte Ähnlichkeiten zwischen verwandten Erkrankungen widerspiegeln, keine biologische Evidenz. Für diese Vorhersage liegen jedoch keine klinischen Studien und keine Publikationen vor, sodass sie derzeit allein auf einer Modellvorhersage beruht.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Akute myeloische Leukämie; Cholangiokarzinom |
| Vorhergesagte neue Indikation | Bulbäre Poliomyelitis |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9931 |
| Evidenzstufe | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1) |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (gültig: 1) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Ein Wirkmechanismus ist in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit nicht hinterlegt. Bekannt ist, dass Ivosidenib die mutierte Isocitrat-Dehydrogenase 1 (IDH1) hemmt und dadurch den Spiegel des Onkometaboliten 2-Hydroxyglutarat in IDH1-mutierten Tumoren senkt. Die Wirksamkeit bei akuter myeloischer Leukämie und Cholangiokarzinom beruht auf diesem tumorspezifischen Mechanismus.
Die bulbäre Poliomyelitis ist dagegen eine Virusinfektion der Motoneuronen, ausgelöst durch das Poliovirus. Ein IDH1-abhängiger Signalweg ist hierbei nicht bekannt. Ein glaubwürdiger mechanistischer Zusammenhang zwischen der ursprünglichen und der vorhergesagten Indikation besteht daher nicht.
Der hohe TxGNN-Score ist sehr wahrscheinlich ein Artefakt des TxGNN-Modells (Deep Learning), etwa durch gemeinsame Nachbarknoten über allgemeine neurologische oder metabolische Konzepte. Er wird durch keine biologische Begründung gestützt.
Plausibler sind die weiteren Vorhersagen mit gleich hohem Score: strahlungsassoziierte sowie durch Alkylanzien bedingte AML/MDS (therapieassoziierte myeloische Neoplasien). Hier handelt es sich um Untergruppen einer bereits zugelassenen Krankheitsklasse. Ein möglicher Nutzen hinge vom IDH1-Mutationsstatus ab, nicht von der Ätiologie. Das ist eher eine biomarkerdefinierte Teilpopulation einer bestehenden Indikation als eine echte Neuindikation (Evidenzstufe L4, Einstufung „Forschungsfrage“).
Klinische Studien
Derzeit sind keine einschlägigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
Derzeit liegt keine einschlägige Literatur vor.
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005936 | Tibsovo (Les Laboratoires Servier) | – | Akute myeloische Leukämie; Cholangiokarzinom |
Es liegt 1 gültige Zulassung von 1 vor; das Arzneimittel ist im Handel.
Zytotoxizität
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Zytotoxizitätsklassifikation | Zielgerichtete Therapie (IDH1-Inhibitor) |
| Myelosuppressionsrisiko | Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Emetogenitätsklassifikation | Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Überwachungsparameter | Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Schutzmaßnahmen bei der Handhabung | Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
Sicherheitsaspekte
Arzneimittelwechselwirkungen: Die Abfrage ergab 100 Wechselwirkungen (Datenbank DDInter). Die Auswahl der ersten 20 enthält folgende Einträge:
- Schwerwiegend (Major): Aprepitant, Clarithromycin, Dolasetron, Palonosetron, Cisapride, Granisetron, Levofloxacin
- Moderat (Moderate): Famotidin, Loperamid, Bisacodyl, Picosulfat, Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten), Saxagliptin, Eliglustat, Linagliptin, Natriumsulfat, Rizinusöl, Glycerin, Lactitol, Lactulose
Auffällig sind mehrere Substanzen, die die QT-Zeit beeinflussen können (u. a. 5-HT3-Antagonisten, Cisaprid, Levofloxacin, Clarithromycin). Eine Kombination erfordert besondere Vorsicht.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold (für bulbäre Poliomyelitis)
Begründung:
- Für die vorhergesagte Indikation fehlen Studien und Literatur, und es gibt keinen plausiblen biologischen Zusammenhang. Der hohe Score ist sehr wahrscheinlich ein Artefakt des TxGNN-Modells (Deep Learning).
- Die AML/MDS-Untergruppen (strahlungs- bzw. alkylanzienassoziiert) sind als biomarkerabhängige Forschungsfragen innerhalb der bereits zugelassenen AML-Indikation einzuordnen.
Für ein Weiterkommen erforderlich:
- Fachinformation (BfArM) mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen beschaffen und auswerten (blockierende Datenlücke für die Sicherheitsprüfung)
- Daten zum Wirkmechanismus aus DrugBank ergänzen
- Für die AML/MDS-Untergruppen: Literatur- und Studienrecherche zu IDH1-mutierten therapieassoziierten myeloischen Neoplasien
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.