Ivosidenib

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Ivosidenib
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Ivosidenib: Neue vorhergesagte Indikation Bulbäre Poliomyelitis
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Ivosidenib: Neue vorhergesagte Indikation Bulbäre Poliomyelitis

Zusammenfassung

Ivosidenib ist ein Hemmstoff der mutierten IDH1 und wurde ursprünglich zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie und des Cholangiokarzinoms zugelassen. Das TxGNN-Modell (Deep Learning) sagt für den Wirkstoff eine mögliche Wirksamkeit bei Bulbärer Poliomyelitis voraus (Score 0.9931). Der Score stammt vom TxGNN-Modell (Deep Learning) und kann vom Modell gelernte Ähnlichkeiten zwischen verwandten Erkrankungen widerspiegeln, keine biologische Evidenz. Für diese Vorhersage liegen jedoch keine klinischen Studien und keine Publikationen vor, sodass sie derzeit allein auf einer Modellvorhersage beruht.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Akute myeloische Leukämie; Cholangiokarzinom
Vorhergesagte neue Indikation Bulbäre Poliomyelitis
TxGNN-Vorhersagewert 0,9931
Evidenzstufe L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Ein Wirkmechanismus ist in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit nicht hinterlegt. Bekannt ist, dass Ivosidenib die mutierte Isocitrat-Dehydrogenase 1 (IDH1) hemmt und dadurch den Spiegel des Onkometaboliten 2-Hydroxyglutarat in IDH1-mutierten Tumoren senkt. Die Wirksamkeit bei akuter myeloischer Leukämie und Cholangiokarzinom beruht auf diesem tumorspezifischen Mechanismus.

Die bulbäre Poliomyelitis ist dagegen eine Virusinfektion der Motoneuronen, ausgelöst durch das Poliovirus. Ein IDH1-abhängiger Signalweg ist hierbei nicht bekannt. Ein glaubwürdiger mechanistischer Zusammenhang zwischen der ursprünglichen und der vorhergesagten Indikation besteht daher nicht.

Der hohe TxGNN-Score ist sehr wahrscheinlich ein Artefakt des TxGNN-Modells (Deep Learning), etwa durch gemeinsame Nachbarknoten über allgemeine neurologische oder metabolische Konzepte. Er wird durch keine biologische Begründung gestützt.

Plausibler sind die weiteren Vorhersagen mit gleich hohem Score: strahlungsassoziierte sowie durch Alkylanzien bedingte AML/MDS (therapieassoziierte myeloische Neoplasien). Hier handelt es sich um Untergruppen einer bereits zugelassenen Krankheitsklasse. Ein möglicher Nutzen hinge vom IDH1-Mutationsstatus ab, nicht von der Ätiologie. Das ist eher eine biomarkerdefinierte Teilpopulation einer bestehenden Indikation als eine echte Neuindikation (Evidenzstufe L4, Einstufung „Forschungsfrage“).


Klinische Studien

Derzeit sind keine einschlägigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

Derzeit liegt keine einschlägige Literatur vor.


Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005936 Tibsovo (Les Laboratoires Servier) – Akute myeloische Leukämie; Cholangiokarzinom

Es liegt 1 gültige Zulassung von 1 vor; das Arzneimittel ist im Handel.


Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Zielgerichtete Therapie (IDH1-Inhibitor)
Myelosuppressionsrisiko Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Emetogenitätsklassifikation Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Schutzmaßnahmen bei der Handhabung Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten

Sicherheitsaspekte

Arzneimittelwechselwirkungen: Die Abfrage ergab 100 Wechselwirkungen (Datenbank DDInter). Die Auswahl der ersten 20 enthält folgende Einträge:

  • Schwerwiegend (Major): Aprepitant, Clarithromycin, Dolasetron, Palonosetron, Cisapride, Granisetron, Levofloxacin
  • Moderat (Moderate): Famotidin, Loperamid, Bisacodyl, Picosulfat, Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten), Saxagliptin, Eliglustat, Linagliptin, Natriumsulfat, Rizinusöl, Glycerin, Lactitol, Lactulose

Auffällig sind mehrere Substanzen, die die QT-Zeit beeinflussen können (u. a. 5-HT3-Antagonisten, Cisaprid, Levofloxacin, Clarithromycin). Eine Kombination erfordert besondere Vorsicht.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold (für bulbäre Poliomyelitis)

Begründung:

  • Für die vorhergesagte Indikation fehlen Studien und Literatur, und es gibt keinen plausiblen biologischen Zusammenhang. Der hohe Score ist sehr wahrscheinlich ein Artefakt des TxGNN-Modells (Deep Learning).
  • Die AML/MDS-Untergruppen (strahlungs- bzw. alkylanzienassoziiert) sind als biomarkerabhängige Forschungsfragen innerhalb der bereits zugelassenen AML-Indikation einzuordnen.

Für ein Weiterkommen erforderlich:

  • Fachinformation (BfArM) mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen beschaffen und auswerten (blockierende Datenlücke für die Sicherheitsprüfung)
  • Daten zum Wirkmechanismus aus DrugBank ergänzen
  • Für die AML/MDS-Untergruppen: Literatur- und Studienrecherche zu IDH1-mutierten therapieassoziierten myeloischen Neoplasien

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.