Ketorolac
| Evidenzniveau: L1 | Vorhergesagte Indikationen: 3 |
Inhaltsverzeichnis
- Ketorolac
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Ketorolac: Von postoperativem Schmerz zu Kopfschmerzerkrankung (Headache Disorder)
- Zusammenfassung
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Literaturevidenz
- Informationen zum deutschen Markt
- Sicherheitsaspekte
- Weitere vorhergesagte Indikationen (zur Einordnung)
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Ketorolac: Von postoperativem Schmerz zu Kopfschmerzerkrankung (Headache Disorder)
Zusammenfassung
Ketorolac ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), das in Deutschland als Omidria zugelassen war, und zwar zur intraokularen Linsenimplantation und gegen postoperative Schmerzen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Kopfschmerzerkrankungen (Headache Disorder) wirksam sein könnte. Dafür liegen 17 klinische Studien und 19 Publikationen vor, darunter mehrere Leitlinien, systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Intraokulare Linsenimplantation; postoperativer Schmerz |
| Vorhergesagte neue Indikation | Kopfschmerzerkrankung (Headache Disorder) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9943 |
| Evidenzniveau | L1 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1) |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (gültig: 1) |
| Empfohlene Entscheidung | Mit Schutzmaßnahmen fortfahren (Proceed with Guardrails) |
Hinweis zum Evidenzniveau: Die Einstufung L1 folgt der in den Daten hinterlegten Bewertung. Die Studien sind überwiegend Phase-4- bzw. Phase-3-Studien mit kleinen Fallzahlen. Mehrere davon prüfen Kombinationen, bei denen die Wirkung nicht allein Ketorolac zugeschrieben werden kann.
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zu den Wirkmechanismen liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Auf Grundlage der bekannten Pharmakologie ist Ketorolac ein nicht selektiver COX-1/COX-2-Hemmer, der die Prostaglandinsynthese blockiert.
Prostaglandine tragen bei Migräne und Spannungskopfschmerz zu neurogener Entzündung, trigeminovaskulärer Sensibilisierung und Schmerzweiterleitung bei. Die analgetische Wirkung bei akutem Kopfschmerz ist daher mechanistisch gut nachvollziehbar. Auch der ursprüngliche Einsatz gegen postoperative Schmerzen beruht auf demselben prostaglandinvermittelten Schmerzweg.
Die Vorhersage wird zudem durch die klinische Praxis gestützt: Parenterales Ketorolac wird in Notaufnahmen bereits bei akuter Migräne und Spannungskopfschmerz eingesetzt.
Evidenz aus klinischen Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT01807234 | Phase 4 | Abgeschlossen | 72 | Ketorolac-Nasenspray vs. Sumatriptan-Nasenspray vs. Placebo bei akuter Migräne |
| NCT01596166 | Phase 4 | Abgeschlossen | 56 | Intravenöses Ketorolac plus Metoclopramid bei pädiatrischer Migräne in der Notaufnahme |
| NCT01011673 | Phase 4 | Abgeschlossen | 123 | Metoclopramid/Diphenhydramin vs. Ketorolac allein bei Spannungskopfschmerz |
| NCT01267864 | Phase 4 | Abgeschlossen | 330 | Intravenöses Valproat vs. Metoclopramid vs. Ketorolac bei akuter Migräne |
| NCT00483717 | Phase 2 | Abgeschlossen | 173 | Doppelblinde, placebokontrollierte Studie zu intranasalem Ketorolac bei akuter Migräne |
| NCT02358681 | Phase 3 | Abgeschlossen | 59 | Intranasales vs. intravenöses Ketorolac bei Migräne von Kindern (Nichtunterlegenheit) |
| NCT05641363 | Phase 3 | Abgeschlossen | 171 | Vergleich dreier Ketorolac-Dosen bei akutem Schmerz im Kindesalter |
| NCT03081416 | Phase 3 | Abgeschlossen | 80 | Intranasales Ketamin vs. Standardtherapie bei primären Kopfschmerzen in der Notaufnahme |
| NCT03221569 | Phase 4 | Unbekannt | 60 | Ketamin vs. Ketorolac bei Spannungskopfschmerz |
| NCT06083571 | Phase 2 | Abgebrochen | 41 | Intranasaler Migräne-Cocktail mit Ketorolac in der pädiatrischen Notaufnahme |
Weitere erfasste Studien (u. a. zurückgezogene Studien ohne Teilnehmer sowie Studien, in denen Ketorolac nur Begleittherapie ist) wurden wegen geringer Relevanz nicht aufgeführt.
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 35138658 | 2022 | Systematische Übersicht/Metaanalyse | Acad Emerg Med | Wirksamkeit von parenteralem Ketorolac bei akuter Migräneattacke |
| 37849443 | 2024 | Systematische Übersicht/Metaanalyse | Adv Clin Exp Med | Intravenöses Ketorolac vs. Metoclopramid bei erwachsenen Migränepatienten |
| 23298250 | 2013 | Systematische Übersicht | Headache | Wirksamkeit von parenteralem Ketorolac bei akuter Migräne; Evidenz teilweise widersprüchlich |
| 41321235 | 2026 | Leitlinie | Headache | Aktualisierung der AHS-Leitlinie 2025 zur parenteralen Akuttherapie der Migräne in der Notaufnahme |
| 25600718 | 2015 | Leitlinie/Evidenzbewertung | Headache | Evidenzbewertung der AHS zu Akuttherapien der Migräne |
| 32464520 | 2020 | Netzwerk-Metaanalyse | Clin Neurol Neurosurg | Medikamente bei akuter pädiatrischer Migräne im Vergleich |
| 24433525 | 2014 | Systematische Übersicht | Headache | Parenterale Behandlung des episodischen Spannungskopfschmerzes |
| 35670115 | 2022 | Randomisierte Studie | Headache | Metoclopramid allein vs. Kombination mit Ketorolac bei Migräne von Kindern in der Notaufnahme |
| 30783794 | 2019 | Randomisierte Studie | Neurol Sci | Intravenöses Dexamethason, Metoclopramid, Ketorolac und Chlorpromazin im Vergleich |
| 1514724 | 1992 | Randomisierte Studie | Ann Emerg Med | Intramuskuläres Ketorolac vs. Meperidin plus Hydroxyzin bei akuter Migräne |
Informationen zum deutschen Markt
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/003702 | Omidria | – | Intraokulare Linsenimplantation; postoperativer Schmerz (Status: gültig) |
Es besteht derzeit eine gültige Zulassung in Deutschland.
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen aus Wissensgraph (keine Packungsbeilagen-Angaben): Im TxGNN-Wissensgraphen sind u. a. folgende Erkrankungen als Kontraindikationen hinterlegt: aktives Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür, Lebererkrankung, eingeschränkte Nierenfunktion, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (einschließlich Myokardinfarkt und Schlaganfall), Blutgerinnungsstörungen/Hämophilie, Asthma, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Anämie und Syndrom des trockenen Auges.
- Arzneimittelwechselwirkungen: Für 100 Wechselwirkungen liegen Daten vor. Besonders relevant:
- Schwerwiegend (Major): Acetylsalicylsäure
- Mäßig (Moderate): Kortikosteroide (Dexamethason, Betamethason, Budesonid, Hydrocortison), Sulfonylharnstoffe (Glimepirid, Glipizid, Glyburid, Chlorpropamid, Acetohexamid), Exenatid, Kanamycin, Levofloxacin, Balsalazid, Fenfluramin/Dexfenfluramin
- Gering (Minor): Famotidin, Ranitidin, Cimetidin, Linaclotid
- Hinweis aus der Literatur: Ein Fallbericht beschreibt eine Lithiumintoxikation bei gleichzeitiger Gabe von Ketorolac.
Für Warnhinweise und Kontraindikationen gemäß Fachinformation: Bitte die Packungsbeilage bzw. Fachinformation beachten.
Weitere vorhergesagte Indikationen (zur Einordnung)
- Rosazea-Konjunktivitis (TxGNN 0,9940): Nur Modellvorhersage, keine Studien oder Literatur (L5) – Entscheidung: Hold.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Mit Schutzmaßnahmen fortfahren (Proceed with Guardrails)
Begründung: Für Kopfschmerzerkrankungen, insbesondere akute Migräne, liegen mehrere abgeschlossene Studien der Phasen 2–4 sowie systematische Übersichten und Leitlinien vor. Das Sicherheitsprofil von Ketorolac (Magen-Darm-, Nieren- und kardiovaskuläre Risiken) erfordert jedoch klare Schutzmaßnahmen.
Für das weitere Vorgehen sind erforderlich:
- Fachinformation (Warnhinweise und Kontraindikationen) aus BfArM-Quellen beschaffen; diese Sicherheitsprüfung ist derzeit blockiert
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank ergänzen
- Klärung des Zulassungswegs
- Prüfung der Applikationswege (parenteral/intranasal), da die Zulassungsdaten keine Darreichungsform enthalten
- Sicherheitsüberwachungsplan für Risikogruppen (Magen-Darm-Geschwüre, Nieren-, Herz-Kreislauf- und Blutungsrisiko) sowie Beachtung der Wechselwirkungen, insbesondere mit Acetylsalicylsäure
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.