Ketorolac

Evidenzniveau: L1 Vorhergesagte Indikationen: 3

Inhaltsverzeichnis

  1. Ketorolac
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Ketorolac: Von postoperativem Schmerz zu Kopfschmerzerkrankung (Headache Disorder)
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Informationen zum deutschen Markt
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Weitere vorhergesagte Indikationen (zur Einordnung)
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Ketorolac: Von postoperativem Schmerz zu Kopfschmerzerkrankung (Headache Disorder)

Zusammenfassung

Ketorolac ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), das in Deutschland als Omidria zugelassen war, und zwar zur intraokularen Linsenimplantation und gegen postoperative Schmerzen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Kopfschmerzerkrankungen (Headache Disorder) wirksam sein könnte. Dafür liegen 17 klinische Studien und 19 Publikationen vor, darunter mehrere Leitlinien, systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen.

Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Intraokulare Linsenimplantation; postoperativer Schmerz
Vorhergesagte neue Indikation Kopfschmerzerkrankung (Headache Disorder)
TxGNN-Vorhersagewert 0,9943
Evidenzniveau L1
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Mit Schutzmaßnahmen fortfahren (Proceed with Guardrails)

Hinweis zum Evidenzniveau: Die Einstufung L1 folgt der in den Daten hinterlegten Bewertung. Die Studien sind überwiegend Phase-4- bzw. Phase-3-Studien mit kleinen Fallzahlen. Mehrere davon prüfen Kombinationen, bei denen die Wirkung nicht allein Ketorolac zugeschrieben werden kann.

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zu den Wirkmechanismen liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Auf Grundlage der bekannten Pharmakologie ist Ketorolac ein nicht selektiver COX-1/COX-2-Hemmer, der die Prostaglandinsynthese blockiert.

Prostaglandine tragen bei Migräne und Spannungskopfschmerz zu neurogener Entzündung, trigeminovaskulärer Sensibilisierung und Schmerzweiterleitung bei. Die analgetische Wirkung bei akutem Kopfschmerz ist daher mechanistisch gut nachvollziehbar. Auch der ursprüngliche Einsatz gegen postoperative Schmerzen beruht auf demselben prostaglandinvermittelten Schmerzweg.

Die Vorhersage wird zudem durch die klinische Praxis gestützt: Parenterales Ketorolac wird in Notaufnahmen bereits bei akuter Migräne und Spannungskopfschmerz eingesetzt.

Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Kernaussagen
NCT01807234 Phase 4 Abgeschlossen 72 Ketorolac-Nasenspray vs. Sumatriptan-Nasenspray vs. Placebo bei akuter Migräne
NCT01596166 Phase 4 Abgeschlossen 56 Intravenöses Ketorolac plus Metoclopramid bei pädiatrischer Migräne in der Notaufnahme
NCT01011673 Phase 4 Abgeschlossen 123 Metoclopramid/Diphenhydramin vs. Ketorolac allein bei Spannungskopfschmerz
NCT01267864 Phase 4 Abgeschlossen 330 Intravenöses Valproat vs. Metoclopramid vs. Ketorolac bei akuter Migräne
NCT00483717 Phase 2 Abgeschlossen 173 Doppelblinde, placebokontrollierte Studie zu intranasalem Ketorolac bei akuter Migräne
NCT02358681 Phase 3 Abgeschlossen 59 Intranasales vs. intravenöses Ketorolac bei Migräne von Kindern (Nichtunterlegenheit)
NCT05641363 Phase 3 Abgeschlossen 171 Vergleich dreier Ketorolac-Dosen bei akutem Schmerz im Kindesalter
NCT03081416 Phase 3 Abgeschlossen 80 Intranasales Ketamin vs. Standardtherapie bei primären Kopfschmerzen in der Notaufnahme
NCT03221569 Phase 4 Unbekannt 60 Ketamin vs. Ketorolac bei Spannungskopfschmerz
NCT06083571 Phase 2 Abgebrochen 41 Intranasaler Migräne-Cocktail mit Ketorolac in der pädiatrischen Notaufnahme

Weitere erfasste Studien (u. a. zurückgezogene Studien ohne Teilnehmer sowie Studien, in denen Ketorolac nur Begleittherapie ist) wurden wegen geringer Relevanz nicht aufgeführt.

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
35138658 2022 Systematische Übersicht/Metaanalyse Acad Emerg Med Wirksamkeit von parenteralem Ketorolac bei akuter Migräneattacke
37849443 2024 Systematische Übersicht/Metaanalyse Adv Clin Exp Med Intravenöses Ketorolac vs. Metoclopramid bei erwachsenen Migränepatienten
23298250 2013 Systematische Übersicht Headache Wirksamkeit von parenteralem Ketorolac bei akuter Migräne; Evidenz teilweise widersprüchlich
41321235 2026 Leitlinie Headache Aktualisierung der AHS-Leitlinie 2025 zur parenteralen Akuttherapie der Migräne in der Notaufnahme
25600718 2015 Leitlinie/Evidenzbewertung Headache Evidenzbewertung der AHS zu Akuttherapien der Migräne
32464520 2020 Netzwerk-Metaanalyse Clin Neurol Neurosurg Medikamente bei akuter pädiatrischer Migräne im Vergleich
24433525 2014 Systematische Übersicht Headache Parenterale Behandlung des episodischen Spannungskopfschmerzes
35670115 2022 Randomisierte Studie Headache Metoclopramid allein vs. Kombination mit Ketorolac bei Migräne von Kindern in der Notaufnahme
30783794 2019 Randomisierte Studie Neurol Sci Intravenöses Dexamethason, Metoclopramid, Ketorolac und Chlorpromazin im Vergleich
1514724 1992 Randomisierte Studie Ann Emerg Med Intramuskuläres Ketorolac vs. Meperidin plus Hydroxyzin bei akuter Migräne

Informationen zum deutschen Markt

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/003702 Omidria – Intraokulare Linsenimplantation; postoperativer Schmerz (Status: gültig)

Es besteht derzeit eine gültige Zulassung in Deutschland.

Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen aus Wissensgraph (keine Packungsbeilagen-Angaben): Im TxGNN-Wissensgraphen sind u. a. folgende Erkrankungen als Kontraindikationen hinterlegt: aktives Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür, Lebererkrankung, eingeschränkte Nierenfunktion, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (einschließlich Myokardinfarkt und Schlaganfall), Blutgerinnungsstörungen/Hämophilie, Asthma, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Anämie und Syndrom des trockenen Auges.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Für 100 Wechselwirkungen liegen Daten vor. Besonders relevant:
    • Schwerwiegend (Major): Acetylsalicylsäure
    • Mäßig (Moderate): Kortikosteroide (Dexamethason, Betamethason, Budesonid, Hydrocortison), Sulfonylharnstoffe (Glimepirid, Glipizid, Glyburid, Chlorpropamid, Acetohexamid), Exenatid, Kanamycin, Levofloxacin, Balsalazid, Fenfluramin/Dexfenfluramin
    • Gering (Minor): Famotidin, Ranitidin, Cimetidin, Linaclotid
  • Hinweis aus der Literatur: Ein Fallbericht beschreibt eine Lithiumintoxikation bei gleichzeitiger Gabe von Ketorolac.

Für Warnhinweise und Kontraindikationen gemäß Fachinformation: Bitte die Packungsbeilage bzw. Fachinformation beachten.

Weitere vorhergesagte Indikationen (zur Einordnung)

  • Rosazea-Konjunktivitis (TxGNN 0,9940): Nur Modellvorhersage, keine Studien oder Literatur (L5) – Entscheidung: Hold.

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Mit Schutzmaßnahmen fortfahren (Proceed with Guardrails)

Begründung: Für Kopfschmerzerkrankungen, insbesondere akute Migräne, liegen mehrere abgeschlossene Studien der Phasen 2–4 sowie systematische Übersichten und Leitlinien vor. Das Sicherheitsprofil von Ketorolac (Magen-Darm-, Nieren- und kardiovaskuläre Risiken) erfordert jedoch klare Schutzmaßnahmen.

Für das weitere Vorgehen sind erforderlich:

  • Fachinformation (Warnhinweise und Kontraindikationen) aus BfArM-Quellen beschaffen; diese Sicherheitsprüfung ist derzeit blockiert
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank ergänzen
  • Klärung des Zulassungswegs
  • Prüfung der Applikationswege (parenteral/intranasal), da die Zulassungsdaten keine Darreichungsform enthalten
  • Sicherheitsüberwachungsplan für Risikogruppen (Magen-Darm-Geschwüre, Nieren-, Herz-Kreislauf- und Blutungsrisiko) sowie Beachtung der Wechselwirkungen, insbesondere mit Acetylsalicylsäure

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.