Lamivudine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 5

Inhaltsverzeichnis

  1. Lamivudine
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Lamivudin: Nukleosidanaloger Reverse-Transkriptase-Hemmer → Feline erworbene Immunschwäche (feline acquired immunodeficiency syndrome)
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Sicherheitsaspekte
    9. Fazit und nächste Schritte
    10. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Lamivudin: Nukleosidanaloger Reverse-Transkriptase-Hemmer → Feline erworbene Immunschwäche (feline acquired immunodeficiency syndrome)

Zusammenfassung

Lamivudin ist ein Nukleosidanaloger Hemmer der Reverse Transkriptase. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei der felinen erworbenen Immunschwäche (feline acquired immunodeficiency syndrome) voraus. Dafür liegen keine klinischen Studien und 3 Publikationen vor, die sich auf Katzen und Zellkulturen beziehen. Es handelt sich um tiermedizinische Daten, nicht um eine neue Indikation beim Menschen.

Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Hepatitis B, Chronic; HIV Infections
Vorhergesagte neue Indikation Feline erworbene Immunschwäche (feline acquired immunodeficiency syndrome)
TxGNN-Vorhersagewert 0,9993
Evidenzstufe L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 10 von 10)
Anzahl der Zulassungen 10 (gültig: 10)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zur detaillierten Wirkungsweise liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Bekannt ist, dass Lamivudin ein Nukleosidanaloger Hemmer der Reverse Transkriptase (NRTI) ist, der an der Reverse Transkriptase von HIV-1 und an der Polymerase des Hepatitis-B-Virus angreift.

Das Felines Immundefizienzvirus (FIV) ist wie HIV ein Lentivirus mit einer verwandten Reverse Transkriptase. Eine mechanistische Begründung ist daher nachvollziehbar. Die vorliegende Literatur untersucht antiretrovirale Kombinationen, darunter Zidovudin mit Lamivudin, bei natürlich infizierten Katzen sowie in der Zellkultur.

Die Vorhersage ist eher eine Ausdehnung des bekannten antiviralen Klasseneffekts als ein echtes Repurposing für eine neue menschliche Erkrankung. Keine der angeführten Arbeiten untersucht die Erkrankung beim Menschen. Die Evidenz wird deshalb mit L5 eingestuft: Es gibt keine klinische Studie, und die drei Arbeiten sind Kohortenstudien an Katzen bzw. eine Zellkulturstudie, keine Studien am Menschen.

Klinische Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
22816032 2012 Kohortenstudie Viruses Vergleich antiretroviraler Protokolle (Zidovudin allein, mit Interferon-α, mit Lamivudin, mit Valproinsäure) bei natürlich FIV-infizierten Katzen in später asymptomatischer Phase; Nachbeobachtung über ein Jahr
25855689 2016 Kohortenstudie Journal of Feline Medicine and Surgery Langzeit-Nachbeobachtung antiretroviraler Therapie über 5–6 Jahre bei FIV-infizierten Katzen
11684314 2002 Präklinisch/Tier Antiviral Research Kombination aus Zidovudin, Lamivudin und Abacavir hemmt die FIV-Replikation in vitro

Sicherheitsaspekte

Hinweise aus der Arzneimittel-Interaktionsabfrage (Einstufung „moderat"): Lactitol, Mannitol, Naltrexon, Orlistat und Sorbitol. Weitere Wechselwirkungen (u. a. Metformin, Cimetidin, Omeprazol, Pantoprazol, Vancomycin) sind ohne Schweregrad erfasst.

Für folgende Erkrankungen liegen Kontraindikations-Hinweise in den Daten vor: Leberversagen, Nierenerkrankung, Pankreatitis, Lebererkrankung, Neutropenie, Agranulozytose, Anämie, Myopathie, Myositis, Laktatazidose und Fettlebererkrankung. Diese stammen nicht aus dem Beipackzettel und sind anhand der Fachinformation zu prüfen.

Im Übrigen bitte die Packungsbeilage zu den Sicherheitsinformationen beachten.

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage für die feline erworbene Immunschwäche stützt sich auf tiermedizinische Kohortenstudien und eine Zellkulturstudie, ohne klinische Studien und ohne Bezug zu einer neuen menschlichen Erkrankung. Der hohe Vorhersagewert spiegelt vor allem die bekannte antiretrovirale Klassenwirkung wider.

Für ein Weiterkommen wird benötigt:

  • Klärung, ob eine veterinärmedizinische Fragestellung überhaupt im Entwicklungsrahmen liegt
  • Daten zur Wirkungsweise (Mechanismus) aus DrugBank
  • Warnhinweise und Gegenanzeigen aus den Fachinformationen der Zulassungsbehörde (BfArM)

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.