Maraviroc

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Maraviroc
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Maraviroc: Multiple endokrine Neoplasie
    3. Zusammenfassung
    4. Kurzübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Informationen zum Markt in Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Maraviroc: Multiple endokrine Neoplasie

Zusammenfassung

Maraviroc ist ein CCR5-Antagonist, der ursprünglich zur Behandlung von HIV-Infektionen zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei multipler endokriner Neoplasie wirksam sein könnte. Für diese Vorhersage liegen jedoch keine klinischen Studien und keine Publikationen vor; sie beruht ausschließlich auf einer Modellberechnung.

Kurzübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation HIV-Infektionen
Vorhergesagte neue Indikation Multiple endokrine Neoplasie
TxGNN-Vorhersagewert 0,9982
Evidenzniveau L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Maraviroc den Chemokinrezeptor CCR5 blockiert, was seine Wirkung bei HIV erklärt. Für eine Rolle von CCR5 in der Pathogenese der multiplen endokrinen Neoplasie gibt es in den vorliegenden Daten keinen Beleg.

Zwischen der ursprünglichen Indikation (Virusinfektion) und der vorhergesagten Indikation (hereditäre endokrine Tumorerkrankung) besteht keine erkennbare mechanistische Verbindung. Der sehr hohe Modellwert (0,9982) ist daher mit Vorsicht zu interpretieren: Er ist ein rein rechnerisches Ergebnis ohne experimentelle oder klinische Bestätigung.

Weitere vorhergesagte Indikationen (zur Einordnung):

Rang Erkrankung TxGNN-Wert Evidenz Anmerkung
2 Akne 0,9976 L5 Spekulativ (CCR5-vermittelte Entzündung), keine Belege
3 Primäres kutanes T-Zell-Lymphom 0,9972 L5 Plausible Rolle von Chemokinrezeptoren beim T-Zell-Homing; nur ein allgemeiner Übersichtsartikel
4 Pädiatrischer systemischer Lupus erythematodes 0,9971 L5 Nur Modellvorhersage
5 Primäres kutanes T-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom 0,9950 L5 Gleiche Evidenz wie Rang 3
6 Primäres kutanes B-Zell-Lymphom 0,9938 L5 Nur Modellvorhersage
7 Candidiasis 0,9928 L5 Kein antimykotischer Mechanismus erkennbar
8 Komplement-C4A-Mangel 0,9924 L5 Kein plausibler Mechanismus
9 Zytomegalievirus-Infektion 0,9923 L5 Nur indirekte Evidenz aus einer HIV-Kohortenstudie
10 HER2-positives Mammakarzinom 0,9922 L4 Präklinischer Hinweis: CCL5/CCR5 und Trastuzumab-Resistenz

Am plausibelsten erscheint mechanistisch das HER2-positive Mammakarzinom: Eine präklinische Studie zeigt, dass autokrines CCL5 über den ERK-Signalweg zur Trastuzumab-Resistenz beiträgt. Da CCL5 über CCR5 signalisiert, wäre eine CCR5-Blockade durch Maraviroc denkbar. Klinische Wirksamkeit ist damit nicht belegt.

Klinische Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.

Literaturevidenz

Für die Hauptvorhersage (multiple endokrine Neoplasie) liegt keine Literatur vor. Für die weiteren Vorhersagen gibt es nur wenige, überwiegend indirekte Publikationen:

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
32404410 2020 Präklinische/mechanistische Studie Molecular Cancer Therapeutics Autokrines CCL5 vermittelt Trastuzumab-Resistenz über ERK-Aktivierung beim HER2-positiven Mammakarzinom (relevant für Rang 10)
37006247 2023 Review Frontiers in Immunology Übersicht zur Zielstruktur ACKR1 bei Krebs und anderen Erkrankungen; kein maravirocspezifischer Beleg (Rang 3 und 5)
25397464 2014 Kohortenstudie Journal of the International AIDS Society Angeborene Immunität und lösliche Marker bei HIV-Patienten unter ART; nur indirekte Evidenz (Rang 9)
21671545 2011 Review American Family Physician Häufige Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie; keine Evidenz für Maraviroc bei Candidiasis (Rang 7)

Informationen zum Markt in Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000811 Celsentri – HIV-Infektionen

Die einzige Zulassung (ViiV Healthcare B.V.) ist gültig; das Arzneimittel ist derzeit im Verkehr.

Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (nicht aus dem Beipackzettel): Im TxGNN-Wissensgraphen (PrimeKG) sind unter anderem folgende Erkrankungen als Kontraindikationen hinterlegt: Multisystematrophie, posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, orthostatische Hypotonie, Nierenerkrankung (einschließlich chronischer Niereninsuffizienz und terminalem Nierenversagen), Lebererkrankung (einschließlich arzneimittelinduzierter Leberschädigung), Gallenblasenerkrankung, chronische Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Infektion, koronare Herzkrankheit, Myokardinfarkt, Myokardischämie, Koronarthrombose, Hämoglobinopathie sowie Pyoureter und Infektionskrankheiten.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 93 Wechselwirkungen identifiziert. Als schwerwiegend (Major) gilt die Kombination mit Clarithromycin. Beispiele für Wechselwirkungen mit mittlerem (Moderate) Schweregrad: Aprepitant, Dexamethason, Cimetidin, Eliglustat, Naltrexon, Mannitol, Clotrimazol, Miconazol, Papaverin, Rolapitant, Troglitazon, Cobicistat, Deferasirox, Diazoxid, Phentolamin, Promethazin, Amylnitrit, Epoprostenol und Fostamatinib.

Angaben aus der Fachinformation zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen liegen nicht vor. Bitte die Fachinformation ergänzend heranziehen.

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage für die multiple endokrine Neoplasie beruht ausschließlich auf einem Modellwert (Evidenzniveau L5), ohne Studien, Literatur oder erkennbaren Mechanismus. Zwar ist das Arzneimittel in Deutschland mit einer gültigen Zulassung (1 von 1) im Verkehr, die Sicherheitsdaten der Fachinformation fehlen jedoch. Das HER2-positive Mammakarzinom könnte als Forschungsfrage weiterverfolgt werden (präklinische Hinweise, L4).

Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:

  • Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) beschaffen und auswerten, da die Sicherheitsprüfung sonst nicht fortgesetzt werden kann
  • Daten zum Wirkmechanismus ergänzen (z. B. aus DrugBank)
  • Prüfung einer mechanistischen Verbindung zwischen CCR5 und multipler endokriner Neoplasie in der Literatur
  • Für das HER2-positive Mammakarzinom: weitere präklinische Studien zur CCR5-Blockade bei Trastuzumab-Resistenz
  • Klärung der regulatorischen Situation

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.