Midazolam

Evidenzniveau: L3 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Midazolam
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Midazolam: Von Epilepsie zu Insomnie
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Evidenz aus der Literatur
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Midazolam: Von Epilepsie zu Insomnie

Zusammenfassung in einem Satz

Midazolam ist ein kurzwirksames Benzodiazepin, das in Deutschland (als Buccolam) zur Behandlung von Epilepsie zugelassen war. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Insomnie wirksam sein könnte. Die Datenlage umfasst 2 klinische Studien (beide nur indirekt relevant) und 10 Publikationen, von denen einige ältere Studien zu Schlafstörungen direkt mit Midazolam durchgeführt wurden.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Epilepsie
Vorhergesagte neue Indikation Insomnie
TxGNN-Vorhersagewert 0,9974
Evidenzstufe L3
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Detaillierte Mechanismusdaten (MOA) liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit nicht vor. Nach bekanntem Klassenwissen moduliert Midazolam als Benzodiazepin den GABA-A-Rezeptor positiv und verstärkt so die inhibitorische Neurotransmission. Dieser Mechanismus erklärt sowohl die antikonvulsive Wirkung bei Epilepsie als auch sedativ-hypnotische Effekte.

Dieselbe Wirkung teilen zugelassene Benzodiazepin-Schlafmittel wie Flurazepam oder Triazolam. Eine schlaffördernde Wirkung ist daher biologisch plausibel. Orales Midazolam wurde zudem historisch in einigen Märkten als Hypnotikum untersucht und eingesetzt. Der hohe TxGNN-Wert ist eine rechnerische Vorhersage und kein klinischer Beleg.


Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Zentrale Ergebnisse
NCT02142595 Phase 4 Abgeschlossen 111 Vergleich der postoperativen Schlafqualität nach Sedierung mit Dexmedetomidin vs. Midazolam bei transurethraler Prostataresektion; indirekte Evidenz (perioperative Sedierung, keine chronische Insomnie)
NCT00886314 Nicht zutreffend Unbekannt 80 Clown-Doktoren vs. sedierende Prämedikation bei Kindern vor Operationen; betrifft präoperative Angst, kaum Bezug zu Insomnie

Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Journal Zentrale Ergebnisse
2121802 1990 RCT J Clin Psychopharmacol Randomisierte Doppelblindstudie zu Schlaf, Leistung und Plasmaspiegeln bei chronischer Insomnie unter 14-tägiger Gabe von Flurazepam und Midazolam
2229461 1990 Multizentrische Studie J Clin Psychopharmacol Zusammenfassung der multizentrischen Studie bei chronischer Insomnie (Flurazepam vs. Midazolam)
6138072 1983 Klinische Studie (doppelblind) Br J Clin Pharmacol Midazolam 15 mg vs. Vesparax bei 30 Patientinnen mit Insomnie infolge neuromuskulärer Erkrankung; beide wirksam, Midazolam besser verträglich und ohne Überhang am Folgetag
6120704 1981 Dosisfindungsstudie Arzneimittel-Forschung Orales Midazolam 10–30 mg bei 75 stationären Patienten mit leichter bis mittelschwerer Insomnie
2883820 1986 Review Acta Psychiatr Scand Suppl Übersicht zum klinischen Einsatz von Hypnotika und zur Notwendigkeit verschiedener Präparate
17988972 2007 Review Orv Hetil Übersicht zu Insomnie und zerebraler Minderperfusion; kein direkter Midazolam-Bezug
36615100 2022 Klinische Pilotstudie J Clin Med Lemborexant bei Insomnie und Delir-Prävention nach Endoskopie unter Sedierung; Midazolam nicht im Fokus

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/002267 Buccolam – Epilepsie

Das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel; 1 von 1 Zulassung ist gültig.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (nicht aus dem Beipackzettel): chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Leberzirrhose, Engwinkelglaukom, chronische Nierenerkrankung bzw. Nierenversagen im Endstadium.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen wurden erfasst; die ersten 20 liegen vor.
    • Mäßig: u. a. Ranitidin, Bupropion, Aprepitant, Morphin, Omeprazol, Cimetidin, Clarithromycin, Dronabinol, Eluxadolin, Teduglutid, Nabilon, Metoclopramid, Miconazol, Clotrimazol, Glycerolphenylbutyrat
    • Gering: Dexamethason, Betamethason, Magnesiumoxid, Aluminiumhydroxid, Calciumcarbonat

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen laut Fachinformation siehe bitte den Beipackzettel.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage ist biologisch plausibel, und ältere Studien (1980er–1990 Jahre) zeigen Wirksamkeit von Midazolam bei Schlafstörungen. Es fehlen jedoch aktuelle Phase-3-Studien, die klinischen Studien sind nur indirekt relevant, und die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation sind unvollständig. In Deutschland ist das Arzneimittel im Handel, 1 von 1 Zulassung ist gültig.

Für ein Weiterkommen ist Folgendes erforderlich:

  • Beschaffung und Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) von der BfArM-Website, da dies die Sicherheitsprüfung derzeit blockiert
  • Ergänzung der Mechanismusdaten (MOA) aus DrugBank
  • Prüfung, ob angesichts bereits zugelassener Alternativen (z. B. andere Benzodiazepine oder Z-Substanzen) ein Bedarf und eine regulatorische Perspektive bestehen
  • Bewertung der Kontraindikationen (COPD, Leberzirrhose, Glaukom, Niereninsuffizienz) und des Abhängigkeitsrisikos für eine Dauerbehandlung der Insomnie
  • Klärung der Darreichungsform und des Anwendungswegs (Datenlage zur Route-Kompatibilität steht aus)

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.