Midazolam
| Evidenzniveau: L3 | Vorhergesagte Indikationen: 1 |
Inhaltsverzeichnis
- Midazolam
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Midazolam: Von Epilepsie zu Insomnie
- Zusammenfassung in einem Satz
- Kurzüberblick
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Evidenz aus klinischen Studien
- Evidenz aus der Literatur
- Marktinformationen Deutschland
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Haftungsausschluss
Midazolam: Von Epilepsie zu Insomnie
Zusammenfassung in einem Satz
Midazolam ist ein kurzwirksames Benzodiazepin, das in Deutschland (als Buccolam) zur Behandlung von Epilepsie zugelassen war. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei Insomnie wirksam sein könnte. Die Datenlage umfasst 2 klinische Studien (beide nur indirekt relevant) und 10 Publikationen, von denen einige ältere Studien zu Schlafstörungen direkt mit Midazolam durchgeführt wurden.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Epilepsie |
| Vorhergesagte neue Indikation | Insomnie |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0,9974 |
| Evidenzstufe | L3 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1) |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (gültig: 1) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Detaillierte Mechanismusdaten (MOA) liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten derzeit nicht vor. Nach bekanntem Klassenwissen moduliert Midazolam als Benzodiazepin den GABA-A-Rezeptor positiv und verstärkt so die inhibitorische Neurotransmission. Dieser Mechanismus erklärt sowohl die antikonvulsive Wirkung bei Epilepsie als auch sedativ-hypnotische Effekte.
Dieselbe Wirkung teilen zugelassene Benzodiazepin-Schlafmittel wie Flurazepam oder Triazolam. Eine schlaffördernde Wirkung ist daher biologisch plausibel. Orales Midazolam wurde zudem historisch in einigen Märkten als Hypnotikum untersucht und eingesetzt. Der hohe TxGNN-Wert ist eine rechnerische Vorhersage und kein klinischer Beleg.
Evidenz aus klinischen Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT02142595 | Phase 4 | Abgeschlossen | 111 | Vergleich der postoperativen Schlafqualität nach Sedierung mit Dexmedetomidin vs. Midazolam bei transurethraler Prostataresektion; indirekte Evidenz (perioperative Sedierung, keine chronische Insomnie) |
| NCT00886314 | Nicht zutreffend | Unbekannt | 80 | Clown-Doktoren vs. sedierende Prämedikation bei Kindern vor Operationen; betrifft präoperative Angst, kaum Bezug zu Insomnie |
Evidenz aus der Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 2121802 | 1990 | RCT | J Clin Psychopharmacol | Randomisierte Doppelblindstudie zu Schlaf, Leistung und Plasmaspiegeln bei chronischer Insomnie unter 14-tägiger Gabe von Flurazepam und Midazolam |
| 2229461 | 1990 | Multizentrische Studie | J Clin Psychopharmacol | Zusammenfassung der multizentrischen Studie bei chronischer Insomnie (Flurazepam vs. Midazolam) |
| 6138072 | 1983 | Klinische Studie (doppelblind) | Br J Clin Pharmacol | Midazolam 15 mg vs. Vesparax bei 30 Patientinnen mit Insomnie infolge neuromuskulärer Erkrankung; beide wirksam, Midazolam besser verträglich und ohne Überhang am Folgetag |
| 6120704 | 1981 | Dosisfindungsstudie | Arzneimittel-Forschung | Orales Midazolam 10–30 mg bei 75 stationären Patienten mit leichter bis mittelschwerer Insomnie |
| 2883820 | 1986 | Review | Acta Psychiatr Scand Suppl | Übersicht zum klinischen Einsatz von Hypnotika und zur Notwendigkeit verschiedener Präparate |
| 17988972 | 2007 | Review | Orv Hetil | Übersicht zu Insomnie und zerebraler Minderperfusion; kein direkter Midazolam-Bezug |
| 36615100 | 2022 | Klinische Pilotstudie | J Clin Med | Lemborexant bei Insomnie und Delir-Prävention nach Endoskopie unter Sedierung; Midazolam nicht im Fokus |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/002267 | Buccolam | – | Epilepsie |
Das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel; 1 von 1 Zulassung ist gültig.
Sicherheitsaspekte
- Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (nicht aus dem Beipackzettel): chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Leberzirrhose, Engwinkelglaukom, chronische Nierenerkrankung bzw. Nierenversagen im Endstadium.
- Arzneimittelwechselwirkungen: 100 Wechselwirkungen wurden erfasst; die ersten 20 liegen vor.
- Mäßig: u. a. Ranitidin, Bupropion, Aprepitant, Morphin, Omeprazol, Cimetidin, Clarithromycin, Dronabinol, Eluxadolin, Teduglutid, Nabilon, Metoclopramid, Miconazol, Clotrimazol, Glycerolphenylbutyrat
- Gering: Dexamethason, Betamethason, Magnesiumoxid, Aluminiumhydroxid, Calciumcarbonat
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen laut Fachinformation siehe bitte den Beipackzettel.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage ist biologisch plausibel, und ältere Studien (1980er–1990 Jahre) zeigen Wirksamkeit von Midazolam bei Schlafstörungen. Es fehlen jedoch aktuelle Phase-3-Studien, die klinischen Studien sind nur indirekt relevant, und die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation sind unvollständig. In Deutschland ist das Arzneimittel im Handel, 1 von 1 Zulassung ist gültig.
Für ein Weiterkommen ist Folgendes erforderlich:
- Beschaffung und Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) von der BfArM-Website, da dies die Sicherheitsprüfung derzeit blockiert
- Ergänzung der Mechanismusdaten (MOA) aus DrugBank
- Prüfung, ob angesichts bereits zugelassener Alternativen (z. B. andere Benzodiazepine oder Z-Substanzen) ein Bedarf und eine regulatorische Perspektive bestehen
- Bewertung der Kontraindikationen (COPD, Leberzirrhose, Glaukom, Niereninsuffizienz) und des Abhängigkeitsrisikos für eine Dauerbehandlung der Insomnie
- Klärung der Darreichungsform und des Anwendungswegs (Datenlage zur Route-Kompatibilität steht aus)
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.