Niraparib

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Niraparib
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Niraparib: Epiglottis neoplasm
    3. Zusammenfassung
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studienevidenz
    7. Literaturevidenz
    8. Informationen zum deutschen Markt
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Niraparib: Epiglottis neoplasm

Zusammenfassung

Niraparib ist ein PARP-Inhibitor, der ursprünglich zur Behandlung von Tuben-, Peritoneal- und Ovarialkarzinomen sowie (in Kombination, als Akeega) des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei zystischer Neoplasie (Cystic Neoplasm) wirksam sein könnte. Die Evidenz dafür stützt sich auf 3 klinische Studien (davon nur eine laufende Phase-2-Studie mit relevanten Daten) und 10 Publikationen, die überwiegend das Ovarial- und Endometriumkarzinom betreffen.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Fallopian Tube Neoplasms;Peritoneal Neoplasms;Ovarian Neoplasms; Prostatic Neoplasms, Castration-Resistant
Vorhergesagte neue Indikation Epiglottis neoplasm
TxGNN-Vorhersagewert 0.9999
Evidenzgrad L5 (vorläufig)
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2)
Anzahl der Zulassungen 2 (gültig: 2)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Für diesen Wirkstoff liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben zum Wirkmechanismus vor. Bekannt ist, dass Niraparib PARP1/2 hemmt und in Tumoren mit Defekten der homologen Rekombination (HRD) eine synthetische Letalität auslöst. Die Wirksamkeit bei Ovarialkarzinomen ist belegt.

Die Bezeichnung „zystische Neoplasie“ ist ein breiter Ontologiebegriff. Die zugeordnete Evidenz bezieht sich hauptsächlich auf seröse Ovarial- und Endometriumkarzinome, die den ursprünglichen Indikationen stark ähneln. Der Treffer ist daher teilweise ein Ontologie-Artefakt und kein klar abgegrenztes Repurposing-Signal. Die plausibelste Evidenz für eine neue Indikation ist die Phase-2-Studie zum serösen Endometriumkarzinom, das molekular dem hochgradig serösen Ovarialkarzinom ähnelt (Chromosomeninstabilität, Kopienzahlveränderungen, somatische Mutationen).

Die übrigen Top-10-Vorhersagen (z. B. Epiglottis-Neoplasie, gutartige Neoplasien von Zunge und Mundboden, Schwannom des Foramen jugulare) haben nur Modellgrundlage (L5), ohne Studien oder Literatur, und teils ohne mechanistische Begründung.


Klinische Studienevidenz

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Wichtigste Erkenntnisse
NCT04716686 Phase 2 Rekrutierend 83 Niraparib-Monotherapie als Erhaltungs- und Rezidivtherapie beim serösen Endometriumkarzinom; Ergebnisse liegen noch nicht vor
NCT04159155 Phase 2/3 Abgebrochen 11 Multi-Arm-Studie zur Erstlinien- und Erhaltungstherapie bei serösem/p53-mutiertem Endometriumkarzinom; wegen sehr geringer Teilnehmerzahl nicht aussagekräftig
NCT05289648 Frühe Phase 1 Zurückgezogen 0 Präoperatives Niraparib bei hochgradigem Endometriumkarzinom; keine Teilnehmer, keine Evidenz

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Wichtigste Erkenntnisse
40473279 2025 Studienprotokoll (Phase 2) BMJ Open Niraparib-Erhaltungstherapie beim fortgeschrittenen oder rezidivierenden uterinen serösen Karzinom
41323499 2025 Genomprofilierung Pathology Oncology Research HRD-Profilierung (FoundationOne CDx) zur Steuerung der PARP-Inhibitor-Therapie beim hochgradig serösen Ovarialkarzinom
42442041 2026 Real-World-Kohorte Gynecologic Oncology HRD-Testung bei BRCA1/2-Wildtyp-HGSC; MYC-Amplifikation als möglicher Surrogatmarker
42157333 2026 Retrospektive Kohorte Clinical Epigenetics Nomogramm auf Basis der HRR-Genpromotor-Methylierung zur Vorhersage des PARPi-Ansprechens
31466953 2019 Fallbericht BMJ Case Reports Niraparib-Erhaltungstherapie bei Ovarialkarzinom mit Hirnmetastasen
34321239 2021 Präklinisch Cancer Research Verlust der RAD51C-Promotormethylierung verursacht PARPi-Resistenz beim HGSC
41520277 2026 Präklinisch Cancer Biology & Therapy Carboplatin plus PARPi in HGSC-Sphäroiden und -Organoiden
41465250 2025 Präklinisch Int J Mol Sci Proteomanalyse der polypharmakologischen Effekte von PARP-Inhibitoren
41214101 2025 Präklinisch Scientific Reports Claudin-4 als Regulator von Genomstabilität und Immunevasion beim HGSC
40702505 2025 Bioinformatik J Ovarian Research Stammzellbasierte Subtypen und Prognosemodell beim HGSOC

Informationen zum deutschen Markt

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/004249 Zejula – Tuben-, Peritoneal- und Ovarialkarzinom (gültig)
EMEA/H/C/005932 Akeega – Kastrationsresistentes Prostatakarzinom (gültig)

Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Zielgerichtete Therapie (PARP-Inhibitor)
Myelosuppressionsrisiko Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten (in der Literatur: Risiko für Myelosuppression und myelodysplastisches Syndrom bei Langzeitanwendung)
Emetogenitätsklassifikation Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Blutbild, Leber- und Nierenfunktion
Handhabungsschutz Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten

Sicherheitsaspekte

  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind u. a. Deferipron und Samarium-(153Sm)-Lexidronam. Zahlreiche moderate Wechselwirkungen betreffen u. a. Acetylsalicylsäure, Apixaban, Abciximab, Alteplase, Cilostazol, Dipyridamol, Bivalirudin sowie radioaktive Arzneimittel (Iobenguan I-131, Ibritumomab tiuxetan, Tositumomab, Strontium-89-chlorid). Insbesondere die Kombination mit Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern sowie mit knochenmarksuppressiven Substanzen erfordert Vorsicht.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation beachten.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Der TxGNN-Wert ist sehr hoch, die Evidenz stützt jedoch keine eindeutig neue Indikation: Die einzige relevante Studie (Phase 2, seröses Endometriumkarzinom) rekrutiert noch ohne Ergebnisse, und der Treffer „zystische Neoplasie“ ist teilweise ein Ontologie-Artefakt, das stark mit den bereits zugelassenen Ovarialindikationen überlappt. Die Sicherheitsdaten aus der Fachinformation fehlen, sodass keine Sicherheitsprüfung möglich ist.

Für das weitere Vorgehen sind erforderlich:

  • Fachinformation des BfArM (Warnhinweise, Gegenanzeigen) beschaffen und auswerten
  • Daten zum Wirkmechanismus (z. B. über DrugBank) ergänzen
  • Ergebnisse der Studie NCT04716686 abwarten und bewerten
  • Klärung, welche konkrete Erkrankung hinter dem Begriff „zystische Neoplasie“ steht, und Abgrenzung von den bestehenden Ovarialindikationen
  • Klärung des regulatorischen Status (Gründe für die Aufhebung der Zulassungen)

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.