Olanzapine
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 3 |
Inhaltsverzeichnis
- Olanzapine
- Olanzapin: Von Schizophrenie und bipolarer Störung zu benigner paroxysmaler Tortikollis des Säuglingsalters
Olanzapin: Von Schizophrenie und bipolarer Störung zu benigner paroxysmaler Tortikollis des Säuglingsalters
Zusammenfassung
Olanzapin ist ein Antipsychotikum, das ursprünglich zur Behandlung von Schizophrenie und bipolarer Störung zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt für den Spitzenkandidaten benigne paroxysmale Tortikollis des Säuglingsalters eine mögliche Wirksamkeit voraus, doch hierfür liegen keine klinischen Studien und keine Publikationen vor. Die Vorhersage beruht allein auf dem Modell. Als Alternativen mit etwas besserer Datenlage erscheinen Agoraphobie (6 Publikationen) und dysthyme Störung (5 Publikationen).
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Schizophrenie; bipolare Störung |
| Vorhergesagte neue Indikation | Benigne paroxysmale Tortikollis des Säuglingsalters |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,54 % |
| Evidenzniveau | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/aufgehobene Zulassungen |
| Anzahl der Zulassungen | 9 (alle erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus liegen derzeit nicht vor. Olanzapin ist ein Antagonist an Dopamin- und Serotoninrezeptoren (D2, 5-HT2A/2C) sowie am Histamin-H1-Rezeptor; seine Wirksamkeit bei Schizophrenie und bipolarer Störung ist belegt.
Für die benigne paroxysmale Tortikollis des Säuglingsalters ist kein plausibler mechanistischer Zusammenhang erkennbar. Die Erkrankung ist eine seltene, selbstlimitierende paroxysmale Bewegungsstörung im Säuglingsalter, häufig mit CACNA1A-Varianten und dem Migränespektrum assoziiert. Für den Einsatz von Olanzapin bei Säuglingen gibt es keine Begründung. Zudem können Antipsychotika extrapyramidale Wirkungen wie akute Dystonie und Torticollis auslösen, was die Vorhersage zusätzlich fragwürdig macht. Der hohe Score ist daher als rein rechnerisches Ergebnis zu verstehen.
Weitere Kandidaten mit besserer Evidenz:
- Agoraphobie (Score 99,47 %, L3): Die Rezeptorblockade könnte Angst- und Erregungsschaltkreise bei der Panikstörung modulieren, die häufig mit Agoraphobie einhergeht. Die Evidenz stammt aus einer 12-wöchigen offenen Augmentationsstudie bei therapieresistenter Panikstörung und aus Fallberichten. Sie betrifft die Panikstörung, nicht spezifisch die Agoraphobie, und ist unkontrolliert. Metabolische Nebenwirkungen sprechen gegen den Einsatz, da SSRI und kognitive Verhaltenstherapie wirksame Erstlinienoptionen sind.
- Dysthyme Störung (Score 99,28 %, L3): Olanzapin, vor allem in Kombination mit Fluoxetin, wirkt über 5-HT2C-Antagonismus augmentierend antidepressiv. Direkte Evidenz ist begrenzt; eine RCT speziell zur Dysthymie wurde nicht identifiziert. Die Verträglichkeit bei chronischer Anwendung bei einer eher milden, chronischen Erkrankung ist ein Bedenken.
Evidenz aus klinischen Studien
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Evidenz aus der Literatur
Für die Spitzenvorhersage (benigne paroxysmale Tortikollis des Säuglingsalters) liegt derzeit keine zugehörige Literatur vor. Die folgende Literatur betrifft die nachrangigen Kandidaten. Die Einschätzungen beruhen teilweise nur auf Titeln und Kurzfassungen.
Agoraphobie
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 16415705 | 2006 | Offene Studie | J Clin Psychopharmacol | 12-wöchige Augmentation mit 5 mg/Tag Olanzapin zu SSRI bei 31 Patienten mit therapieresistenter Panikstörung (mit oder ohne Agoraphobie) |
| 26635099 | 2016 | Systematische Übersicht | Expert Opin Pharmacother | Therapieresistente Panikstörung; Unterstützung für Olanzapin nicht bestätigt |
| 40946318 | 2026 | Systematische Übersicht | Psychother Psychosom | Integrative Übersicht zu therapieresistenten Angststörungen; Unterstützung für Olanzapin nicht bestätigt |
| 10739446 | 2000 | Fallbericht | Am J Psychiatry | Olanzapin und Panikattacken |
| 15470803 | 2004 | Fallbericht | Pharmacopsychiatry | Vollständige Remission einer Panikstörung unter Olanzapin plus Paroxetin |
| 25012437 | 2014 | Kohortenstudie | J Affect Disord | Einfluss komorbider Angststörungen und Zwangsstörung auf den 24-Monats-Verlauf der Bipolar-I-Störung (indirekt) |
Dysthyme Störung
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 21154393 | 2010 | Systematische Übersicht (Cochrane) | Cochrane Database Syst Rev | Zweitgenerations-Antipsychotika bei Major Depression und Dysthymie |
| 10578457 | 1999 | Offene klinische Studie | Biol Psychiatry | Sicherheit und Wirksamkeit von Olanzapin bei Borderline-Persönlichkeitsstörung mit komorbider Dysthymie |
| 22938165 | 2012 | Übersichtsarbeit | Bipolar Disord | Evidenzbasierte Optionen bei therapieresistenter bipolarer Störung (indirekt) |
| 11920152 | 2002 | Übersichtsarbeit | Mol Psychiatry | Substituierte Benzamide bei Dysthymie und Negativsymptomatik (Amisulprid, indirekt) |
| 34727399 | 2021 | Systematische Übersicht/Metaanalyse | Hum Psychopharmacol | Amisulprid bei depressiven Symptomen (indirekt) |
Marktinformationen Deutschland
Alle neun Zulassungen sind erloschen; derzeit ist kein gültiges Olanzapin-Präparat in den Daten verzeichnet.
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000810 | Olanzapine Teva | – | Schizophrenie; bipolare Störung |
| EMEA/H/C/000115 | Zyprexa | – | Schizophrenie; bipolare Störung |
| EMEA/H/C/001086 | Olanzapine Glenmark Europe | – | Schizophrenie; bipolare Störung |
| EMEA/H/C/000287 | Zyprexa Velotab | – | Schizophrenie; bipolare Störung |
| EMEA/H/C/001087 | Olazax | – | Schizophrenie; bipolare Störung |
Sicherheitsaspekte
Kontraindikationen laut Wissensgraph (kein Packungsbeilagentext): Das TxGNN-Wissensgraph-Netzwerk (PrimeKG) verzeichnet Kontraindikationen bei u. a. folgenden Erkrankungen:
- Stoffwechsel: Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Hyperglykämie, Hypertriglyceridämie, Hyperlipidämie, familiäre Hyperlipidämie, Adipositas, monogene Adipositas
- Leber und Galle: Leberversagen, Lebererkrankung, Leberzirrhose, Gallenblasenerkrankung
- Herz-Kreislauf: orthostatische Hypotonie, posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, Hypotonie, Schlaganfall, zerebrovaskuläre Erkrankung, Hirninfarkt, Myokardinfarkt, Koronarthrombose
- Blut: Neutropenie, Agranulozytose, Blutgerinnungsstörung
- Neurologie/Psychiatrie: Multisystematrophie, Epilepsie, bipolare Störung, schwere affektive Störung
- Sonstige: benigne Prostatahyperplasie, Mammakarzinom der Frau
Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind u. a.:
- Bupropion
- Morphin
- Kaliumcitrat
Als moderat eingestuft sind u. a. Acarbose, Famotidin, Epinephrin, Albiglutid, Alogliptin, Metformin, Hyoscyamin, Loperamid, Atropin, Lorcaserin, Glycopyrronium, Canagliflozin, Chlorpropamid, Clarithromycin, Picosulfat, Polyethylenglykol (mit Elektrolyten) und Dapagliflozin.
Für Warnhinweise und Kontraindikationen der Fachinformation siehe die Packungsbeilage.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Spitzenvorhersage (benigne paroxysmale Tortikollis des Säuglingsalters) beruht ausschließlich auf dem Modell (L5), ohne Studien oder Literatur und ohne plausiblen Mechanismus. Antipsychotika können zudem Tortikollis und Dystonie auslösen. Agoraphobie und dysthyme Störung (jeweils L3) sind als Forschungsfragen interessanter, stützen sich aber nur auf unkontrollierte Studien, Fallberichte und indirekte Evidenz; hinzu kommen metabolische Risiken.
Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:
- Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) über BfArM, da dieser Punkt derzeit blockierend ist
- Mechanismusdaten (MOA) aus DrugBank ergänzen
- Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland, da alle gelisteten Zulassungen erloschen sind
- Volltextprüfung der Übersichtsarbeiten zu Agoraphobie/Panikstörung und Dysthymie auf tatsächliche Aussagen zu Olanzapin
- Für die Alternativen: kontrollierte Studien (RCT) und eine Nutzen-Risiko-Bewertung gegenüber Erstlinientherapien (SSRI, Psychotherapie)
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.