Olanzapine

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 3

Inhaltsverzeichnis

  1. Olanzapine
  2. Olanzapin: Von Schizophrenie und bipolarer Störung zu benigner paroxysmaler Tortikollis des Säuglingsalters
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Olanzapin: Von Schizophrenie und bipolarer Störung zu benigner paroxysmaler Tortikollis des Säuglingsalters

Zusammenfassung

Olanzapin ist ein Antipsychotikum, das ursprünglich zur Behandlung von Schizophrenie und bipolarer Störung zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt für den Spitzenkandidaten benigne paroxysmale Tortikollis des Säuglingsalters eine mögliche Wirksamkeit voraus, doch hierfür liegen keine klinischen Studien und keine Publikationen vor. Die Vorhersage beruht allein auf dem Modell. Als Alternativen mit etwas besserer Datenlage erscheinen Agoraphobie (6 Publikationen) und dysthyme Störung (5 Publikationen).


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Schizophrenie; bipolare Störung
Vorhergesagte neue Indikation Benigne paroxysmale Tortikollis des Säuglingsalters
TxGNN-Vorhersagewert 99,54 %
Evidenzniveau L5
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/aufgehobene Zulassungen
Anzahl der Zulassungen 9 (alle erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus liegen derzeit nicht vor. Olanzapin ist ein Antagonist an Dopamin- und Serotoninrezeptoren (D2, 5-HT2A/2C) sowie am Histamin-H1-Rezeptor; seine Wirksamkeit bei Schizophrenie und bipolarer Störung ist belegt.

Für die benigne paroxysmale Tortikollis des Säuglingsalters ist kein plausibler mechanistischer Zusammenhang erkennbar. Die Erkrankung ist eine seltene, selbstlimitierende paroxysmale Bewegungsstörung im Säuglingsalter, häufig mit CACNA1A-Varianten und dem Migränespektrum assoziiert. Für den Einsatz von Olanzapin bei Säuglingen gibt es keine Begründung. Zudem können Antipsychotika extrapyramidale Wirkungen wie akute Dystonie und Torticollis auslösen, was die Vorhersage zusätzlich fragwürdig macht. Der hohe Score ist daher als rein rechnerisches Ergebnis zu verstehen.

Weitere Kandidaten mit besserer Evidenz:

  • Agoraphobie (Score 99,47 %, L3): Die Rezeptorblockade könnte Angst- und Erregungsschaltkreise bei der Panikstörung modulieren, die häufig mit Agoraphobie einhergeht. Die Evidenz stammt aus einer 12-wöchigen offenen Augmentationsstudie bei therapieresistenter Panikstörung und aus Fallberichten. Sie betrifft die Panikstörung, nicht spezifisch die Agoraphobie, und ist unkontrolliert. Metabolische Nebenwirkungen sprechen gegen den Einsatz, da SSRI und kognitive Verhaltenstherapie wirksame Erstlinienoptionen sind.
  • Dysthyme Störung (Score 99,28 %, L3): Olanzapin, vor allem in Kombination mit Fluoxetin, wirkt über 5-HT2C-Antagonismus augmentierend antidepressiv. Direkte Evidenz ist begrenzt; eine RCT speziell zur Dysthymie wurde nicht identifiziert. Die Verträglichkeit bei chronischer Anwendung bei einer eher milden, chronischen Erkrankung ist ein Bedenken.

Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Evidenz aus der Literatur

Für die Spitzenvorhersage (benigne paroxysmale Tortikollis des Säuglingsalters) liegt derzeit keine zugehörige Literatur vor. Die folgende Literatur betrifft die nachrangigen Kandidaten. Die Einschätzungen beruhen teilweise nur auf Titeln und Kurzfassungen.

Agoraphobie

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
16415705 2006 Offene Studie J Clin Psychopharmacol 12-wöchige Augmentation mit 5 mg/Tag Olanzapin zu SSRI bei 31 Patienten mit therapieresistenter Panikstörung (mit oder ohne Agoraphobie)
26635099 2016 Systematische Übersicht Expert Opin Pharmacother Therapieresistente Panikstörung; Unterstützung für Olanzapin nicht bestätigt
40946318 2026 Systematische Übersicht Psychother Psychosom Integrative Übersicht zu therapieresistenten Angststörungen; Unterstützung für Olanzapin nicht bestätigt
10739446 2000 Fallbericht Am J Psychiatry Olanzapin und Panikattacken
15470803 2004 Fallbericht Pharmacopsychiatry Vollständige Remission einer Panikstörung unter Olanzapin plus Paroxetin
25012437 2014 Kohortenstudie J Affect Disord Einfluss komorbider Angststörungen und Zwangsstörung auf den 24-Monats-Verlauf der Bipolar-I-Störung (indirekt)

Dysthyme Störung

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
21154393 2010 Systematische Übersicht (Cochrane) Cochrane Database Syst Rev Zweitgenerations-Antipsychotika bei Major Depression und Dysthymie
10578457 1999 Offene klinische Studie Biol Psychiatry Sicherheit und Wirksamkeit von Olanzapin bei Borderline-Persönlichkeitsstörung mit komorbider Dysthymie
22938165 2012 Übersichtsarbeit Bipolar Disord Evidenzbasierte Optionen bei therapieresistenter bipolarer Störung (indirekt)
11920152 2002 Übersichtsarbeit Mol Psychiatry Substituierte Benzamide bei Dysthymie und Negativsymptomatik (Amisulprid, indirekt)
34727399 2021 Systematische Übersicht/Metaanalyse Hum Psychopharmacol Amisulprid bei depressiven Symptomen (indirekt)

Marktinformationen Deutschland

Alle neun Zulassungen sind erloschen; derzeit ist kein gültiges Olanzapin-Präparat in den Daten verzeichnet.

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000810 Olanzapine Teva – Schizophrenie; bipolare Störung
EMEA/H/C/000115 Zyprexa – Schizophrenie; bipolare Störung
EMEA/H/C/001086 Olanzapine Glenmark Europe – Schizophrenie; bipolare Störung
EMEA/H/C/000287 Zyprexa Velotab – Schizophrenie; bipolare Störung
EMEA/H/C/001087 Olazax – Schizophrenie; bipolare Störung

Sicherheitsaspekte

Kontraindikationen laut Wissensgraph (kein Packungsbeilagentext): Das TxGNN-Wissensgraph-Netzwerk (PrimeKG) verzeichnet Kontraindikationen bei u. a. folgenden Erkrankungen:

  • Stoffwechsel: Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Hyperglykämie, Hypertriglyceridämie, Hyperlipidämie, familiäre Hyperlipidämie, Adipositas, monogene Adipositas
  • Leber und Galle: Leberversagen, Lebererkrankung, Leberzirrhose, Gallenblasenerkrankung
  • Herz-Kreislauf: orthostatische Hypotonie, posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, Hypotonie, Schlaganfall, zerebrovaskuläre Erkrankung, Hirninfarkt, Myokardinfarkt, Koronarthrombose
  • Blut: Neutropenie, Agranulozytose, Blutgerinnungsstörung
  • Neurologie/Psychiatrie: Multisystematrophie, Epilepsie, bipolare Störung, schwere affektive Störung
  • Sonstige: benigne Prostatahyperplasie, Mammakarzinom der Frau

Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind u. a.:

  • Bupropion
  • Morphin
  • Kaliumcitrat

Als moderat eingestuft sind u. a. Acarbose, Famotidin, Epinephrin, Albiglutid, Alogliptin, Metformin, Hyoscyamin, Loperamid, Atropin, Lorcaserin, Glycopyrronium, Canagliflozin, Chlorpropamid, Clarithromycin, Picosulfat, Polyethylenglykol (mit Elektrolyten) und Dapagliflozin.

Für Warnhinweise und Kontraindikationen der Fachinformation siehe die Packungsbeilage.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Spitzenvorhersage (benigne paroxysmale Tortikollis des Säuglingsalters) beruht ausschließlich auf dem Modell (L5), ohne Studien oder Literatur und ohne plausiblen Mechanismus. Antipsychotika können zudem Tortikollis und Dystonie auslösen. Agoraphobie und dysthyme Störung (jeweils L3) sind als Forschungsfragen interessanter, stützen sich aber nur auf unkontrollierte Studien, Fallberichte und indirekte Evidenz; hinzu kommen metabolische Risiken.

Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte nötig:

  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Kontraindikationen) über BfArM, da dieser Punkt derzeit blockierend ist
  • Mechanismusdaten (MOA) aus DrugBank ergänzen
  • Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland, da alle gelisteten Zulassungen erloschen sind
  • Volltextprüfung der Übersichtsarbeiten zu Agoraphobie/Panikstörung und Dysthymie auf tatsächliche Aussagen zu Olanzapin
  • Für die Alternativen: kontrollierte Studien (RCT) und eine Nutzen-Risiko-Bewertung gegenüber Erstlinientherapien (SSRI, Psychotherapie)

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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