Olaparib

Evidenzniveau: L1 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Olaparib
  2. Olaparib: Von Ovarial-, Brust-, Pankreas- und Prostatakarzinom zum weiblichen Mammakarzinom
    1. Zusammenfassung
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Zytotoxizität
    8. Sicherheitsaspekte
    9. Fazit und nächste Schritte
    10. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Olaparib: Von Ovarial-, Brust-, Pankreas- und Prostatakarzinom zum weiblichen Mammakarzinom

Zusammenfassung

Olaparib ist ein oraler PARP-Inhibitor (Handelsname Lynparza), der ursprünglich zur Behandlung von Ovarial-, Brust-, Pankreas- und kastrationsresistentem Prostatakarzinom zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt eine Wirksamkeit beim weiblichen Mammakarzinom voraus. Die Richtung wird derzeit durch 29 klinische Studien und 19 Publikationen gestützt, darunter mehrere große randomisierte Phase-3-Studien (u. a. OlympiAD und OlympiA).


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Ovarialkarzinom; Mammakarzinom; Pankreaskarzinom; kastrationsresistentes Prostatakarzinom
Vorhergesagte neue Indikation Weibliches Mammakarzinom
TxGNN-Vorhersagewert 99,09 %
Evidenzstufe L1
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/aufgehobene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1 (0 gültig, 1 erloschen)
Empfohlene Entscheidung Proceed with Guardrails

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine Angaben vor. Nach allgemeinem pharmakologischem Wissen hemmt Olaparib das Enzym PARP. Dadurch bleiben Einzelstrangbrüche der DNA unrepariert und werden bei der Replikation zu Doppelstrangbrüchen. Zellen ohne funktionierende BRCA-vermittelte homologe Rekombination (z. B. bei Keimbahnmutationen in BRCA1/2) können diese Brüche nicht reparieren und sterben ab (synthetische Letalität).

Der Mechanismus ist derselbe, der den bereits zugelassenen Indikationen (Ovarial-, Pankreas- und Prostatakarzinom) zugrunde liegt. Die Daten führen das Mammakarzinom bereits unter den ursprünglichen Indikationen auf. Es handelt sich daher eher um eine bereits validierte Indikation als um ein echtes Repurposing. Der hohe TxGNN-Wert ist mit diesem Mechanismus konsistent.

Zu beachten sind Resistenzmechanismen (z. B. Stabilisierung der PARP1-mRNA über PCBP2, PMID 40773674) sowie der Nutzen, der auf biomarkerselektierte Populationen (Keimbahn-BRCA, HRR-Mutationen) beschränkt ist.


Evidenz aus klinischen Studien

Es werden die relevantesten Studien aufgeführt (Bewertung A/B zuerst, dann weitere).

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Zentrale Ergebnisse
NCT00679783 Phase 2 Abgeschlossen 99 Offene, nicht randomisierte Studie mit Olaparib (AZD2281) bei BRCA-Mutationsträgern mit Brust- und Ovarialkarzinom; direkter Wirksamkeitsnachweis (Proof of Concept)
NCT04330040 Phase 4 Abgeschlossen 202 Post-Marketing-Studie in Indien bei platinsensitivem Ovarialkarzinom und metastasiertem BRCA-mutiertem Mammakarzinom; Sicherheitsdaten
NCT04683679 Phase 2 Rekrutierend 34 Pembrolizumab + ablative Strahlentherapie ± Olaparib bei metastasiertem Mammakarzinom (TNBC bzw. HR+/HER2−)
NCT01623349 Phase 1 Abgeschlossen 118 PI3K-Inhibitor (BKM120/BYL719) + Olaparib bei rezidiviertem TNBC oder serösem Ovarialkarzinom; Dosisfindung und Sicherheit
NCT01237067 Phase 1 Abgeschlossen 77 PK/PD-Studie mit Olaparib + Carboplatin bei refraktären/rezidivierten gynäkologischen Tumoren
NCT02684318 Phase 1/2 Unbekannt 100 Lurbinectedin (PM01183) + Olaparib bei fortgeschrittenen soliden Tumoren; keine bestätigten Ergebnisse
NCT01116648 Phase 1/2 Aktiv, nicht rekrutierend 155 Cediranib + Olaparib vs. Olaparib allein bei rezidiviertem Ovarial- oder triple-negativem Mammakarzinom
NCT02418624 Phase 1 Abgeschlossen 25 Carboplatin-Olaparib gefolgt von Olaparib vs. Capecitabin bei BRCA-mutiertem HER2-negativem fortgeschrittenem Mammakarzinom
NCT03109080 Phase 1 Abgeschlossen 24 Olaparib mit Strahlentherapie bei TNBC
NCT07695259 Phase 4 Rekrutierend 45 Olaparib + Trastuzumab/Pertuzumab neoadjuvant bei älteren Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Zentrale Ergebnisse
28578601 2017 RCT N Engl J Med OlympiAD: Olaparib bei metastasiertem Mammakarzinom mit Keimbahn-BRCA-Mutation
34081848 2021 RCT N Engl J Med OlympiA: adjuvantes Olaparib bei BRCA1/2-mutiertem Mammakarzinom
36228963 2022 RCT Ann Oncol Gesamtüberleben in OlympiA bei Hochrisiko-Mammakarzinom im Frühstadium mit gBRCA1/2-Variante
30689707 2019 RCT Ann Oncol OlympiAD, finale Gesamtüberlebens- und Verträglichkeitsanalyse gegenüber Chemotherapie nach Arztwahl
36893711 2023 Verlängerte Nachbeobachtung Eur J Cancer OlympiAD: medianes Gesamtüberleben 19,3 vs. 17,1 Monate (P = 0,513) in der finalen Analyse; verlängerte Nachbeobachtung zu Überleben und Sicherheit
38588696 2024 Randomisierte Phase-2/3-Studie Nature PARTNER: neoadjuvantes Olaparib + Chemotherapie bei TNBC ohne Keimbahn-BRCA-Mutation (n = 559)
33119476 2020 Phase-2-Studie J Clin Oncol TBCRC 048: Olaparib bei metastasiertem Mammakarzinom mit Mutationen in HR-Reparaturgenen
34143979 2021 Phase-2-Studie Cancer Cell I-SPY2: Durvalumab + Olaparib + Paclitaxel bei HER2-negativem Hochrisiko-Mammakarzinom
25366685 2015 Phase-2-Studie J Clin Oncol Olaparib-Monotherapie bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen mit Keimbahn-BRCA1/2-Mutation
39742383 2024 Systematische Übersicht Breast J Zielgerichtete Therapie des metastasierten triple-negativen Mammakarzinoms

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/003726 Lynparza (AstraZeneca AB) – Ovarialkarzinom; Mammakarzinom; Pankreaskarzinom; kastrationsresistentes Prostatakarzinom (Status: erloschen)

Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Klassifikation Zielgerichtete Therapie (PARP-Inhibitor)
Myelosuppressionsrisiko In den Daten nicht angegeben; bitte Fachinformation beachten
Emetogenität In den Daten nicht angegeben; bitte Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Bitte Fachinformation beachten (üblicherweise Blutbild sowie Leber- und Nierenfunktion)
Handhabungsschutz Bitte Fachinformation und Vorschriften für den Umgang mit zytotoxischen Arzneimitteln beachten

Sicherheitsaspekte

Arzneimittelwechselwirkungen: Die Abfrage ergab insgesamt 100 Wechselwirkungen. Die ausgewerteten Einträge (DDInter) umfassen unter anderem:

  • Schwerwiegend (Major): Aprepitant, Dexamethason, Clarithromycin
  • Mäßig (Moderate): Metformin, Bupropion, Cimetidin, Miconazol, Clotrimazol, Glibenclamid, Ondansetron, Repaglinid, Rosuvastatin, Simvastatin sowie weitere
  • Gering (Minor): Prucaloprid

Zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation beachten.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails

Begründung: Die Evidenz ist stark (L1): Mehrere große randomisierte Phase-3-Studien (OlympiAD, OlympiA) belegen den Nutzen bei biomarkerselektiertem Mammakarzinom (Keimbahn-BRCA). Der Nutzen ist jedoch auf bestimmte Populationen begrenzt, und die deutsche Zulassung ist derzeit nur als erloschen geführt.

Für das weitere Vorgehen sind erforderlich:

  • Fachinformation (Warnhinweise und Gegenanzeigen) von der BfArM-Webseite beschaffen und auswerten; dies ist für die Sicherheitsprüfung zwingend
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank ergänzen
  • Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland (erloschene Zulassung) und Abgleich mit dem zentralen EU-Verfahren
  • Festlegung der Zielpopulation (Keimbahn-BRCA, HER2-negativ, HRR-Mutationen) und Plan für Biomarkertestung
  • Plan zur Überwachung von Wechselwirkungen (insbesondere CYP3A-Inhibitoren/-Induktoren) und Blutbildkontrollen

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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