Omeprazole
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 1 |
Inhaltsverzeichnis
- Omeprazole
- Pharmazeutischer Bewertungsbericht
- Omeprazole: Duodenal obstruction
- Zusammenfassung in einem Satz
- Schnellübersicht
- Warum ist diese Vorhersage plausibel?
- Klinische Studien
- Literaturevidenz
- Marktinformationen Deutschland
- Sicherheitsaspekte
- Fazit und nächste Schritte
- Ergänzende Bewertung: Duodenalobstruktion (Rang 2)
- Haftungsausschluss
Omeprazole: Duodenal obstruction
Zusammenfassung in einem Satz
Omeprazol ist ein Protonenpumpenhemmer, der ursprünglich zur Behandlung säurebedingter Erkrankungen des oberen Verdauungstrakts eingesetzt wird (z. B. Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür, Refluxkrankheit, Zollinger-Ellison-Syndrom). Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass der Wirkstoff bei duodenogastrischem Reflux wirksam sein könnte. Die Evidenz ist jedoch begrenzt: 1 klinische Studie (ohne direkten Bezug zur Fragestellung) und 15 Publikationen, davon nur wenige kleine klinische Studien, überwiegend Tierstudien und Überblicksarbeiten.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | In den lokalen Daten nicht erfasst |
| Vorhergesagte neue Indikation | Duodenal obstruction |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0.9964 |
| Evidenzstufe | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Keine zentrale EU-Zulassung (EMA) erfasst – nationale Zulassungen (BfArM) sind in den hier ausgewerteten Daten nicht enthalten |
| Anzahl der Zulassungen | 0 (gültig: 0) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Omeprazol ein Protonenpumpenhemmer ist, der die Magensäuresekretion unterdrückt und bei säurebedingten Erkrankungen des oberen Magen-Darm-Trakts etabliert ist. Mechanistisch könnte er daher auch bei Reflux-Beschwerden eine Rolle spielen.
Beim duodenogastrischen Reflux fließen Gallen- und Pankreassekrete in den Magen zurück. Die Säureunterdrückung kann Schleimhautbeschwerden lindern, behandelt aber nicht die eigentliche Ursache, den Gallenreflux. Der sehr hohe TxGNN-Wert spiegelt vor allem die große Ähnlichkeit zu den zugelassenen säurebedingten Indikationen wider und ist eine rechnerische Vorhersage, kein klinischer Beleg.
Kleine Studien bei Barrett-Ösophagus (PMID 10994616, 9824338) und eine pädiatrische prospektive Studie zum ösophagealen Gallenreflux (PMID 16641575) untersuchten den Effekt von Omeprazol auf Gallen- bzw. duodenogastrischen Reflux. Sie liefern indirekte und gemischte Hinweise. Tierstudien (PMID 33027361, 10389684, 8943968) geben zudem Anlass zur Vorsicht: Säureblockade in Kombination mit duodenogastrischem Reflux förderte bei Ratten das Wachstum der Magenschleimhaut und die Karzinogenese.
Klinische Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT02685150 | Nicht zutreffend (Diagnostik) | Abgeschlossen | 157 | Endoskopische Tri-Modal-Bildgebung zur Unterscheidung von funktioneller Dyspepsie und Refluxkrankheit; Omeprazol wird nicht als Intervention geprüft, kein Wirksamkeitsbeleg |
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Zeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 10994616 | 2000 | Kleine klinische Studie | Scand J Gastroenterol | Effekt von Omeprazol auf antralen duodenogastrischen Reflux bei Barrett-Ösophagus |
| 9824338 | 1998 | Kleine klinische Studie | Gut | Omeprazol 20 mg zweimal täglich und duodenogastrischer bzw. gastroösophagealer Gallenreflux bei Barrett-Ösophagus |
| 16641575 | 2006 | Prospektive klinische Studie (Kinder) | J Pediatr Gastroenterol Nutr | Wirkung von Omeprazol auf ösophagealen Gallenreflux bei Kindern |
| 18679668 | 2008 | Übersichtsarbeit | Eur J Clin Pharmacol | Aktueller klinischer Einsatz und Pharmakokinetik von Protonenpumpenhemmern |
| 12836018 | 2003 | Klinische Beschreibung (Kinder) | Eur J Pediatr | Primärer duodenogastrischer Reflux bei sechs Kindern und Jugendlichen |
| 10389684 | 1999 | Tierstudie (Ratte) | Dig Dis Sci | Säureblockade mit Omeprazol fördert die durch duodenogastrischen Reflux induzierte Magenkarzinogenese |
| 8943968 | 1996 | Tierstudie (Ratte) | Dig Dis Sci | Duodenogastrischer Reflux stimuliert das Schleimhautwachstum, verstärkt durch Säureblockade |
| 33027361 | 2020 | Tierstudie (Ratte) | Acta Cir Bras | Omeprazol und Adenokarzinom im Magen von Ratten mit duodenogastrischem Reflux |
| 8076761 | 1994 | Beobachtungsstudie | Gastroenterology | Zusammenhang von pH-Wert, duodenogastroösophagealem Reflux und Barrett-Ösophagus |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation | |---------|------|------|-----------|
Sicherheitsaspekte
Kontraindikationen bzw. Risikokonstellationen laut Wissensgraph (keine Angaben aus dem Beipackzettel): Leberversagen, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Herzinsuffizienz, Osteoporose, postmenopausale Osteoporose, Knochenbrüche, chronisch-atrophische Gastritis.
Arzneimittelwechselwirkungen (100 Einträge erfasst; Auswahl):
- Schwerwiegend (Major): Acalabrutinib, Atazanavir
- Moderat: u. a. Hydrochlorothiazid, Alprazolam, Amphotericin B, Amikacin, Amphetamin, Anagrelid, Fenofibrat, Apalutamid, Armodafinil, Atorvastatin
- Gering (Minor): u. a. Lidocain, Nifedipin, Ambrisentan, Acetylsalicylsäure
Hinweis aus der Tierforschung: Die Kombination aus Säureblockade und duodenogastrischem Reflux förderte bei Ratten die Karzinogenese. Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist ungeklärt, sollte aber vor einer Anwendung bei dieser Indikation geprüft werden.
Weitere Sicherheitsinformationen entnehmen Sie bitte der Fachinformation.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage beruht im Wesentlichen auf der Ähnlichkeit zu den bestehenden säurebedingten Indikationen. Direkte klinische Evidenz fehlt: Die einzige gelistete Studie ist eine Diagnostikstudie ohne Omeprazol-Bezug. Die klinischen Daten sind klein und indirekt, Tierstudien deuten auf ein mögliches Karzinogeneserisiko hin. Zudem ist die einzige erfasste Zulassung in Deutschland aufgehoben.
Für ein Weiterkommen sind erforderlich:
- Kontrollierte klinische Studien zu Omeprazol bei duodenogastrischem Reflux mit klaren Endpunkten (Symptome, Gallenreflux, Schleimhautbefund)
- Bewertung des Karzinogeneserisikos unter Säureblockade bei Gallenreflux
- Daten zum Wirkmechanismus
- Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen), da diese Daten derzeit fehlen und die Sicherheitsprüfung blockieren
- Klärung des aktuellen Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland für humane Omeprazol-Präparate (die erfasste Zulassung betrifft ein Tierarzneimittel)
Ergänzende Bewertung: Duodenalobstruktion (Rang 2)
Für die zweite vorhergesagte Indikation, Duodenalobstruktion (TxGNN-Wert 0,9964), liegt nur Evidenzstufe L5 vor (Empfehlung: Hold). Die einzige gelistete Phase-3-Studie (NCT00557921, Clopidogrel plus Omeprazol zur Vermeidung gastrointestinaler Blutungen, vorzeitig beendet, 5.000 Teilnehmer) hat vermutlich keinen direkten Bezug zu dieser Indikation. Die Literatur besteht aus älteren Fallberichten und unspezifischen Übersichten (1992–1997) ohne omeprazolspezifische Ergebnisse. Eine fixierte mechanische Obstruktion lässt sich durch Säurehemmung nicht beheben; Omeprazol kann allenfalls die zugrunde liegende Ulkuskrankheit indirekt beeinflussen.
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.