Paclitaxel

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 2

Inhaltsverzeichnis

  1. Paclitaxel
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Paclitaxel: Parameningeal embryonal rhabdomyosarcoma
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Paclitaxel: Parameningeal embryonal rhabdomyosarcoma

Zusammenfassung

Paclitaxel ist ein zytotoxisches Taxan, das zugelassen ist bei Brustneoplasmen, Pankreaskarzinom und nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (bei Brustkrebs in Form der Albumin-gebundenen Nanopartikel-Formulierung). Das TxGNN-Modell sagt eine Wirksamkeit beim Mammakarzinom der Frau voraus. Dabei handelt es sich praktisch um eine bereits bestehende Indikation und nicht um eine echte Neuausrichtung. Dafür liegen zahlreiche klinische Studien vor, darunter mehrere abgeschlossene Phase-3-Studien. Hinzu kommen 20 Publikationen, die überwiegend Übersichtsarbeiten und Phase-2-Studien sind.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Breast Neoplasms;Pancreatic Neoplasms;Carcinoma, Non-Small-Cell Lung; Breast Neoplasms
Vorhergesagte neue Indikation Parameningeal embryonal rhabdomyosarcoma
TxGNN-Vorhersagewert 0.9973
Evidenzlevel L5 (mehrere abgeschlossene Phase-3-Studien mit Paclitaxel als Therapiebestandteil, überwiegend als Kombinations- oder Vergleichsstudien)
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 4 von 4)
Anzahl der Zulassungen 4 (gültig: 4)
Empfohlene Entscheidung Proceed with Guardrails (Fortführung mit Auflagen)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Paclitaxel stabilisiert die Mikrotubuli der Zelle und blockiert dadurch das Fortschreiten der Mitose. In sich schnell teilenden Tumorzellen löst das Apoptose aus. Ausführliche Mechanismusdaten (z. B. aus DrugBank) liegen für diesen Bericht nicht vor. Die beschriebene Wirkweise entspricht aber dem bekannten Wirkprinzip der Taxane.

Die ursprüngliche Zulassung umfasst bereits Brustneoplasmen. Die vorhergesagte Indikation ist daher eine Zulassung oder eine zulassungsnahe Anwendung und keine neuartige Repurposing-Idee. Der hohe Vorhersagewert spiegelt vor allem diese enge Verwandtschaft wider.

Die zytotoxische Wirkung hängt nicht von einem bestimmten Rezeptorstatus ab. Das passt zu der breiten Anwendung von Taxanen beim Brustkrebs. Die vorliegenden Daten zeigen mehrere Phase-2-Studien und einige abgeschlossene Phase-3-Studien. Meist ist Paclitaxel dort Teil einer Kombination oder eines Schemavergleichs. Die Evidenz für Paclitaxel als Einzelsubstanz ist daher teilweise indirekt.


Evidenz aus klinischen Studien

Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der relevantesten Studien. In den Daten sind insgesamt mehr als 40 Studien zu dieser Indikation erfasst.

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT00667251 Phase 3 Abgeschlossen 652 Taxan-basierte Chemotherapie mit Lapatinib vs. Trastuzumab als Erstlinientherapie bei HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs
NCT01822314 Phase 3 Abgeschlossen 632 Neoadjuvantes nab-Paclitaxel vs. lösungsmittelbasiertes Paclitaxel (gefolgt von AC/EC/FEC) bei HER2-negativem Hochrisiko-Brustkrebs; Endpunkt: pathologische Komplettremission
NCT00553358 Phase 3 Abgeschlossen 455 Neo-ALTTO: neoadjuvantes Lapatinib, Trastuzumab oder beides, jeweils plus Paclitaxel, bei HER2-positivem Brustkrebs
NCT00075270 Phase 3 Abgeschlossen 580 Lapatinib plus Paclitaxel vs. Paclitaxel allein bei unbehandeltem fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs
NCT00006459 Phase 3 Abgeschlossen k. A. Gemcitabin plus Paclitaxel vs. Paclitaxel allein bei lokal rezidiviertem oder metastasiertem Brustkrebs
NCT00513292 Phase 3 Abgeschlossen 280 Neoadjuvante Sequenz FEC gefolgt von Paclitaxel plus Trastuzumab vs. umgekehrte Reihenfolge bei HER2-positivem operablem Brustkrebs
NCT00431080 Phase 3 Abgeschlossen 478 Dosisdichte adjuvante Chemotherapie (FE75C), danach Docetaxel vs. Paclitaxel bei nodal-positivem Brustkrebs
NCT00003539 Phase 2 Abgeschlossen 50 Wöchentliches 1-Stunden-Paclitaxel plus Trastuzumab bei metastasiertem Brustkrebs
NCT00006120 Phase 2 Unbekannt k. A. Randomisierter Vergleich zweier Schemata von Docetaxel oder Paclitaxel bei metastasiertem Brustkrebs
NCT00002826 Phase 2 Abgeschlossen 36 Pilotstudie: PSC 833 zur Überwindung der Multidrug-Resistenz gegenüber Paclitaxel bei metastasiertem Brustkrebs

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
11147586 2000 Klinische Studie (Phase 2) Cancer Doxorubicin plus Paclitaxel bei fortgeschrittenem Mammakarzinom; Bedeutung einer vorangegangenen adjuvanten Anthrazyklintherapie
10791395 2000 Übersichtsarbeit Lancet Taxane sind evidenzbasierte Bestandteile der Therapie bei fortgeschrittenem Brust-, Lungen- und Ovarialkarzinom
9282422 1997 Übersichtsarbeit Drug and Therapeutics Bulletin Paclitaxel und Docetaxel bei Brust- und Ovarialkarzinom
11745249 2001 Übersichtsarbeit Cancer Paclitaxel in der multimodalen Behandlung des inflammatorischen Mammakarzinoms
10898354 2000 Übersichtsarbeit/Fachartikel Cancer Entwicklungen in der Chemotherapie des Brustkrebses
9296218 1997 Dosisfindungsstudie Annals of Oncology Maximal verträgliche Dosis von Paclitaxel (3-Stunden-Infusion) plus Cyclophosphamid bei fortgeschrittenem Brustkrebs
7904376 1993 Übersichtsarbeit Seminars in Oncology Nursing Überblick über Entwicklung und Eigenschaften von Paclitaxel (Taxol)
39317691 2024 Experimentelle Studie Chemical Biology & Drug Design Paclitaxel-Kombinationen beim Mammakarzinom und Identifikation von In-vivo-Biomarkern
24823476 2014 Translationale Studie Nature Communications TEKT4-Varianten sind mit einer Paclitaxel-Resistenz beim Brustkrebs assoziiert
20665703 2011 Präklinisch Journal of Cellular Physiology ZD6474 verstärkt die antiproliferative und apoptotische Wirkung von Paclitaxel in Brustkrebszellen

Marktinformationen Deutschland

Angaben zur Darreichungsform liegen nicht vor.

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000778 Abraxane k. A. Brustneoplasmen; Pankreaskarzinom; nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom
EMEA/H/C/004441 Pazenir k. A. Brustneoplasmen
EMEA/H/C/005997 Apexelsin k. A. Brustneoplasmen; Pankreaskarzinom; nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom
EMEA/H/C/006173 Naveruclif k. A. Brustneoplasmen; Pankreaskarzinom; nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom

Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Klassisches Zytostatikum (Taxan, Mikrotubuli-Stabilisator)
Myelosuppressionsrisiko Hoch (Neutropenie häufig, auch Thrombozytopenie und Anämie möglich)
Emetogenität Niedrig
Überwachungsparameter Differenzialblutbild, Leber- und Nierenfunktion, neurologische Beurteilung (periphere Neuropathie), Zeichen von Überempfindlichkeitsreaktionen
Schutzmaßnahmen bei Handhabung Ja, Umgang nach den Vorschriften für zytotoxische Arzneimittel (Zubereitung unter geeigneten Schutzvorkehrungen)

Sicherheitsaspekte

Für diesen Bericht liegen keine Angaben aus der Fachinformation zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen vor. Bitte die aktuelle Fachinformation des jeweiligen Präparats konsultieren.

Kontraindikationen aus der Wissensdatenbank (nicht aus dem Packungsbeilagentext): Das TxGNN-Wissensgraph-Modell (PrimeKG) verknüpft Paclitaxel mit den folgenden Erkrankungen als möglichen Kontraindikationen. Diese Verknüpfungen sind als Hinweise zu verstehen und ersetzen keine Fachinformation.

  • Blut und Knochenmark: Neutropenie, Agranulozytose, Thrombozytopenie, Anämie (einschließlich makrozytärer Anämie), Hämoglobinopathie
  • Leber und Galle: Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung, Hyperbilirubinämie (auch hereditär), Gilbert-Syndrom
  • Herz-Kreislauf: Myokardinfarkt, Koronarthrombose, plötzlicher Herzstillstand, Hypotonie
  • Nervensystem: periphere Nervenerkrankung, periphere Neuropathie
  • Weitere: Nierenerkrankung, Pyoureter, Asthma (auch allergisch und intrinsisch), Psoriasis, Parapsoriasis, Diabetes mellitus, diabetische Ketoazidose, Angststörung, neurotische Störung, dysthyme Störung

Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt sind 100 Wechselwirkungen erfasst. Davon wurden 20 für diesen Bericht ausgewertet. Die wichtigsten davon sind:

  • Moderat: Aprepitant, Cimetidin, Clarithromycin, Clotrimazol, Dexamethason, Eliglustat, Metronidazol, Miconazol, Rolapitant, Rosuvastatin, Simvastatin, Tinidazol, Troglitazon
  • Gering: Ascorbinsäure, Levofloxacin
  • Schweregrad unbekannt: Glimepirid, Doxycyclin, Morphin, Metformin, Omeprazol

Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails

Begründung: Paclitaxel ist beim Mammakarzinom ein etabliertes Zytostatikum. Es gibt mehrere abgeschlossene Phase-3-Studien, in denen Paclitaxel Bestandteil der Therapie ist. Die Studien sind jedoch überwiegend Kombinations- oder Vergleichsstudien, die Evidenz für Paclitaxel als Einzelsubstanz ist teilweise indirekt. Da es sich um eine Zulassung bzw. zulassungsnahe Anwendung handelt, besteht kein klassischer Repurposing-Bedarf. Zudem sind in Deutschland derzeit alle 4 erfassten Zulassungen gültig, und es liegen keine Daten aus der Fachinformation vor.

Für das weitere Vorgehen sind folgende Punkte nötig:

  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) über die BfArM-Website
  • Ergänzung der Mechanismusdaten (MOA) aus DrugBank
  • Klärung, welche paclitaxelhaltigen Präparate in Deutschland aktuell verfügbar sind; alle 4 erfassten Zulassungen sind gültig
  • Sicherheitsüberwachungsplan (Blutbild, Neuropathie, Überempfindlichkeit, Wechselwirkungen mit CYP-Inhibitoren und -Induktoren)

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.