Paliperidone

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 9

Inhaltsverzeichnis

  1. Paliperidone
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Paliperidon: Von Schizophrenie zu Retinale Dystrophie mit oder ohne extraokulare Anomalien
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage (nicht) plausibel?
    6. Klinische Evidenz
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Paliperidon: Von Schizophrenie zu Retinale Dystrophie mit oder ohne extraokulare Anomalien

Zusammenfassung

Paliperidon wurde ursprünglich zur Behandlung von Schizophrenie und psychotischen Störungen zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt für den Spitzenrang eine Wirksamkeit bei retinaler Dystrophie mit oder ohne extraokulare Anomalien voraus, jedoch gibt es dafür keine klinischen Studien und keine Publikationen. Die Vorhersage beruht ausschließlich auf dem Modell (Evidenzstufe L5).


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Schizophrenie; psychotische Störungen
Vorhergesagte neue Indikation Retinale Dystrophie mit oder ohne extraokulare Anomalien
TxGNN-Vorhersagewert 0,9992
Evidenzstufe L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage (nicht) plausibel?

Detaillierte Daten zum Wirkmechanismus liegen derzeit nicht vor. Bekannt ist, dass Paliperidon ein Antagonist an Dopamin-D2- und Serotonin-5-HT2A-Rezeptoren ist und als Antipsychotikum bei Schizophrenie eingesetzt wird.

Ein plausibler Wirkweg von dieser Rezeptorblockade zu erblich bedingter Netzhautdegeneration ist anhand der vorliegenden Daten nicht erkennbar. Der hohe Vorhersagewert (0,999) ist eine reine Modellvorhersage und kein Hinweis auf klinische Wirksamkeit. Die Ähnlichkeit zur ursprünglichen Indikation wurde bislang nicht bewertet.

Auch die weiteren Top-Vorhersagen wirken mechanistisch wenig überzeugend: mehrere Myopie-Formen (X-chromosomal, syndromisch), strukturelle Hirnfehlbildungen (Hydranenzephalie, Polymikrogyrie), eine Glykosylierungsstörung, eine demyelinisierende Neuropathie (Charcot-Marie-Tooth Typ 1G) und die atypische Glycin-Enzephalopathie. Bei Myopie könnte eine D2-Blockade sogar nachteilig sein, da retinales Dopamin als schützend gegen das Fortschreiten der Myopie gilt.


Klinische Evidenz

Für die Hauptvorhersage (retinale Dystrophie) sind derzeit keine relevanten klinischen Studien registriert.

Der Vollständigkeit halber die Studien zur naheliegendsten Vorhersage, therapierefraktäre Schizophrenie:

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT06060886 Phase 4 Unbekannt 244 Randomisierter, offener Vergleich von Aripiprazol vs. Paliperidon mit Multi-Omics-Daten bei Erstepisode-Psychose
NCT07047651 Phase 4 Aktiv, nicht rekrutierend 84 Pharmakotherapie plus zwei recovery-orientierte Programme bei therapieresistenter Schizophrenie bzw. bipolarer Störung; Beitrag von Paliperidon unklar
NCT05741502 Phase 4 Abgebrochen 5 Explorative Analyse von Immun- und Entzündungsreaktionen unter Clozapin vs. Nicht-Clozapin-Antipsychotika; wegen 5 Teilnehmern kaum aussagekräftig

Keine dieser Studien prüft Paliperidon als primäre Intervention in einer therapierefraktären Population.


Literaturevidenz

Für die Hauptvorhersage liegen derzeit keine relevanten Publikationen vor.

Zur therapierefraktären Schizophrenie (indirekte Evidenz):

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
31648341 2019 Review Actas Españolas de Psiquiatría Übersicht zur Psychopharmakologie der schizoaffektiven Störung; Behandlung beruht hauptsächlich auf Antipsychotika, spezifische Leitlinien fehlen
23364281 2013 Review Current Opinion in Psychiatry Wirksamkeit und Verträglichkeit psychosozialer und psychopharmakologischer Interventionen bei früh beginnender Schizophrenie

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000746 Invega – Schizophrenie; psychotische Störungen (Status: gültig)

Das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel; 1 von 1 Zulassung ist gültig.


Sicherheitsaspekte

Kontraindikationen/Risikokonstellationen aus der Wissensdatenbank (Kontraindikationsbeziehungen im TxGNN-Wissensgraphen, nicht aus dem Beipackzettel):

  • Herz-Kreislauf: Long-QT-Syndrom (auch familiär), Torsades de pointes, Myokardinfarkt, Koronarthrombose, orthostatische Hypotonie, Hypotonie, posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, Multisystematrophie
  • Neurologisch: Epilepsie, Erkrankungen der Basalganglien, fokale Handdystonie, Blepharospasmus
  • Stoffwechsel: Diabetes mellitus, Hyperglykämie, diabetische Ketoazidose, Hyperlipidämie (auch familiär), Adipositas (auch monogen), Kaliummangel
  • Blut: Neutropenie, Agranulozytose, Hämoglobinopathie
  • Weitere: Morbus Crohn, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Crohn-Kolitis, Nierenfunktionsstörung, Mammakarzinom bei Frauen

Arzneimittelwechselwirkungen (100 Einträge insgesamt, Auswahl):

  • Schwerwiegend (Major): Bupropion, Morphin
  • Moderat: u. a. Acarbose, Metformin, Pioglitazon, Canagliflozin, Chlorpropamid, Albiglutid, Alogliptin (Antidiabetika); Famotidin; Epinephrin; Hydrocortison; Amphotericin B; Hyoscyamin, Atropin, Glycopyrronium (Anticholinergika); Loperamid; Bisacodyl; Lorcaserin

Hinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation liegen nicht vor; bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage zur retinalen Dystrophie beruht allein auf einem Modellwert ohne Studien, Publikationen oder plausiblen Wirkmechanismus. Auch die übrigen Top-Vorhersagen sind mechanistisch kaum nachvollziehbar. Die einzige naheliegende Indikation (therapierefraktäre Schizophrenie) ist eine Erweiterung der Zulassungspopulation, für die keine Studie Paliperidon als Hauptprüfpräparat untersucht.

Für ein Weiterkommen wären erforderlich:

  • Daten zum Wirkmechanismus (aktuell nicht verfügbar) sowie eine Prüfung der mechanistischen Verbindung zur Netzhaut
  • Präklinische Untersuchungen zur Plausibilität der Vorhersage
  • Fachinformation mit Warnhinweisen und Gegenanzeigen (derzeit blockierende Datenlücke für die Sicherheitsprüfung)
  • Für therapierefraktäre Schizophrenie: direkte Studien mit Paliperidon als Prüfpräparat im Vergleich zu Clozapin
  • Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.