Pantoprazole

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Pantoprazole
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Pantoprazole: Duodenal obstruction
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Pantoprazole: Duodenal obstruction

Zusammenfassung

Pantoprazol ist ein Protonenpumpenhemmer, der in Deutschland ursprünglich zur Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit zugelassen war. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei aktivem peptischem Ulkus voraus, mit 1 klinischen Studie (Phase 3) und 19 Publikationen für diese Indikation. Für die Rangfolge der Vorhersagen insgesamt stützen sich die Daten auf bis zu 15 Studien und zahlreiche Publikationen (beim Zwölffingerdarmgeschwür). Wichtig: Diese Indikation liegt sehr nah an den bereits etablierten säurebezogenen Anwendungen und ist daher kein echtes Repurposing im engeren Sinn.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Gastroesophageal Reflux
Vorhergesagte neue Indikation Duodenal obstruction
TxGNN-Vorhersagewert 0.9921
Evidenzlevel L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 3 von 3)
Anzahl der Zulassungen 3 (gültig: 3)
Empfohlene Entscheidung Proceed with Guardrails (Fortfahren mit Schutzmaßnahmen)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Aus der Literatur ist jedoch bekannt: Pantoprazol hemmt irreversibel die H⁺/K⁺-ATPase (Protonenpumpe) in den Belegzellen des Magens und senkt so die Säuresekretion. Dies ermöglicht die Abheilung von Geschwüren.

Refluxkrankheit und Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür sind beides säurebedingte Erkrankungen. Der gleiche Mechanismus der Säuresuppression gilt daher für beide. Die Vorhersage ist mechanistisch nachvollziehbar, stellt aber eher eine Bestätigung einer bekannten Anwendung dar als eine neuartige Erkenntnis.

Weitere vorhergesagte Indikationen im Überblick:

Rang Indikation Score Evidenzlevel Einschätzung
5 Duodenale Obstruktion 0,9921 L5 Hold (kein plausibler Mechanismus; mechanische Ursache)

Klinische Studien

Studie für die Hauptvorhersage (aktives peptisches Ulkus):

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Wichtigste Ergebnisse
NCT02084420 Phase 3 Abgeschlossen 323 Multizentrische, randomisierte, doppelblinde Studie: Ilaprazol vs. Pantoprazol in der 7-Tage-Tripeltherapie zur H.-pylori-Eradikation bei Magen- und/oder Zwölffingerdarmgeschwür

Ergänzend relevante Studien aus der Vorhersage zum Zwölffingerdarmgeschwür (Auswahl):

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Wichtigste Ergebnisse
NCT00374101 Phase 3 Abgeschlossen 450 Hochdosierte vs. Standarddosis-PPI nach endoskopischer Therapie bei blutenden Ulzera
NCT01182597 Phase 3 Unbekannt 190 Orale vs. intravenöse PPI-Therapie bei Hochrisiko-Ulkusblutung nach endoskopischer Blutstillung
NCT00261300 Phase 3 Abgeschlossen 100 Langzeit-Pantoprazol bei chronischen säurebedingten Beschwerden
NCT00161096 Phase 3 Unbekannt 276 Bedarfsweise vs. tägliche Gabe von Pantoprazol 20 mg nach Symptomkontrolle
NCT02467621 Phase 4 Abgeschlossen 3350 Stressulkusprophylaxe mit PPI auf der Intensivstation (SUP-ICU)
NCT00843063 Phase 4 Abgeschlossen 161 Famotidin vs. Pantoprazol zur Rezidivprophylaxe aspirinbedingter Ulzera
NCT02551744 Nicht zutreffend Abgeschlossen 101 Pantoprazol vs. Famotidin zur Rezidivprophylaxe bei Thienopyridin-Anwendern
NCT01167101 Nicht zutreffend Abgeschlossen 290 Rebamipid zusätzlich zu PPI bei Ulkusheilung nach endoskopischer Mukosaresektion

Hinweis: Bei NCT02084420 ist der Titel verkürzt; Vergleichssubstanz und Endpunkt sollten noch geprüft werden.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Zeitschrift Wichtigste Ergebnisse
38345252 2024 Systematische Übersicht/Netzwerk-Metaanalyse Am J Gastroenterol Vergleich von P-CAB und PPI bei schwerer Ösophagitis (Grad C/D)
38384180 2024 RCT Gut Liver Tegoprazan bei durch endoskopische Resektion induzierten Ulzera
19938880 2009 Übersichtsarbeit Clin Drug Investig Pantoprazol: irreversible Bindung an die Protonenpumpe, lange Wirkdauer, keine bekannten Wechselwirkungen in zahlreichen Studien
21534455 2011 Übersichtsarbeit Med Arh PPI beim Management der Refluxkrankheit
11060758 2000 Übersichtsarbeit Expert Opin Investig Drugs Neue Therapieansätze bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren
10638560 2000 Klinische Studie Am J Gastroenterol Pantoprazol vs. Ranitidin beim Zwölffingerdarmgeschwür (Brasilien)
15244210 2003 Klinische Studie Hepatogastroenterology Lansoprazol vs. Pantoprazol bei aktivem Duodenalulkus und H.-pylori-Eradikation
7569755 1995 RCT Scand J Gastroenterol Pantoprazol vs. Ranitidin beim akuten Duodenalulkus
7614102 1995 RCT Eur J Gastroenterol Hepatol Pantoprazol 40 mg vs. Omeprazol 20 mg beim akuten Duodenalulkus (Abheilungsraten)
8882382 1996 Übersichtsarbeit Drugs Pantoprazol 40 mg ist Ranitidin überlegen und Omeprazol 20 mg gleichwertig bei akutem Ulkus und Refluxösophagitis

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/001097 Controloc Control – Gastroösophageale Refluxkrankheit
EMEA/H/C/001098 Somac Control – Gastroösophageale Refluxkrankheit
EMEA/H/C/001013 Pantozol Control – Gastroösophageale Refluxkrankheit

Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (Kontraindikationskanten des TxGNN-Wissensgraphen, kein Packungsbeilagentext): Osteoporose, postmenopausale Osteoporose, Knochenbruch, perniziöse Anämie. Diese Angaben sind als Hinweis auf zu prüfende Risiken (z. B. Knochengesundheit, Vitamin-B12-Mangel bei Langzeitanwendung) zu verstehen und müssen anhand der Fachinformation verifiziert werden.
  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Beispiele:
    • Schwerwiegend (Major): Acalabrutinib, Atazanavir
    • Moderat: u. a. Hydrochlorothiazid, Alpelisib, Amphotericin B, Amikacin, Amphetamin, Fenofibrat, Apalutamid, Armodafinil, Atorvastatin, Bosutinib, Bumetanid
    • Gering (Minor): u. a. Acetylsalicylsäure, Axitinib, Bortezomib, Brivaracetam, Cyanocobalamin

Für Warnhinweise und Kontraindikationen laut Label bitte die Packungsbeilage bzw. Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails

Begründung: Für das aktive peptische Ulkus und das Duodenalulkus liegen Phase-3-Studien sowie mehrere randomisierte Vergleichsstudien vor (Pantoprazol vs. Ranitidin und vs. Omeprazol), und der Mechanismus ist etabliert. Es handelt sich jedoch um eine säurebedingte Kernindikation und nicht um ein neuartiges Repurposing. Die duodenale Obstruktion sollte zurückgestellt werden (Hold).

Für das weitere Vorgehen ist Folgendes erforderlich:

  • Packungsbeilagen und Fachinformationen des BfArM beschaffen und auswerten (Warnhinweise und Kontraindikationen fehlen derzeit; dies blockiert die Sicherheitsprüfung)
  • Detaillierte Wirkmechanismus-Daten aus DrugBank ergänzen
  • Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland
  • Verifizierung von Vergleichssubstanz und Endpunkten bei NCT02084420
  • Prüfung der Kontraindikationssignale (Osteoporose, Knochenbruch, perniziöse Anämie) bei Langzeitanwendung
  • Beachtung der Wechselwirkungen mit schwerwiegender Einstufung (Acalabrutinib, Atazanavir)

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.