Peginterferon Alfa-2A
| Evidenzniveau: L1 | Vorhergesagte Indikationen: 9 |
Inhaltsverzeichnis
Peginterferon Alfa-2A: Hepatitis E virus infection
Zusammenfassung
Peginterferon alfa-2a wurde ursprünglich zur Behandlung der chronischen Hepatitis C, der chronischen Hepatitis B, der Polycythaemia vera und der essenziellen Thrombozythämie zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt für den Wirkstoff eine Wirksamkeit bei Hepatitis-B-Virusinfektion voraus. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine echte Neuindikation, sondern um eine bereits zugelassene Indikation. Die Vorhersage stützt sich auf 20 klinische Studien und 20 Publikationen, darunter mehrere randomisierte Studien und Metaanalysen.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Hepatitis C, Chronic;Hepatitis B, Chronic;Polycythemia Vera;Thrombocythemia, Essential |
| Vorhergesagte neue Indikation | Hepatitis E virus infection |
| TxGNN-Vorhersagewert | 0.9983 |
| Evidenzlevel | L1 |
| Marktstatus in Deutschland | Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1) |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (gültig: 1) |
| Empfohlene Entscheidung | Proceed with Guardrails |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Peginterferon alfa-2a ein Typ-I-Interferon ist. Es wirkt über den Interferonrezeptor (JAK-STAT-Signalweg) und induziert interferonstimulierte Gene. Dadurch hemmt es die Virusreplikation und verstärkt die HBV-spezifischen T-Zell- und NK-Zell-Antworten.
Die Hepatitis-B-Infektion gehört bereits zu den ursprünglich zugelassenen Indikationen. Der hohe TxGNN-Wert spiegelt daher die vorhandene klinische Evidenz wider. Es handelt sich um eine Bestätigung einer bestehenden Indikation und nicht um ein klassisches Repurposing.
Die weiteren Vorhersagen des Modells (Hepatitis E, Hepatitis A, Omsk-hämorrhagisches Fieber, Kyasanur-Waldkrankheit, kardiale Erkrankungen u. a.) haben keine oder nur indirekte Evidenz. Für sie wird die Entscheidung „Hold" bzw. „Research Question" empfohlen. Für Hepatitis E gibt es lediglich Hinweise aus Fallberichten bei immunsupprimierten Patienten. Die aufgeführten Studien betreffen jedoch HBV. Bei Herzerkrankungen besteht zudem die Sorge möglicher Schäden, da Interferone mit kardialen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht werden.
Evidenz aus klinischen Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT02604823 | Phase 4 | Abgeschlossen | 307 | Wirksamkeit und Sicherheit von Peginterferon alfa-2a bei HBeAg-positiver chronischer Hepatitis B (48 Wochen Behandlung, 24 Wochen Nachbeobachtung) |
| NCT00661076 | Phase 3 | Abgeschlossen | 10 | Peginterferon plus Adefovir vs. Peginterferon-Monotherapie bei HBeAg-negativer Hepatitis B; sehr kleine Stichprobe |
| NCT00614471 | Phase 4 | Abgeschlossen | 219 | Peginterferon plus Entecavir bei therapienaiver HBeAg-positiver Hepatitis B (drei randomisierte Arme) |
| NCT02474316 | Phase 4 | Unbekannt | 366 | Wechsel von Nukleos(t)idanalogon auf Kombination mit Peginterferon alfa-2a, Endpunkt HBeAg-Serokonversion |
| NCT02560649 | Phase 4 | Unbekannt | 324 | Responsegesteuerte Therapie (RGT) mit Peginterferon bei nukleosidvorbehandelten Patienten |
| NCT03181113 | k. A. | Abgeschlossen | 473 | Langzeitnutzen nach Peginterferon-Therapie bei HBeAg-positiver Hepatitis B (Kohorte) |
| NCT02097004 | Phase 4 | Abgeschlossen | 111 | Therapeutische Impfung plus Peginterferon zur HBsAg-Serokonversion nach Entecavir |
| NCT03084250 | Phase 4 | Unbekannt | 150 | Peginterferon alfa-2a plus Nukleosidanalogon bei Zirrhose mit hohem HCC-Risiko |
| NCT00436163 | Phase 4 | Abgeschlossen | 39 | Einarmiges Post-Marketing-Programm im Baltikum bei HBeAg-positiver Hepatitis B |
| NCT01237496 | Phase 3 | Abgeschlossen | 17 | Immunologische Substudie zu HBV-spezifischen T-Zell-Antworten; kleine Stichprobe |
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 15987917 | 2005 | RCT | N Engl J Med | Peginterferon alfa-2a allein oder mit Lamivudin vs. Lamivudin allein bei HBeAg-positiver chronischer Hepatitis B |
| 30549279 | 2019 | RCT | Hepatology | Entecavir plus Peginterferon alfa-2a bei Erwachsenen in der Immuntoleranzphase |
| 26299874 | 2016 | Systematische Übersicht/Metaanalyse | Clin Res Hepatol Gastroenterol | Verlängerte vs. Standarddauer (48 Wochen) der Peginterferon-alfa-2a-Therapie bei chronischer Hepatitis B |
| 30865588 | 2019 | Systematische Übersicht/Metaanalyse | Antivir Ther | Individuelle Patientendaten zu Abbruchregeln der Peginterferon-Therapie |
| 33720089 | 2021 | Randomisierte kontrollierte Studie | J Pediatr Gastroenterol Nutr | Peginterferon alfa-2a plus Lamivudin oder Entecavir bei Kindern mit immuntoleranter Hepatitis B |
| 26700861 | 2015 | Randomisierte Doppelblindstudie | Virol J | Langzeitwirkung bei japanischen Patienten mit chronischer Hepatitis B |
| 32548156 | 2020 | Kohortenstudie | World J Clin Cases | Zytokine als Prädiktoren des virologischen Ansprechens unter Peginterferon alfa-2a |
| 41086952 | 2025 | Kohortenstudie | Antiviral Res | Virale Quasispezies als Prädiktor der HBsAg-Serokonversion bei Kindern |
| 18221137 | 2006 | Review | Recent Pat Anti-infect Drug Discov | Pegylierte Interferone zur Behandlung der chronischen Hepatitis B |
| 26188762 | 2016 | Review | J Formos Med Assoc | Duale Hepatitis-B- und -C-Infektion in Taiwan |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000395 | Pegasys | k. A. | Chronische Hepatitis C, chronische Hepatitis B, Polycythaemia vera, essenzielle Thrombozythämie |
Diese Zulassung ist gültig (1 von 1 Zulassungen gültig). Das Arzneimittel ist im Handel.
Sicherheitsaspekte
- Wechselwirkungen: In den zusammengestellten Daten sind 100 mögliche Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind u. a. Bupropion, Deferipron, Iopamidol, Iohexol, Samarium-(153Sm)-Lexidronam und Eltrombopag. Als mäßig (Moderate) eingestuft sind u. a. Metronidazol, Tinidazol, Naltrexon, Rosuvastatin, Simvastatin, Warfarin, Dicumarol, Chloroquin, Pegvaliase, Palifermin und Strontiumchlorid-Sr-89 sowie einige Abführ- bzw. Darmreinigungsmittel (Picosulfat, Polyethylenglykol, Natriumsulfat).
- Kardiale Risiken: Interferontherapien wurden mit kardialen Nebenwirkungen (Arrhythmie, Kardiomyopathie) in Verbindung gebracht.
- Neuropsychiatrische Effekte: Interferon-alpha kann Depressionen und grippeähnliche Symptome auslösen (aus einer präklinischen Studie und allgemeiner Literatur).
Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation liegen nicht vor. Bitte die Fachinformation zu Rate ziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Proceed with Guardrails
Begründung: Für Hepatitis B liegen mehrere Phase-3/4-Studien und randomisierte Studien sowie Metaanalysen vor (Evidenzlevel L1). Es handelt sich jedoch um eine bereits zugelassene Indikation. Mehrere Studien sind klein oder haben einen unbekannten Status.
Für das weitere Vorgehen erforderlich:
- Klärung des Zulassungs- bzw. Vermarktungsstatus
- Auswertung der Fachinformation zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen (Sicherheitsprüfung ist derzeit blockiert)
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank ergänzen
- Sicherheitsüberwachungsplan, insbesondere für kardiale und neuropsychiatrische Risiken sowie die Wechselwirkungen mit hohem Schweregrad
- Die übrigen vorhergesagten Indikationen (Hepatitis E: „Research Question"; alle anderen: „Hold") nicht weiterverfolgen, solange keine direkte Evidenz vorliegt
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.