Peginterferon Alfa-2A

Evidenzniveau: L1 Vorhergesagte Indikationen: 9

Inhaltsverzeichnis

  1. Peginterferon Alfa-2A
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Peginterferon Alfa-2A: Hepatitis E virus infection
    3. Zusammenfassung
    4. Kurzüberblick
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Peginterferon Alfa-2A: Hepatitis E virus infection

Zusammenfassung

Peginterferon alfa-2a wurde ursprünglich zur Behandlung der chronischen Hepatitis C, der chronischen Hepatitis B, der Polycythaemia vera und der essenziellen Thrombozythämie zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt für den Wirkstoff eine Wirksamkeit bei Hepatitis-B-Virusinfektion voraus. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine echte Neuindikation, sondern um eine bereits zugelassene Indikation. Die Vorhersage stützt sich auf 20 klinische Studien und 20 Publikationen, darunter mehrere randomisierte Studien und Metaanalysen.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Hepatitis C, Chronic;Hepatitis B, Chronic;Polycythemia Vera;Thrombocythemia, Essential
Vorhergesagte neue Indikation Hepatitis E virus infection
TxGNN-Vorhersagewert 0.9983
Evidenzlevel L1
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Proceed with Guardrails

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Peginterferon alfa-2a ein Typ-I-Interferon ist. Es wirkt über den Interferonrezeptor (JAK-STAT-Signalweg) und induziert interferonstimulierte Gene. Dadurch hemmt es die Virusreplikation und verstärkt die HBV-spezifischen T-Zell- und NK-Zell-Antworten.

Die Hepatitis-B-Infektion gehört bereits zu den ursprünglich zugelassenen Indikationen. Der hohe TxGNN-Wert spiegelt daher die vorhandene klinische Evidenz wider. Es handelt sich um eine Bestätigung einer bestehenden Indikation und nicht um ein klassisches Repurposing.

Die weiteren Vorhersagen des Modells (Hepatitis E, Hepatitis A, Omsk-hämorrhagisches Fieber, Kyasanur-Waldkrankheit, kardiale Erkrankungen u. a.) haben keine oder nur indirekte Evidenz. Für sie wird die Entscheidung „Hold" bzw. „Research Question" empfohlen. Für Hepatitis E gibt es lediglich Hinweise aus Fallberichten bei immunsupprimierten Patienten. Die aufgeführten Studien betreffen jedoch HBV. Bei Herzerkrankungen besteht zudem die Sorge möglicher Schäden, da Interferone mit kardialen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht werden.


Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Kernaussagen
NCT02604823 Phase 4 Abgeschlossen 307 Wirksamkeit und Sicherheit von Peginterferon alfa-2a bei HBeAg-positiver chronischer Hepatitis B (48 Wochen Behandlung, 24 Wochen Nachbeobachtung)
NCT00661076 Phase 3 Abgeschlossen 10 Peginterferon plus Adefovir vs. Peginterferon-Monotherapie bei HBeAg-negativer Hepatitis B; sehr kleine Stichprobe
NCT00614471 Phase 4 Abgeschlossen 219 Peginterferon plus Entecavir bei therapienaiver HBeAg-positiver Hepatitis B (drei randomisierte Arme)
NCT02474316 Phase 4 Unbekannt 366 Wechsel von Nukleos(t)idanalogon auf Kombination mit Peginterferon alfa-2a, Endpunkt HBeAg-Serokonversion
NCT02560649 Phase 4 Unbekannt 324 Responsegesteuerte Therapie (RGT) mit Peginterferon bei nukleosidvorbehandelten Patienten
NCT03181113 k. A. Abgeschlossen 473 Langzeitnutzen nach Peginterferon-Therapie bei HBeAg-positiver Hepatitis B (Kohorte)
NCT02097004 Phase 4 Abgeschlossen 111 Therapeutische Impfung plus Peginterferon zur HBsAg-Serokonversion nach Entecavir
NCT03084250 Phase 4 Unbekannt 150 Peginterferon alfa-2a plus Nukleosidanalogon bei Zirrhose mit hohem HCC-Risiko
NCT00436163 Phase 4 Abgeschlossen 39 Einarmiges Post-Marketing-Programm im Baltikum bei HBeAg-positiver Hepatitis B
NCT01237496 Phase 3 Abgeschlossen 17 Immunologische Substudie zu HBV-spezifischen T-Zell-Antworten; kleine Stichprobe

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
15987917 2005 RCT N Engl J Med Peginterferon alfa-2a allein oder mit Lamivudin vs. Lamivudin allein bei HBeAg-positiver chronischer Hepatitis B
30549279 2019 RCT Hepatology Entecavir plus Peginterferon alfa-2a bei Erwachsenen in der Immuntoleranzphase
26299874 2016 Systematische Übersicht/Metaanalyse Clin Res Hepatol Gastroenterol Verlängerte vs. Standarddauer (48 Wochen) der Peginterferon-alfa-2a-Therapie bei chronischer Hepatitis B
30865588 2019 Systematische Übersicht/Metaanalyse Antivir Ther Individuelle Patientendaten zu Abbruchregeln der Peginterferon-Therapie
33720089 2021 Randomisierte kontrollierte Studie J Pediatr Gastroenterol Nutr Peginterferon alfa-2a plus Lamivudin oder Entecavir bei Kindern mit immuntoleranter Hepatitis B
26700861 2015 Randomisierte Doppelblindstudie Virol J Langzeitwirkung bei japanischen Patienten mit chronischer Hepatitis B
32548156 2020 Kohortenstudie World J Clin Cases Zytokine als Prädiktoren des virologischen Ansprechens unter Peginterferon alfa-2a
41086952 2025 Kohortenstudie Antiviral Res Virale Quasispezies als Prädiktor der HBsAg-Serokonversion bei Kindern
18221137 2006 Review Recent Pat Anti-infect Drug Discov Pegylierte Interferone zur Behandlung der chronischen Hepatitis B
26188762 2016 Review J Formos Med Assoc Duale Hepatitis-B- und -C-Infektion in Taiwan

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000395 Pegasys k. A. Chronische Hepatitis C, chronische Hepatitis B, Polycythaemia vera, essenzielle Thrombozythämie

Diese Zulassung ist gültig (1 von 1 Zulassungen gültig). Das Arzneimittel ist im Handel.


Sicherheitsaspekte

  • Wechselwirkungen: In den zusammengestellten Daten sind 100 mögliche Wechselwirkungen erfasst. Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind u. a. Bupropion, Deferipron, Iopamidol, Iohexol, Samarium-(153Sm)-Lexidronam und Eltrombopag. Als mäßig (Moderate) eingestuft sind u. a. Metronidazol, Tinidazol, Naltrexon, Rosuvastatin, Simvastatin, Warfarin, Dicumarol, Chloroquin, Pegvaliase, Palifermin und Strontiumchlorid-Sr-89 sowie einige Abführ- bzw. Darmreinigungsmittel (Picosulfat, Polyethylenglykol, Natriumsulfat).
  • Kardiale Risiken: Interferontherapien wurden mit kardialen Nebenwirkungen (Arrhythmie, Kardiomyopathie) in Verbindung gebracht.
  • Neuropsychiatrische Effekte: Interferon-alpha kann Depressionen und grippeähnliche Symptome auslösen (aus einer präklinischen Studie und allgemeiner Literatur).

Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation liegen nicht vor. Bitte die Fachinformation zu Rate ziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails

Begründung: Für Hepatitis B liegen mehrere Phase-3/4-Studien und randomisierte Studien sowie Metaanalysen vor (Evidenzlevel L1). Es handelt sich jedoch um eine bereits zugelassene Indikation. Mehrere Studien sind klein oder haben einen unbekannten Status.

Für das weitere Vorgehen erforderlich:

  • Klärung des Zulassungs- bzw. Vermarktungsstatus
  • Auswertung der Fachinformation zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen (Sicherheitsprüfung ist derzeit blockiert)
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank ergänzen
  • Sicherheitsüberwachungsplan, insbesondere für kardiale und neuropsychiatrische Risiken sowie die Wechselwirkungen mit hohem Schweregrad
  • Die übrigen vorhergesagten Indikationen (Hepatitis E: „Research Question"; alle anderen: „Hold") nicht weiterverfolgen, solange keine direkte Evidenz vorliegt

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.