Pemetrexed

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 3

Inhaltsverzeichnis

  1. Pemetrexed
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Pemetrexed: Pleural adenomatoid tumor
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Informationen zum deutschen Markt
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Pemetrexed: Pleural adenomatoid tumor

Zusammenfassung

Pemetrexed ist ein Antifolat-Zytostatikum, das ursprünglich zur Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms und des Mesothelioms zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es beim malignen peritonealen Mesotheliom wirksam sein könnte. Dafür liegen 7 klinische Studien (überwiegend Phase 2) und 20 Publikationen vor, die in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten erfasst sind.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Carcinoma, Non-Small-Cell Lung;Mesothelioma; Mesothelioma;Carcinoma, Non-Small-Cell Lung
Vorhergesagte neue Indikation Pleural adenomatoid tumor
TxGNN-Vorhersagewert 0.9999
Evidenzstufe L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 3 von 4)
Anzahl der Zulassungen 4 (gültig: 3)
Empfohlene Entscheidung Proceed with Guardrails (Fortfahren mit Schutzmaßnahmen)

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben aus der Arzneimitteldatenbank vor. Bekannt ist: Pemetrexed hemmt mehrere folatabhängige Enzyme (Thymidylatsynthase, DHFR und GARFT) und blockiert dadurch die Purin- und Pyrimidinsynthese in sich schnell teilenden Tumorzellen.

Die Wirksamkeit beim Pleuramesotheliom ist durch eine Phase-3-Studie belegt (Vogelzang 2003, PMID 12860938: Pemetrexed plus Cisplatin vs. Cisplatin allein). Das peritoneale Mesotheliom teilt Histologie und Biologie mit der pleuralen Form, sodass sich der Mechanismus plausibel übertragen lässt. Pemetrexed-Platin wird beim peritonealen Mesotheliom bereits in der Praxis eingesetzt, obwohl es nicht eigens dafür zugelassen ist.

Wichtig: Die Datenlage speziell für das Peritoneum stammt überwiegend aus Phase-2-Studien, retrospektiven Serien und Übersichtsarbeiten. Die Empfehlungen werden weitgehend aus Studien zum Pleuramesotheliom abgeleitet.


Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT00061477 Phase 2 Abgeschlossen 48 Pemetrexed plus Gemcitabin als Erstlinientherapie bei pleuralem oder peritonealem Mesotheliom; einarmig, gemischte Lokalisation
NCT05001880 Phase 2 Rekrutierend 66 Randomisiert: Carboplatin, Pemetrexed, Bevacizumab mit oder ohne Atezolizumab; noch keine Ergebnisse
NCT03875144 Phase 2 Ausgesetzt 66 MESOTIP: PIPAC plus systemische Chemotherapie (Cisplatin + Pemetrexed) vs. systemische Chemotherapie allein
NCT06543069 Phase 2 Rekrutierend 28 Einarmig: Sintilimab und Bevacizumab plus Pemetrexed und Cisplatin bei inoperablem Peritonealmesotheliom
NCT06057935 Phase 2 Rekrutierend 64 ICARuS II: intraperitoneale vs. intravenöse Chemotherapie nach Zytoreduktion und HIPEC; Rolle von Pemetrexed nur indirekt
NCT02535312 Phase 1/2 Aktiv, nicht rekrutierend 30 TRC102 mit Cisplatin und Pemetrexed bei fortgeschrittenen soliden Tumoren; nicht spezifisch für das Peritonealmesotheliom
NCT00402766 Phase 1 Abgeschlossen 19 Cisplatin, Pemetrexed und Imatinib bei Mesotheliom; kleine Verträglichkeitsstudie

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Kernaussagen
31287877 2019 Retrospektive Studie Jpn J Clin Oncol Wirksamkeit und Sicherheit von Pemetrexed plus Cisplatin in der Erstlinie beim fortgeschrittenen Peritonealmesotheliom
28594258 2017 Retrospektive Studie Expert Rev Anticancer Ther Erstlinientherapie mit Pemetrexed und Cisplatin beim Peritonealmesotheliom
21528659 2011 Retrospektive Studie Tumori Erfahrung eines einzelnen Zentrums mit Pemetrexed-Cisplatin
41133016 2025 Retrospektive Studie Clin Med Insights Oncol Vergleich Pemetrexed-Platin vs. Gemcitabin-Platin in der Erstlinie
39413826 2024 Übersichtsarbeit JNCCN Systemische Optionen; Empfehlungen überwiegend aus Pleuramesotheliom-Studien abgeleitet
38806763 2024 Kohortenstudie Ann Surg Oncol Multizentrische Analyse von Behandlungsstrategien und Ergebnissen
36765620 2023 Übersichtsarbeit Cancers Diagnostik und Therapie; CRS + HIPEC mit medianem Gesamtüberleben von 34–92 Monaten
35407498 2022 Übersichtsarbeit J Clin Med Behandlung des malignen Peritonealmesothelioms
30450291 2018 Übersichtsarbeit Transl Lung Cancer Res Übersicht zum malignen Peritonealmesotheliom
26941986 2016 Übersichtsarbeit J Gastrointest Oncol Diagnose und Management

Informationen zum deutschen Markt

Alle vier Zulassungen sind zentrale EU-Zulassungen (EMA) und derzeit gültig.

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000564 Alimta – Mesotheliom; nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom
EMEA/H/C/003895 Pemetrexed Fresenius Kabi – Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom; Mesotheliom
EMEA/H/C/003905 Pemetrexed medac – Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom; Mesotheliom
EMEA/H/C/003970 Pemetrexed Pfizer (zuvor Pemetrexed Hospira) – Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom; Mesotheliom

Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Konventionelles Zytostatikum (Antifolat)
Myelosuppressionsrisiko Hoch bis mittel; aus den Daten ergeben sich Neutropenie, Thrombozytopenie, Agranulozytose und Anämie als relevante Risiken
Emetogenität Bitte Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Großes Blutbild mit Differenzialblutbild, Nieren- und Leberfunktion
Handhabungsschutz Handhabung gemäß den Vorschriften für Zytostatika erforderlich

Sicherheitsaspekte

Kontraindikationen aus der Wissensgraph-Analyse (Arzneimittel-Krankheits-Beziehungen aus dem TxGNN-Wissensgraphen, kein Text der Fachinformation): Nierenerkrankung, eingeschränkte Nierenfunktion, Pyourether, Thrombozytopenie, Neutropenie, Agranulozytose, Anämie und makrozytäre Anämie.

Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Die ausgewerteten Beispiele sind durchweg von mittlerem Schweregrad („Moderate"). Genannt werden unter anderem:

  • Säureblocker: Famotidin, Ranitidin, Cimetidin
  • Antidiabetikum: Metformin
  • Nephrotoxische oder renal eliminierte Substanzen: Amphotericin B (mehrere Formulierungen), Vancomycin, Kanamycin, Neomycin, Polymyxin B
  • Antibiotika: Amoxicillin, Levofloxacin
  • Salicylate und Aminosalicylate: Acetylsalicylsäure, Mesalazin, Balsalazid, Olsalazin
  • Sonstige: Sapropterin

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen der Fachinformation liegen keine Daten vor; bitte die Fachinformation beachten.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Proceed with Guardrails

Begründung: Pemetrexed-Platin ist beim Pleuramesotheliom durch Phase-3-Evidenz etabliert und wird beim Peritonealmesotheliom bereits eingesetzt. Für das Peritoneum liegen eine abgeschlossene Phase-2-Studie (gemischte Lokalisation), mehrere laufende Phase-2-Studien sowie retrospektive Serien vor; randomisierte Daten mit Ergebnissen fehlen jedoch noch.

Für das weitere Vorgehen ist erforderlich:

  • Auswertung der laufenden randomisierten Phase-2-Studien (NCT05001880, NCT03875144, NCT06057935)
  • Beschaffung und Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen), da diese Sicherheitsdaten derzeit fehlen und die Sicherheitsprüfung blockieren
  • Daten zum Wirkmechanismus aus der Arzneimitteldatenbank
  • Klärung des Zulassungsstatus in Deutschland
  • Überwachungsplan für Blutbild, Nierenfunktion und Folat-/Vitamin-B12-Supplementierung

Hinweis zu weiteren Vorhersagen: Die Vorhersagen für Pleuramesotheliom und dessen Subtypen (epitheloid, sarkomatoid, biphasisch) entsprechen bereits der bestehenden Zulassung und stellen keine echte Neuindikation dar. Für pleurales Adenomatoid-Tumor, lymphohistiozytoides Mesotheliom, gut differenziertes papilläres Mesotheliom und Iminoglyzinurie besteht keine tragfähige Rationale (Empfehlung: Hold). Das Perikardkarzinom ist lediglich durch Einzelfallberichte gestützt.

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.