Perampanel

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 1

Inhaltsverzeichnis

  1. Perampanel
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Perampanel: Von fokalen Anfällen zu Beta-Ketothiolase-Mangel
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Evidenz aus der Literatur
    8. Informationen zum Markt in Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzüberblick)
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Perampanel: Von fokalen Anfällen zu Beta-Ketothiolase-Mangel

Zusammenfassung in einem Satz

Perampanel ist ein Antiepileptikum (AMPA-Rezeptor-Antagonist), das ursprünglich zur Behandlung partieller Epilepsien zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei visueller Epilepsie wirksam sein könnte. Für diese Indikation liegen keine klinischen Studien und nur allgemeine Epilepsie-Literatur ohne direkten Bezug vor. Die Vorhersage beruht daher im Wesentlichen auf dem Modell und dem plausiblen Mechanismus.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Partielle Epilepsien (Epilepsies, Partial)
Vorhergesagte neue Indikation Visuelle Epilepsie
TxGNN-Vorhersagewert 0,9979
Evidenzgrad L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Detaillierte Mechanismusdaten sind in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten nicht hinterlegt. Aus der Literatur ist jedoch bekannt, dass Perampanel ein selektiver, nicht-kompetitiver Antagonist des AMPA-Rezeptors ist und damit die glutamaterge exzitatorische Übertragung an postsynaptischen Membranen hemmt. Seine Wirksamkeit bei fokalen Anfällen ist belegt.

Visuelle (photosensitive) Epilepsie ist eine Reflexepilepsie, die durch kortikale Übererregbarkeit getrieben wird. Eine Blockade der AMPA-vermittelten Glutamat-Übertragung ist daher mechanistisch nachvollziehbar.

Allerdings enthält die gefundene Literatur ausschließlich allgemeine Epilepsie- bzw. Perampanel-Arbeiten (Leitlinien, Netzwerk-Metaanalysen, pharmakologische Übersichten) und keine Daten, die speziell visuelle Epilepsie betreffen. Die Plausibilität bleibt somit theoretisch.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien für visuelle Epilepsie registriert.


Evidenz aus der Literatur

Die folgenden Arbeiten betreffen Perampanel bei Epilepsie allgemein, nicht visuelle Epilepsie im Speziellen.

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Zentrale Aussagen
35061214 2022 Systematischer Review/Netzwerk-Metaanalyse Drugs Vergleich von Antiseizure-Medikamenten der dritten Generation (u. a. Perampanel) als Zusatztherapie bei fokalen Anfällen bei Erwachsenen
37378757 2023 Systematischer Review/Netzwerk-Metaanalyse Journal of Neurology Wirksamkeit und Sicherheit von Antiseizure-Medikamenten bei idiopathischen generalisierten Epilepsien
29898971 2018 Leitlinie Neurology Aktualisierte AAN/AES-Leitlinie zur Behandlung neu aufgetretener Epilepsie
37059702 2023 Cochrane-Review Cochrane Database of Systematic Reviews Perampanel als Add-on bei arzneimittelresistenter fokaler Epilepsie
36150304 2022 Klinische Studie/Real-World-Evidenz Epilepsy & Behavior Perampanel-Monotherapie bei Epilepsie
36734057 2023 Kohorte/Übersicht Epilepsia Perampanel als gezielte Therapie bei seltenen genetischen Epilepsien
36034267 2022 Kohorte Frontiers in Neurology Perampanel bei kindlicher Absence-Epilepsie in der Praxis
29953584 2019 Review Epilepsia Breites Wirkspektrum von Perampanel
24559052 2014 Review Expert Opinion on Drug Discovery Entdeckung und Entwicklung von Perampanel
37684052 2023 Review BMJ Epilepsiemanagement in Schwangerschaft und Stillzeit

Informationen zum Markt in Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/002434 Fycompa – Epilepsies, Partial

Die einzige erfasste Zulassung (Eisai GmbH) ist gültig; das Arzneimittel ist in Deutschland im Handel.


Sicherheitsaspekte

  • Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 56 Wechselwirkungen erfasst. Die aufgeführten Beispiele sind überwiegend als moderat eingestuft, vor allem mit zentral dämpfenden Substanzen: Morphin, Codein, Hydrocodon, Opium, Diphenoxylat, Difenoxin, Dronabinol, Nabilon, Promethazin, Chlorphenamin, Ethanol, Dexamethason, Metoclopramid, Chloroquin, Hydroxychloroquin, Sibutramin und Dextromethorphan. Clarithromycin ist als geringfügig (minor) eingestuft.
  • Aus der Literatur: Für Perampanel werden psychiatrische und Verhaltensnebenwirkungen beschrieben (Reizbarkeit, Aggression, in seltenen Fällen Psychose; Warnhinweis zu schwerwiegenden psychiatrischen Reaktionen).

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für Beta-Ketothiolase-Mangel gibt es weder klinische Studien noch spezifische Literatur; die Vorhersage stützt sich auf den hohen Modellwert und einen plausiblen Mechanismus (Evidenzgrad L4). In Deutschland besteht derzeit eine gültige Zulassung.

Für ein Fortschreiten sind folgende Schritte nötig:

  • Indikationsspezifische Daten (präklinische Photosensitivitätsmodelle, Fallserien, kontrollierte Studien bei photosensitiver Epilepsie)
  • Detaillierte Mechanismusdaten (MOA) zur Untermauerung der mechanistischen Verbindung
  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) für die Sicherheitsbewertung
  • Klärung des aktuellen Zulassungs- und Marktstatus in Deutschland

Weitere vorhergesagte Indikationen (Kurzüberblick)

Die folgende Tabelle ordnet weitere Vorhersagen ein.

Rang Indikation TxGNN-Wert Evidenzgrad Empfehlung
9 Beta-Ketothiolase-Mangel 0,9979 L5 Hold

Status epilepticus: Vier Studien sind registriert (NCT05756621: retrospektive Kohorte mit 84 Patienten, abgeschlossen; NCT04309721 und NCT05684978: beendet vorzeitig mit je 1 Teilnehmer, ohne verwertbare Daten; NCT06401707: Phase 2 zur Prophylaxe nach Herzstillstand, 52 Patienten, rekrutierend). Systematische Reviews und Fallserien berichten über ein Sistieren von Anfällen bei refraktärem Status epilepticus, beruhen aber auf retrospektiven, unkontrollierten Daten. Prospektive kontrollierte Evidenz fehlt.

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.