Plerixafor

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 6

Inhaltsverzeichnis

  1. Plerixafor
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Plerixafor: Vom Multiplen Myelom zu CMM7
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Studien
    7. Literatur
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zusatz: Besser belegte vorhergesagte Indikation – Myeloische Leukämie
      1. Klinische Studien (Auswahl)
      2. Literatur (Auswahl)
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Plerixafor: Vom Multiplen Myelom zu CMM7

Zusammenfassung

Plerixafor ist ein CXCR4-Antagonist, der in der Zulassung zur Mobilisierung hämatopoetischer Stammzellen bei Multiplem Myelom und Lymphom vor einer autologen Transplantation eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit beim indolenten Plasmazellmyelom voraus. Dafür liegen aktuell keine klinischen Studien und keine Publikationen vor. Die Vorhersage beruht allein auf der Modellberechnung. Für die ebenfalls vorhergesagte myeloische Leukämie gibt es dagegen 27 registrierte Studien und 20 Publikationen (siehe Zusatzabschnitt unten).


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Multiples Myelom; hämatopoetische Stammzelltransplantation; Lymphom
Vorhergesagte neue Indikation Indolentes Plasmazellmyelom
TxGNN-Vorhersagewert 0,9934
Evidenzlevel L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 2 von 2)
Anzahl der Zulassungen 2 (gültig: 2)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Plerixafor blockiert den Chemokinrezeptor CXCR4. Laut den für diesen Bericht zusammengestellten Daten bindet es außerdem an ACKR3. Die Achse CXCL12/CXCR4 hält Zellen in der Knochenmarknische fest. Durch die Blockade lösen sich Stammzellen und Tumorzellen aus dieser Nische. Detaillierte Mechanismusdaten aus DrugBank liegen derzeit nicht vor. Die Beschreibung stützt sich daher auf die Zielstruktur-Daten und die mechanistische Einordnung.

Das Multiple Myelom, für das Plerixafor bereits zur Stammzellmobilisierung eingesetzt wird, und das indolente (schwelende) Plasmazellmyelom gehören zur selben Erkrankungsfamilie. Myelomzellen sind auf die Knochenmarknische angewiesen. Eine Störung des Zielens auf diese Nische ist deshalb biologisch denkbar.

Der hohe Vorhersagewert beruht jedoch im Wesentlichen auf der Nähe zur zugelassenen Myelom-Indikation. Für das indolente Stadium gibt es weder Studien noch Literatur.


Klinische Studien

Derzeit sind keine klinischen Studien zu dieser Indikation registriert.


Literatur

Derzeit ist keine zugehörige Literatur verfügbar.


Marktinformationen Deutschland

Es sind 2 gültige Zulassungen von 2 vorhanden. Das Arzneimittel ist im Handel. Die Zulassungsnummern sind EU-zentrale Zulassungen.

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/001030 Mozobil (Sanofi B.V.) – Multiples Myelom; hämatopoetische Stammzelltransplantation; Lymphom
EMEA/H/C/005943 Plerixafor Accord (Accord Healthcare S.L.U.) – Multiples Myelom; hämatopoetische Stammzelltransplantation

Zusatz: Besser belegte vorhergesagte Indikation – Myeloische Leukämie

Für die an Rang 7 vorhergesagte myeloische Leukämie (TxGNN-Wert 0,9902) liegt die einzige substanzielle Evidenz im gesamten Datensatz vor. Das Evidenzlevel ist L2, die Einstufung lautet „Forschungsfrage“.

Mechanismus: Leukämiezellen und Leukämiestammzellen werden über CXCL12/CXCR4 in der Knochenmarknische gehalten und sind dadurch chemoresistent. Plerixafor mobilisiert sie in die Zirkulation und kann sie für Chemotherapie sensibilisieren.

Einschränkungen: Es gibt keine Phase-3-RCT. Sicherheits- und Ansprechsignale stammen überwiegend aus kleinen einarmigen Studien. Die Wirksamkeit ist nicht belegt. Die Studienliste im Datensatz ist gekürzt (10 von 27 Studien dargestellt).

Klinische Studien (Auswahl)

Studiennummer Phase Status Teilnehmer Kernaussagen
NCT00512252 Phase 1/2 Abgeschlossen 52 AMD3100 plus Mitoxantron, Etoposid und Cytarabin bei rezidivierter/refraktärer AML
NCT00906945 Phase 1/2 Abgeschlossen 39 Chemosensibilisierung mit Plerixafor plus G-CSF bei rezidivierter/refraktärer AML
NCT00990054 Phase 1 Abgeschlossen 36 Dosiseskalation mit Cytarabin und Daunorubicin („7+3“) bei neu diagnostizierter AML
NCT01319864 Phase 1 Abgeschlossen 20 Plerixafor als Chemosensibilisator bei rezidivierter akuter Leukämie/MDS im Kindesalter
NCT02605460 Phase 2 Unbekannt 20 CXCR4-Antagonist zur Chemosensibilisierung vor Stammzelltransplantation bei akuter Leukämie in Remission
NCT01160354 Phase 1/2 Abgebrochen 22 Plerixafor plus Clofarabin bei älteren, unbehandelten AML-Patienten; vorzeitig beendet
NCT00822770 Phase 1/2 Abgeschlossen 47 G-CSF und Plerixafor mit Busulfan/Fludarabin vor allogener Transplantation bei myeloischen Leukämien
NCT01141543 k. A. Abgeschlossen 12 Mobilisierung von Leukämiezellen im myeloablativen Konditionierungsregime bei AML
NCT01455025 Phase 1 Abgebrochen 11 Dosiseskalation mit Induktions- und Konsolidierungschemotherapie bei rezidivierter AML
NCT01352650 Phase 1 Abgeschlossen 71 Decitabin plus Plerixafor-Priming bei AML ab 60 Jahren

Literatur (Auswahl)

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
32877869 2020 Systematische Übersicht/Metaanalyse Leukemia Research Plerixafor mit Chemotherapie und/oder Transplantation bei akuter Leukämie; Auswertung präklinischer und klinischer Studien
39261603 2024 Review Leukemia CXCR4 als therapeutisches Ziel bei AML
22308295 2012 Phase-1/2-Studie Blood Chemosensibilisierung mit Plerixafor bei rezidivierter/refraktärer AML (52 Patienten)
29392425 2018 Phase-1/2-Studie Annals of Hematology PLERIFLAG-Regimen bei früh rezidivierter/refraktärer AML
29724902 2018 Phase-1-Studie Haematologica Plerixafor plus Decitabin bei älteren, neu diagnostizierten AML-Patienten (69 behandelt)
32697348 2020 Phase-1-Studie American Journal of Hematology Sorafenib, G-CSF und Plerixafor bei rezidivierter/refraktärer FLT3-ITD-mutierter AML (28 Patienten)
30654137 2019 Phase-1-Studie Biology of Blood and Marrow Transplantation Sicherheit und Verträglichkeit von Plerixafor im myeloablativen Konditionierungsregime bei AML
32079173 2020 Review Biology CXCR4-Antagonisten als Mobilisatoren und Therapiesensibilisatoren bei AML und Glioblastom

Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen laut Wissensgraph (PrimeKG, kein Packungsbeilagentext): Thrombozytopenie, Nierenfunktionsstörung, Leukämie. Diese Angaben sind als Hinweis zu verstehen und müssen anhand der Fachinformation überprüft werden.
  • Wechselwirkungen (pharmakologische Zielstrukturen): CXCR4 und ACKR3. Es handelt sich um Zielstrukturen, nicht um Arzneimittel-Wechselwirkungen mit Schweregrad.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Packungsbeilage bzw. Fachinformation heranziehen. Die Daten daraus konnten für diesen Bericht nicht ausgewertet werden.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Für das indolente Plasmazellmyelom gibt es weder Studien noch Literatur. Der hohe Vorhersagewert beruht allein auf der Nähe zur zugelassenen Myelom-Indikation (Evidenzlevel L5).

Für das weitere Vorgehen wird Folgendes benötigt:

  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) als Voraussetzung für die Sicherheitsprüfung
  • Präklinische oder frühe klinische Daten zu Plerixafor beim schwelenden Myelom
  • Mechanismusdaten aus DrugBank
  • Klärung des Zulassungs- und Verfügbarkeitsstatus in Deutschland
  • Alternativ: Fokus auf die myeloische Leukämie, wo mehrere Phase-1/2-Studien vorliegen. Dort wäre zunächst eine kontrollierte Phase-2/3-Studie nötig, um die Wirksamkeit zu prüfen.

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.