Raltegravir
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 3 |
Inhaltsverzeichnis
Raltegravir: Von HIV-Infektion zu felinem erworbenem Immundefizienz-Syndrom
Zusammenfassung
Raltegravir ist ein HIV-1-Integrase-Strangtransfer-Inhibitor und wurde ursprünglich zur Behandlung von HIV-Infektionen eingesetzt. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit gegen das feline erworbene Immundefizienz-Syndrom voraus. Dafür liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine klinischen Studien und keine Publikationen vor; es handelt sich um eine reine Modellvorhersage.
Kurzüberblick
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | HIV-Infektionen |
| Vorhergesagte neue Indikation | Felines erworbenes Immundefizienz-Syndrom (veterinärmedizinische Indikation) |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,78 % |
| Evidenzniveau | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/widerrufene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Raltegravir die Integrase von HIV-1 hemmt und damit den Einbau der viralen DNA in das Wirtsgenom blockiert. Das Felines Immundefizienzvirus (FIV) ist ein Lentivirus mit einer strukturell verwandten Integrase. Ein mechanistischer Ansatz ist daher denkbar.
Der hohe TxGNN-Wert (0,998) spiegelt jedoch wahrscheinlich vor allem die Ähnlichkeit der Erkrankung zur ursprünglichen HIV-Indikation im Wissensgraphen wider und ist kein eigenständiger Wirksamkeitsbeleg. Alle drei vorhergesagten Indikationen haben nahezu identische Werte, was auf eine Eigenheit der Score-Verteilung hindeuten kann. Zudem handelt es sich um eine veterinärmedizinische Indikation, sodass die Relevanz für das Repurposing beim Menschen begrenzt ist.
Weitere Vorhersagen im Überblick:
- Infektion mit dem Simianen Immundefizienzvirus (SIV) (Score 99,78 %, Evidenzniveau L3): Es liegen präklinische Studien an Primaten und In-vitro-Arbeiten vor, z. B. zum Ansprechen von SIVmac251 auf Raltegravir (PMID 20233398), zu Resistenzmutationen bei SIV-infizierten Rhesusaffen (PMID 29466356) und zum Postexpositionsschutz von Makaken durch topische Integrase-Inhibitoren (PMID 24622515). Diese Daten sind vor allem als Tiermodell für HIV nützlich, nicht als neue Indikation beim Menschen. Es wurden nur 10 der 16 aufgeführten Publikationen bereitgestellt; die Einordnung beruht teils nur auf Titeln.
- Neuroentwicklungsstörung mit ataktischem Gang, fehlender Sprache und verminderter kortikaler weißer Substanz (Score 99,77 %, Evidenzniveau L5): Es wurde kein plausibler mechanistischer Zusammenhang zur Integrase-Hemmung identifiziert, und es liegen keine Studien oder Literatur vor.
Klinische Evidenz
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
Für die Hauptvorhersage (felines erworbenes Immundefizienz-Syndrom) liegen derzeit keine zugehörigen Publikationen vor.
Für die zweitplatzierte Vorhersage (SIV-Infektion) liegen ausschließlich präklinische Arbeiten vor, u. a.:
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussage |
|---|---|---|---|---|
| 20233398 | 2010 | Präklinisch | Retrovirology | Ansprechen von SIVmac251 auf Raltegravir; neues ART-Schema aus zwei Nt/NRTIs plus Raltegravir bei Affen |
| 29466356 | 2018 | Präklinisch | PloS one | Resistenzmutationen bei SIV-infizierten Rhesusaffen unter nicht supprimierender ART (u. a. mit Raltegravir) |
| 24622515 | 2014 | Präklinisch | Science Translational Medicine | Postexpositionsschutz von Makaken vor vaginaler SHIV-Infektion durch topische Integrase-Inhibitoren |
| 29643246 | 2018 | Präklinisch | Journal of Virology | Dynamik von SIV-2-LTR-Zirkeln unter Integrase-Hemmung mit und ohne CD8+-Zellen |
| 22737073 | 2012 | Präklinisch | PLoS Pathogens | Stark intensivierte ART führt zu langfristiger Virussuppression im Affenmodell |
| 26378179 | 2015 | Präklinisch | Journal of Virology | Resistenzprofile von Integrase-Inhibitoren bei SIVmac239 |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/000860 | Isentress | – | HIV-Infektionen (Status: erloschen) |
Sicherheitsaspekte
- Mögliche Kontraindikationen (aus dem Wissensgraphen, nicht aus der Fachinformation): Myopathie, Muskelerkrankung, Skelettmuskelerkrankung, familiäre periodische Paralyse, Rhabdomyolyse, noduläre Fasziitis.
- Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 36 Wechselwirkungen erfasst. Wichtigste Einträge:
- Schwerwiegend (Major): Zinksulfat, Zinkacetat, Aluminiumhydroxid, Calciumcarbonat
- Moderat: Magnesiumoxid, Magnesiumsulfat, Magnesiumchlorid, Orlistat
- Gering (Minor): u. a. Famotidin, Ranitidin, Cimetidin, Nizatidin sowie Protonenpumpenhemmer (Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol, Lansoprazol, Rabeprazol, Dexlansoprazol), Pioglitazon, Dexamethason
Für weitere Sicherheitsinformationen bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Für die Hauptvorhersage liegen weder klinische Studien noch Literatur vor (Evidenzniveau L5), und es handelt sich um eine veterinärmedizinische Indikation. Die SIV-Daten sind rein präklinisch und eher als Translationsmodell für HIV relevant. Zudem ist die einzige deutsche Zulassung erloschen.
Für ein Fortschreiten sind folgende Schritte erforderlich:
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) ergänzen, z. B. über die DrugBank-API
- Fachinformation (Warnhinweise und Kontraindikationen) von der BfArM-Website beschaffen und auswerten; ohne diese ist ein Sicherheits-Screening nicht möglich
- Prüfung der Aktivität gegen FIV-Integrase in vitro bzw. in veterinärmedizinischen Studien
- Klärung, ob eine veterinärmedizinische Indikation im Rahmen des Humanarzneimittel-Repurposings überhaupt verfolgt werden soll
- Für die Neuroentwicklungsstörung: zunächst Target- bzw. Signalweg-Identifikation
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.