Regorafenib
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 8 |
Inhaltsverzeichnis
Regorafenib: Vom kolorektalen Karzinom zum Liposarkom
Zusammenfassung
Regorafenib ist ein oraler Multikinase-Inhibitor, der ursprünglich zur Behandlung des kolorektalen Karzinoms eingesetzt wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Liposarkom wirksam sein könnte. Dafür liegen 1 klinische Studie und 9 Publikationen vor. Die vorliegenden Daten sprechen in der Summe jedoch eher gegen einen routinemäßigen Einsatz bei Liposarkom (siehe unten).
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Kolorektales Karzinom (Colorectal Neoplasms) |
| Vorhergesagte neue Indikation | Liposarkom |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,76 % |
| Evidenzstufe | L1 (formale Einstufung; siehe Hinweis im Abschnitt Literatur) |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/gelöschte Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (gelöscht) |
| Empfohlene Entscheidung | Proceed with Guardrails (mit Vorbehalt, siehe Fazit) |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Regorafenib ist ein oraler Multikinase-Inhibitor, der angiogene (VEGFR1-3, TIE2), stromale (PDGFR, FGFR) und onkogene Kinasen (KIT, RET, RAF) hemmt. Detaillierte Mechanismusdaten aus der Arzneimitteldatenbank liegen für diesen Bericht nicht vor; die Angaben stammen aus der kompilierten Literatur.
Beim kolorektalen Karzinom hat Regorafenib nach Ausschöpfung der Standardtherapien einen Überlebensvorteil gezeigt. Eine antiangiogene und antiproliferative Wirkung ist mechanistisch auch bei Weichteilsarkomen denkbar, einschließlich des Liposarkoms.
Die Evidenz ist für das Liposarkom allerdings weniger direkt als für andere Sarkomsubtypen. Die randomisierte, placebokontrollierte Phase-II-Studie REGOSARC zeigte eine Wirksamkeit bei nicht-adipozytären Sarkomen (z. B. Leiomyosarkom, Synovialsarkom), nicht aber beim Liposarkom. Die Liposarkom-Kohorte der Studie SARC024 bestätigte dies und stützt den routinemäßigen Einsatz nicht.
Klinische Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmer | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT02048371 | Phase 2 | Abgeschlossen | 131 | SARC024: Rahmenprotokoll zu oralem Regorafenib bei ausgewählten Sarkomsubtypen, u. a. Liposarkom-Kohorte |
Literatur
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 32701199 | 2020 | RCT | The Oncologist | SARC024, Liposarkom-Kohorte: Ergebnisse stützen den routinemäßigen Einsatz von Regorafenib nicht |
| 27751846 | 2016 | RCT | Lancet Oncology | REGOSARC: placebokontrollierte Phase-II-Studie bei fortgeschrittenem Weichteilsarkom nach Anthrazyklin |
| 29902612 | 2018 | RCT | Eur J Cancer | REGOSARC-Update: Wirksamkeit bei nicht-adipozytärem Sarkom, nicht aber beim Liposarkom |
| 28295221 | 2017 | RCT-Sekundäranalyse | Cancer | Q-TWiST-Analyse zum klinischen Nutzen von Regorafenib bei REGOSARC |
| 29931504 | 2018 | Review | Targeted Oncology | Zunehmende Rolle von Regorafenib bei Sarkomen |
| 40975452 | 2025 | Review | Crit Rev Oncol Hematol | Erhaltungstherapie nach Erstlinienbehandlung bei fortgeschrittenem Weichteilsarkom |
| 25884155 | 2015 | Studienprotokoll | BMC Cancer | Protokoll der REGOSARC-Studie |
| 33290314 | 2021 | Retrospektive Studie | Anti-Cancer Drugs | Anlotinib (anderer TKI) bei gut/dedifferenziertem Liposarkom |
| 26266019 | 2015 | Fallbericht | Rare Tumors | Pazopanib bei extraossärem Ewing-Sarkom; Begründung für einen Ewing-Arm in SARC024 |
Hinweis: Die Einstufung als L1 beruht auf dem Vorliegen randomisierter kontrollierter Studien. Diese sind jedoch beim Liposarkom überwiegend negativ.
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/002573 | Stivarga (Bayer Pharma AG) | – | Kolorektales Karzinom (Status: gelöscht) |
Zytotoxizität
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Klassifikation | Zielgerichtete Therapie (oraler Multikinase-Inhibitor) |
| Myelosuppressionsrisiko | Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten |
| Emetogenität | Bitte Fachinformation beachten |
| Überwachungsparameter | Aus der Literatur: Leberfunktion (Hepatotoxizität bei antiangiogenen TKIs), Blutdruck, Proteinurie, Hand-Fuß-Hautreaktion; zusätzlich großes Blutbild und Nierenfunktion |
| Schutzmaßnahmen bei der Handhabung | Bitte Fachinformation beachten |
Sicherheitsaspekte
Arzneimittelwechselwirkungen: Die Abfrage ergab 100 Wechselwirkungen. Beispiele für schwerwiegende (Major) Wechselwirkungen:
- Acetylsalicylsäure
- Deferasirox
- Ibritumomab tiuxetan
- Tositumomab (inkl. I-131)
- Abciximab
- Alteplase
- Antithrombin III (human)
- Apixaban
Mäßige (Moderate) Wechselwirkungen bestehen u. a. mit Dexamethason, Clarithromycin, Naltrexon, Rosuvastatin und Cobicistat. Die Häufung bei Gerinnungshemmern und Thrombolytika erfordert besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich des Blutungsrisikos.
Weitere Sicherheitsinformationen (Warnhinweise, Gegenanzeigen) bitte der Fachinformation entnehmen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Proceed with Guardrails (nur mit starken Einschränkungen)
Begründung: Formal liegen randomisierte Studien vor (Evidenzstufe L1). Die Ergebnisse beim Liposarkom sind jedoch negativ: Sowohl REGOSARC als auch die Liposarkom-Kohorte von SARC024 sprechen gegen einen routinemäßigen Einsatz. Ein Einsatz käme allenfalls in Kombinationsansätzen oder klar definierten Subgruppen in Betracht. Zudem ist die deutsche Zulassung erloschen.
Für das weitere Vorgehen erforderlich:
- Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) von BfArM/EMA beschaffen; dies ist derzeit eine blockierende Datenlücke für die Sicherheitsprüfung
- Mechanismusdaten (MOA) aus der Arzneimitteldatenbank ergänzen
- Prüfen, ob Kombinationsansätze oder biomarkerdefinierte Liposarkom-Subgruppen sinnvoll sind
- Klären, ob die Marktverfügbarkeit in Deutschland anderweitig gesichert ist (Zulassung derzeit gelöscht)
Weitere Vorhersagen (kurzer Überblick):
- Klarzelliges Nierenzellkarzinom (Score 99,47 %, Evidenzstufe L3): Phase-II-Studie bei unbehandeltem metastasiertem RCC (PMID 22959186) und präklinische Hinweise (PMID 41324163); als Forschungsfrage einzustufen.
- Ovarielles myxoides Liposarkom, RCC-Subtypen (Xp11.2/TFE3, Neuroblastom-assoziiert, unklassifiziert), kindliches Nierenzellkarzinom, Vulvasarkom: ausschließlich Modellvorhersage ohne Studien oder Literatur (Evidenzstufe L5, Entscheidung: Hold).
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.