Remdesivir
| Evidenzniveau: L4 | Vorhergesagte Indikationen: 6 |
Inhaltsverzeichnis
Remdesivir: Von COVID-19 zu HIV-Infektionskrankheit
Zusammenfassung
Remdesivir ist ein antivirales Nukleotid-Analogon, das ursprünglich zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass es bei einer HIV-Infektionskrankheit wirksam sein könnte. Dafür liegen jedoch nur 1 klinische Studie (eine Pharmakokinetik-Studie bei gesunden Probanden) und keine Literatur mit direktem HIV-Bezug vor. Die Evidenz ist daher sehr schwach.
Hinweis zur Auswahl: Die Vorhersage mit dem höchsten TxGNN-Score (Rang 1, multiple endokrine Neoplasie, 99,50 %) hat weder Studien noch Literatur und keinen erkennbaren Wirkmechanismus. Dieser Bericht konzentriert sich deshalb auf die am besten belegte Vorhersage (Rang 2, HIV). Die übrigen Vorhersagen sind am Ende aufgeführt.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | COVID-19-Virusinfektion |
| Vorhergesagte neue Indikation | HIV-Infektionskrankheit |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,32 % |
| Evidenzstufe | L4 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/widerrufene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (davon 0 gültig, 1 erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Remdesivir ist ein Nukleotid-Analogon-Prodrug, das die virale RNA-abhängige RNA-Polymerase hemmt. Seine Wirksamkeit bei COVID-19 ist belegt, und mechanistisch lässt sich ein breites antivirales Prinzip auf andere RNA-Viren übertragen.
Die Plausibilität bei HIV ist jedoch nur lose. HIV ist zwar ein RNA-Virus, repliziert sich aber über die reverse Transkriptase und die Integration von proviraler DNA. Remdesivir ist kein etabliertes Anti-HIV-Mittel. Die Vorhersage dürfte vor allem auf der Nähe im Wissensgraphen beruhen (Nukleotid-Analoga, Virusinfektionen) und nicht auf direkten Belegen.
Evidenz aus klinischen Studien
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| NCT04385719 | Phase 2 | Abgeschlossen | 24 | Offene, randomisierte Einmalgabe-Studie (i.v.) bei gesunden Probanden in Uganda zum Einfluss fixer Kombinationen aus Tenofovir/Lamivudin bzw. Atazanavir/Ritonavir auf die Pharmakokinetik von Remdesivir. Es handelt sich um eine Wechselwirkungs-/PK-Studie, nicht um eine Wirksamkeitsstudie bei HIV. |
Literaturevidenz
Die abgerufene Literatur betrifft überwiegend COVID-19 und liefert für HIV nur indirekte Hinweise.
| PMID | Jahr | Typ | Fachzeitschrift | Kernaussagen |
|---|---|---|---|---|
| 33264556 | 2021 | RCT | N Engl J Med | Zwischenergebnisse der WHO-Solidarity-Studie zu umgewidmeten Virostatika (u. a. Remdesivir) bei COVID-19 |
| 38675889 | 2024 | RCT | Viruses | Keine Remdesivir-Resistenz in den Phase-3-SIMPLE-Studien bei COVID-19 |
| 35817072 | 2022 | RCT | Lancet Respir Med | Tixagevimab-Cilgavimab bei hospitalisierten COVID-19-Patienten, die Remdesivir erhielten |
| 34696838 | 2021 | Übersichtsarbeit | The Enzymes | Hemmmechanismen der viralen RNA-Replikation durch Nukleotid-Analoga, im Vergleich zu HIV-Reverse-Transkriptase und HCV-RdRp |
| 34859557 | 2022 | Beobachtungsstudie | HIV Medicine | Hohe Häufigkeit potenzieller Wechselwirkungen zwischen antiretroviraler Therapie und COVID-19-Medikamenten bei HIV-positiven Patienten |
| 35229634 | 2022 | Präklinisch | mBio | Cobicistat wirkt in vitro synergistisch mit Remdesivir gegen SARS-CoV-2 und senkt Viruslast im Hamstermodell |
| 33002954 | 2020 | Übersichtsarbeit | Curr Opin HIV AIDS | Überblick über umgewidmete Arzneimittel gegen SARS-CoV-2 |
| 32587649 | 2020 | Übersichtsarbeit | J Clin Med Res | Medizinisches Management von COVID-19, einschließlich Notfallzulassung von Remdesivir |
| 36097825 | 2023 | Kohortenstudie | Clin Infect Dis | Subgenomische RNA zur Überwachung des Ansprechens auf Remdesivir bei COVID-19 |
| 41136410 | 2025 | Übersichtsarbeit | Nat Rev Dis Primers | Überblick über die akute SARS-CoV-2-Infektion |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005622 | Veklury (Gilead Sciences Ireland UC) | – | COVID-19-Virusinfektion (Status: erloschen) |
Sicherheitsaspekte
Arzneimittelwechselwirkungen: Für die Abfrage liegen 100 Einträge vor, die gelisteten sind alle als mäßig eingestuft (Quelle: DDInter). Beispiele:
- Antibiotika: Doxycyclin, Minocyclin, Tetracyclin, Clarithromycin, Levofloxacin, Vancomycin, Kanamycin, Neomycin
- Antimykotika: Amphotericin B (einschließlich Lipidkomplex)
- Antidiabetika: Acarbose, Pioglitazon
- Weitere: Bupropion, Naltrexon, Mesalazin, Balsalazid, Olsalazin, Chenodesoxycholsäure, Oxandrolon, Oxymetholon
Zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen liegen keine Daten vor. Bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Der hohe TxGNN-Wert wird durch keine direkte klinische Evidenz gestützt. Die einzige verknüpfte Studie ist eine PK-Studie bei Gesunden, die Literatur betrifft COVID-19, und Remdesivir ist kein etablierter Wirkstoff gegen HIV. Zudem besteht in Deutschland derzeit keine gültige Zulassung.
Für ein Weiterkommen erforderlich:
- Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank
- Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation (derzeit blockierende Datenlücke für das Sicherheits-Screening)
- Präklinische In-vitro-Daten zur Aktivität gegen HIV
- Klärung des aktuellen Zulassungsstatus in Deutschland
Übrige Vorhersagen (alle: Hold)
| Rang | Vorhergesagte Indikation | TxGNN-Wert | Evidenzstufe | Einschätzung | |------|------|------|------|------| | 1 | Multiple endokrine Neoplasie | 99,50 % | L5 | Kein erkennbarer Mechanismus (erbliches Tumorsyndrom); keine Studien oder Literatur | | 3 | Infektion mit Simian-Immundefizienz-Virus | 99,07 % | L5 | Wahrscheinlich Übertragung aus der HIV-Assoziation; tierische Infektion, allenfalls präklinisches Modell | | 4 | Felines erworbenes Immundefizienzsyndrom | 99,07 % | L5 | Veterinärindikation, außerhalb des humanmedizinischen Repurposing-Rahmens | | 5 | Neuroentwicklungsstörung mit ataktischem Gang, fehlender Sprache und verminderter kortikaler weißer Substanz | 99,03 % | L5 | Kein plausibler Mechanismus; seltene genetische Erkrankung | | 6 | Homozygote familiäre Hypercholesterinämie | 99,03 % | L5 | Kein plausibler Mechanismus (Defekte des LDL-Rezeptor-Wegs); keine Evidenz |
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.