Reteplase

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Reteplase
  2. Reteplase: Von Myokardinfarkt zu posterolateralem Myokardinfarkt
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Studienevidenz
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Reteplase: Von Myokardinfarkt zu posterolateralem Myokardinfarkt

Zusammenfassung

Reteplase ist ein rekombinanter Gewebeplasminogenaktivator (Thrombolytikum), der ursprünglich zur Behandlung des akuten Myokardinfarkts zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei posterolateralem Myokardinfarkt wirksam sein könnte. Dabei handelt es sich jedoch um einen anatomischen Untertyp der bereits zugelassenen Indikation und nicht um eine echte neue Indikation. Die Evidenz ist gering: 0 klinische Studien und 1 Publikation (ein Fallbericht, der Reteplase nicht untersucht).


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Myokardinfarkt
Vorhergesagte neue Indikation Posterolateraler Myokardinfarkt
TxGNN-Vorhersagewert 99,90 %
Evidenzgrad L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/widerrufene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Reteplase ist ein rekombinanter Gewebeplasminogenaktivator. Er aktiviert Plasminogen zu Plasmin und löst dadurch Fibrinthromben (Thrombolyse) in verschlossenen Koronararterien auf. Seine Wirksamkeit beim akuten Myokardinfarkt ist etabliert.

Der posterolaterale Myokardinfarkt ist ein anatomischer Untertyp des Myokardinfarkts. Der Mechanismus (Wiedereröffnung des thrombotisch verschlossenen Koronargefäßes) ist daher grundsätzlich übertragbar. Der sehr hohe TxGNN-Wert spiegelt wahrscheinlich die Nähe in der Krankheitsontologie zur ursprünglichen Indikation wider und nicht neue Evidenz. Es handelt sich somit nicht um einen echten Repurposing-Kandidaten.

Weitere Vorhersagen mit hohen Werten sind teils ebenfalls Untertypen des Infarkts (posteroinferior, septal), teils mechanistisch kaum plausibel (z. B. Chromosomendeletion, Glukosephosphat-Isomerase-Mangel, wahrscheinlich Artefakte des Graphen).


Klinische Studienevidenz

Derzeit sind keine einschlägigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
21351226 2011 Fallbericht Catheterization and Cardiovascular Interventions Primäre PCI mit Drug-Eluting-Stents bei ungeschütztem Hauptstamm in einem 37-jährigen Patienten mit posterolateralem Infarkt, unterstützt durch intrakoronares Reteplase. Einzelfall, keine Wirksamkeitsprüfung.

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000105 Rapilysin – Myokardinfarkt

Diese Zulassung ist erloschen bzw. widerrufen (Status: cancelled). Zulassungsinhaber war Actavis Group PTC ehf.


Sicherheitsaspekte

  • Arzneimittelwechselwirkungen: Die Abfrage ergab insgesamt 100 Wechselwirkungen (Quelle: DDInter). Beispiele:
    • Schwerwiegend (Major): Abciximab, Apixaban, Betrixaban, Acalabrutinib, Avapritinib, Deferasirox, Ibritumomab tiuxetan, Tositumomab. Meist handelt es sich um additive Blutungsrisiken.
    • Moderat: Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Ketorolac, Celecoxib, Diclofenac (topisch), Aminocapronsäure, Omega-3-Fettsäuren, Fenfluramin, Dexfenfluramin, Sibutramin.

Weitere Sicherheitsinformationen (Warnhinweise, Gegenanzeigen) entnehmen Sie bitte der Fachinformation.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage betrifft einen Untertyp der bereits zugelassenen Indikation Myokardinfarkt, keine neue Indikation. Es gibt keine klinischen Studien, und der einzige Literaturnachweis ist ein Fallbericht, der Reteplase nicht untersucht. Zudem ist die deutsche/europäische Zulassung erloschen.

Für ein Weiterkommen sind folgende Schritte erforderlich:

  • Klärung, ob eine Bewertung als eigenständige Indikation überhaupt sinnvoll ist (da Untertyp der zugelassenen Indikation)
  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) aus DrugBank ergänzen
  • Warnhinweise und Gegenanzeigen aus der Fachinformation (BfArM/EMA) beschaffen, da dies derzeit ein blockierender Datenmangel für die Sicherheitsprüfung ist
  • Klärung der Gründe für das Erlöschen der Zulassung und der aktuellen Verfügbarkeit
  • Prüfung der Studien GUSTO-V und SPEED (PMID 15800019, 11079647) auf Design und Relevanz, sofern ein breiterer Koronarkontext verfolgt wird

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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