Rilpivirine

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 5

Inhaltsverzeichnis

  1. Rilpivirine
  2. Rilpivirin: Von HIV-Infektion zu felinem erworbenem Immundefizienzsyndrom
    1. Zusammenfassung
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Evidenz
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Rilpivirin: Von HIV-Infektion zu felinem erworbenem Immundefizienzsyndrom

Zusammenfassung

Rilpivirin ist ein nicht-nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI), der ursprünglich zur Behandlung von HIV-Infektionen zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei dem felinen erworbenen Immundefizienzsyndrom (Katzen-Immunschwäche) wirksam sein könnte. Dafür liegen bislang keine klinischen Studien und eine Publikation (präklinische biochemische/strukturelle Studie) vor.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation HIV-Infektionen
Vorhergesagte neue Indikation Felines erworbenes Immundefizienzsyndrom
TxGNN-Vorhersagewert 99,97 %
Evidenzgrad L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/aufgehobene Zulassungen
Anzahl der Zulassungen 6 (alle aufgehoben)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus von Rilpivirin liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Rilpivirin gehört zur Klasse der NNRTI, seine Wirksamkeit bei HIV-Infektionen ist belegt, und es hemmt die Reverse Transkriptase von HIV-1.

Das Felines Immundefizienzvirus (FIV) ist ein Lentivirus, dessen Reverse Transkriptase mit jener von HIV-1 verwandt ist. Eine biochemische und strukturelle Studie aus dem Jahr 2023 verglich NNRTIs (Nevirapin, Efavirenz, Rilpivirin) gegen FIV und HIV. Mechanistisch ist eine Anwendbarkeit daher denkbar.

Wichtige Einschränkungen: Die Evidenz ist indirekt und stammt aus In-vitro- bzw. Strukturuntersuchungen. Unterschiede in der NNRTI-Bindungstasche zwischen FIV- und HIV-1-Reverse-Transkriptase können die Aktivität begrenzen. Zudem handelt es sich um eine veterinärmedizinische Indikation, nicht um eine neue Erkrankung beim Menschen. Der Repurposing-Wert für die Humanmedizin ist daher gering.


Klinische Evidenz

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
38031646 2023 Präklinische biochemische/strukturelle Studie Journal of Veterinary Science Vergleich von Nevirapin, Efavirenz und Rilpivirin gegen die Reverse Transkriptase von FIV und HIV, um das Potenzial von NNRTIs bei FIV-Infektion der Katze zu untersuchen

Marktinformationen Deutschland

Alle sechs Zulassungen sind laut den Daten aufgehoben (zentrale EU-Zulassungen, EMEA-Nummern).

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005060 Rekambys – HIV-Infektionen
EMEA/H/C/002264 Edurant – HIV-Infektionen
EMEA/H/C/004427 Juluca – HIV-Infektionen
EMEA/H/C/004156 Odefsey – HIV-Infektionen
EMEA/H/C/002312 Eviplera – HIV-Infektionen

Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen laut Wissensgraph (PrimeKG, keine Packungsbeilagen-Angabe): Long-QT-Syndrom (auch familiär), Torsades de Pointes, Leberversagen und Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen, Gallenblasenerkrankungen, chronische Hepatitis-B-Infektion, Fettlebererkrankung/nichtalkoholische Steatohepatitis, Laktatazidose, Fanconi-Syndrom, Hypophosphatämie, Osteomalazie, Rachitis, Adipositas, Pyoureter sowie pathologische Frakturen.
  • Arzneimittelwechselwirkungen (100 Wechselwirkungen erfasst, Auswahl):
    • Schwerwiegend (Major): Famotidin, Ranitidin, Cimetidin, Omeprazol, Esomeprazol, Rabeprazol, Dexlansoprazol (Säureblocker/Protonenpumpenhemmer), Dexamethason, Cisapridin, Dolasetron
    • Moderat: Loperamid, Aprepitant, Clarithromycin, Clotrimazol, Bisacodyl, Ricinusöl, Magnesiumoxid, Aluminiumhydroxid, Calciumcarbonat, Polyethylenglykol

Für weitere Sicherheitsinformationen, insbesondere Warnhinweise, siehe die Fachinformation.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage stützt sich nur auf eine einzelne präklinische Studie ohne klinische Studien. Zudem handelt es sich um eine veterinärmedizinische Indikation, und alle deutschen Zulassungen von Rilpivirin sind aufgehoben.

Für ein Fortschreiten sind folgende Punkte nötig:

  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA)
  • Fachinformation mit Warnhinweisen und Kontraindikationen (aktuell nicht verfügbar)
  • Wirksamkeitsdaten gegen FIV in Zellkultur und im Tiermodell
  • Klärung, ob eine veterinärmedizinische Entwicklung überhaupt angestrebt wird

Hinweis zu weiteren Vorhersagen: Die Vorhersage „Simian-Immundefizienzvirus-Infektion" (Makakenmodelle mit lang wirksamem Rilpivirin, Evidenz L4) ist ein Tiermodell der bereits zugelassenen HIV-Indikation. „AIDS-related complex" und „angeborenes HIV" entsprechen im Wesentlichen der bestehenden Indikation. Für die Vorhersage „neurologische Entwicklungsstörung mit ataxischem Gang" gibt es weder Studien noch einen erkennbaren mechanistischen Zusammenhang (L5); der hohe Score ist vermutlich ein Artefakt des Graphen.

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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