Risankizumab

Evidenzniveau: L2 Vorhergesagte Indikationen: 10

Inhaltsverzeichnis

  1. Risankizumab
  2. Risankizumab: Von Psoriasis, psoriatischer Arthritis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu Dermatitis
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Schnellübersicht
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Klinische Evidenz
    5. Literaturevidenz
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Risankizumab: Von Psoriasis, psoriatischer Arthritis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu Dermatitis

Zusammenfassung in einem Satz

Risankizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper gegen die p19-Untereinheit von IL-23. Er ist ursprünglich für Psoriasis, psoriatische Arthritis, Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Dermatitis wirksam sein könnte. Dafür liegen 2 klinische Studien und 20 Publikationen vor. Die einzige randomisierte Phase-2-Studie bei atopischer Dermatitis zeigte jedoch keinen klaren Wirksamkeitsvorteil.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Psoriasis; psoriatische Arthritis; Colitis ulcerosa; Morbus Crohn
Vorhergesagte neue Indikation Dermatitis
TxGNN-Vorhersagewert 99,98 %
Evidenzniveau L2
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/aufgehobene Zulassung
Anzahl der Zulassungen 1
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Für diesen Bericht liegen keine detaillierten Daten zum Wirkmechanismus aus der Datenbank vor. Bekannt ist, dass Risankizumab die p19-Untereinheit von IL-23 hemmt. Die IL-23/Th17-Achse treibt Psoriasis und weitere entzündliche Hauterkrankungen an. Daraus ergibt sich eine mechanistische Plausibilität für Th17-dominierte Dermatitisformen.

Die atopische Dermatitis ist dagegen überwiegend Th2-getrieben (IL-4/IL-13). Die IL-23-Blockade passt hier mechanistisch weniger gut. Das Ergebnis der Phase-2-Studie und ein Fallbericht zur Kombination mit Dupilumab sprechen für eine begrenzte Wirksamkeit als Monotherapie.

Zudem gibt es in der Literatur Berichte über paradoxe Ekzeme unter IL-23- und IL-17-Inhibitoren (geschätzte Inzidenz 1–3 % bei Psoriasis-Patienten unter Biologika). Dies mahnt zur Vorsicht.


Klinische Evidenz

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Zentrale Ergebnisse
NCT03706040 Phase 2 Abgeschlossen 172 Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie zu Risankizumab bei mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis; die Ergebnisse zeigten keinen klaren Wirksamkeitsvorteil
NCT07352566 Phase 4 Noch nicht rekrutierend 10 Mikrogerät zur direkten Testung von Arzneimitteln auf der Haut bei atopischer Dermatitis und Psoriasis; Explorationsstudie ohne Wirksamkeitsdaten

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Journal Zentrale Ergebnisse
36588137 2023 RCT Dermatology and Therapy Phase-2-Studie zu Risankizumab bei mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (placebokontrolliert, doppelblind)
40856907 2025 Systematische Übersicht American Journal of Clinical Dermatology Systemische Therapien bei erythrodermischer Psoriasis
40794374 2025 Systematische Übersicht Inflammopharmacology Therapeutische und paradoxe Effekte von Interleukin-Inhibitoren bei Lichen planus
41822639 2026 Systematische Übersicht Cureus Kardiovaskuläre Ergebnisse unter Biologika bei entzündlichen Hauterkrankungen
39201826 2024 Übersichtsarbeit Children (Basel) Biologika und zielgerichtete Therapien bei pädiatrischer Alopecia areata, Psoriasis, atopischer Dermatitis und Hidradenitis suppurativa
31098898 2019 Übersichtsarbeit Drugs Erste globale Zulassung von Risankizumab (Japan, März 2019)
39668419 2025 Fallserie International Journal of Dermatology Kombination aus Dupilumab und Risankizumab bei gleichzeitiger atopischer Dermatitis und Psoriasis
41645692 2026 Fallbericht Dermatology Reports Upadacitinib bei durch IL-23-Inhibitoren ausgelöstem paradoxem Ekzem
36939506 2023 Fallbericht Italian Journal of Dermatology and Venereology Ekzematöse Eruption unter Risankizumab
33185530 2020 Fallbericht European Journal of Dermatology Ekzematöse Eruptionen bei Psoriasis-Patienten unter Risankizumab

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/004759 Skyrizi – Psoriasis; psoriatische Arthritis; Colitis ulcerosa; Morbus Crohn

Diese Zulassung ist laut den für diesen Bericht zusammengestellten Daten als erloschen/aufgehoben geführt.


Sicherheitsaspekte

Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 78 Wechselwirkungen erfasst. Hier eine Auswahl der Einträge der Stufe „Schwerwiegend" (Major):

  • Adalimumab
  • Baricitinib
  • Certolizumab pegol
  • Cladribin

Wechselwirkungen mittlerer Schwere (Moderate) bestehen unter anderem mit Tacrolimus, Ciclosporin, Azathioprin, Roflumilast, Anakinra, Alemtuzumab, Denosumab sowie mit Impfstoffen (u. a. Tetanustoxoid, Anthrax, Cholera-Lebendimpfstoff). Zinksalze sind nur von geringer Relevanz (Minor).

Weitere Hinweise: Berichte über paradoxe Ekzeme unter IL-23-Inhibitoren (siehe Literatur) sind für die Nutzen-Risiko-Bewertung bei Dermatitis besonders relevant.

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die einzige randomisierte Studie (Phase 2, atopische Dermatitis) zeigte keinen klaren Wirksamkeitsvorteil, und der Wirkmechanismus passt nur schwach zur Th2-getriebenen Erkrankung. Hinzu kommen Berichte über paradoxe Ekzeme unter IL-23-Hemmung. Die Zulassung in Deutschland ist zudem erloschen.

Für ein Weiterverfolgen sind folgende Schritte nötig:

  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen), da diese Daten derzeit fehlen
  • Detaillierte Mechanismusdaten (MOA) aus DrugBank
  • Genauere Analyse der Phase-2-Ergebnisse (NCT03706040, PMID 36588137), ggf. mit Fokus auf Th17-dominierte Dermatitis-Subtypen
  • Klärung des aktuellen Zulassungsstatus in Deutschland
  • Bewertung des Risikos paradoxer Ekzeme

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



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