Risankizumab
| Evidenzniveau: L2 | Vorhergesagte Indikationen: 10 |
Inhaltsverzeichnis
- Risankizumab
- Risankizumab: Von Psoriasis, psoriatischer Arthritis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu Dermatitis
Risankizumab: Von Psoriasis, psoriatischer Arthritis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu Dermatitis
Zusammenfassung in einem Satz
Risankizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper gegen die p19-Untereinheit von IL-23. Er ist ursprünglich für Psoriasis, psoriatische Arthritis, Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zugelassen. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei Dermatitis wirksam sein könnte. Dafür liegen 2 klinische Studien und 20 Publikationen vor. Die einzige randomisierte Phase-2-Studie bei atopischer Dermatitis zeigte jedoch keinen klaren Wirksamkeitsvorteil.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Psoriasis; psoriatische Arthritis; Colitis ulcerosa; Morbus Crohn |
| Vorhergesagte neue Indikation | Dermatitis |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,98 % |
| Evidenzniveau | L2 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene/aufgehobene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage plausibel?
Für diesen Bericht liegen keine detaillierten Daten zum Wirkmechanismus aus der Datenbank vor. Bekannt ist, dass Risankizumab die p19-Untereinheit von IL-23 hemmt. Die IL-23/Th17-Achse treibt Psoriasis und weitere entzündliche Hauterkrankungen an. Daraus ergibt sich eine mechanistische Plausibilität für Th17-dominierte Dermatitisformen.
Die atopische Dermatitis ist dagegen überwiegend Th2-getrieben (IL-4/IL-13). Die IL-23-Blockade passt hier mechanistisch weniger gut. Das Ergebnis der Phase-2-Studie und ein Fallbericht zur Kombination mit Dupilumab sprechen für eine begrenzte Wirksamkeit als Monotherapie.
Zudem gibt es in der Literatur Berichte über paradoxe Ekzeme unter IL-23- und IL-17-Inhibitoren (geschätzte Inzidenz 1–3 % bei Psoriasis-Patienten unter Biologika). Dies mahnt zur Vorsicht.
Klinische Evidenz
| Studiennummer | Phase | Status | Teilnehmerzahl | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| NCT03706040 | Phase 2 | Abgeschlossen | 172 | Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie zu Risankizumab bei mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis; die Ergebnisse zeigten keinen klaren Wirksamkeitsvorteil |
| NCT07352566 | Phase 4 | Noch nicht rekrutierend | 10 | Mikrogerät zur direkten Testung von Arzneimitteln auf der Haut bei atopischer Dermatitis und Psoriasis; Explorationsstudie ohne Wirksamkeitsdaten |
Literaturevidenz
| PMID | Jahr | Typ | Journal | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|
| 36588137 | 2023 | RCT | Dermatology and Therapy | Phase-2-Studie zu Risankizumab bei mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (placebokontrolliert, doppelblind) |
| 40856907 | 2025 | Systematische Übersicht | American Journal of Clinical Dermatology | Systemische Therapien bei erythrodermischer Psoriasis |
| 40794374 | 2025 | Systematische Übersicht | Inflammopharmacology | Therapeutische und paradoxe Effekte von Interleukin-Inhibitoren bei Lichen planus |
| 41822639 | 2026 | Systematische Übersicht | Cureus | Kardiovaskuläre Ergebnisse unter Biologika bei entzündlichen Hauterkrankungen |
| 39201826 | 2024 | Übersichtsarbeit | Children (Basel) | Biologika und zielgerichtete Therapien bei pädiatrischer Alopecia areata, Psoriasis, atopischer Dermatitis und Hidradenitis suppurativa |
| 31098898 | 2019 | Übersichtsarbeit | Drugs | Erste globale Zulassung von Risankizumab (Japan, März 2019) |
| 39668419 | 2025 | Fallserie | International Journal of Dermatology | Kombination aus Dupilumab und Risankizumab bei gleichzeitiger atopischer Dermatitis und Psoriasis |
| 41645692 | 2026 | Fallbericht | Dermatology Reports | Upadacitinib bei durch IL-23-Inhibitoren ausgelöstem paradoxem Ekzem |
| 36939506 | 2023 | Fallbericht | Italian Journal of Dermatology and Venereology | Ekzematöse Eruption unter Risankizumab |
| 33185530 | 2020 | Fallbericht | European Journal of Dermatology | Ekzematöse Eruptionen bei Psoriasis-Patienten unter Risankizumab |
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/004759 | Skyrizi | – | Psoriasis; psoriatische Arthritis; Colitis ulcerosa; Morbus Crohn |
Diese Zulassung ist laut den für diesen Bericht zusammengestellten Daten als erloschen/aufgehoben geführt.
Sicherheitsaspekte
Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 78 Wechselwirkungen erfasst. Hier eine Auswahl der Einträge der Stufe „Schwerwiegend" (Major):
- Adalimumab
- Baricitinib
- Certolizumab pegol
- Cladribin
Wechselwirkungen mittlerer Schwere (Moderate) bestehen unter anderem mit Tacrolimus, Ciclosporin, Azathioprin, Roflumilast, Anakinra, Alemtuzumab, Denosumab sowie mit Impfstoffen (u. a. Tetanustoxoid, Anthrax, Cholera-Lebendimpfstoff). Zinksalze sind nur von geringer Relevanz (Minor).
Weitere Hinweise: Berichte über paradoxe Ekzeme unter IL-23-Inhibitoren (siehe Literatur) sind für die Nutzen-Risiko-Bewertung bei Dermatitis besonders relevant.
Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die einzige randomisierte Studie (Phase 2, atopische Dermatitis) zeigte keinen klaren Wirksamkeitsvorteil, und der Wirkmechanismus passt nur schwach zur Th2-getriebenen Erkrankung. Hinzu kommen Berichte über paradoxe Ekzeme unter IL-23-Hemmung. Die Zulassung in Deutschland ist zudem erloschen.
Für ein Weiterverfolgen sind folgende Schritte nötig:
- Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen), da diese Daten derzeit fehlen
- Detaillierte Mechanismusdaten (MOA) aus DrugBank
- Genauere Analyse der Phase-2-Ergebnisse (NCT03706040, PMID 36588137), ggf. mit Fokus auf Th17-dominierte Dermatitis-Subtypen
- Klärung des aktuellen Zulassungsstatus in Deutschland
- Bewertung des Risikos paradoxer Ekzeme
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.