Risperidone
| Evidenzniveau: L5 | Vorhergesagte Indikationen: 6 |
Inhaltsverzeichnis
- Risperidone
- Risperidon: Von Schizophrenie zu familiärer horizontaler Blickparese mit progressiver Skoliose
Risperidon: Von Schizophrenie zu familiärer horizontaler Blickparese mit progressiver Skoliose
Zusammenfassung
Risperidon ist ein atypisches Antipsychotikum, das ursprünglich zur Behandlung der Schizophrenie zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei der familiären horizontalen Blickparese mit progressiver Skoliose voraus. Dafür gibt es derzeit keine klinischen Studien und keine Publikationen, die Vorhersage beruht allein auf dem Modell.
Schnellübersicht
| Punkt | Inhalt |
|---|---|
| Ursprüngliche Indikation | Schizophrenie |
| Vorhergesagte neue Indikation | Familiäre horizontale Blickparese mit progressiver Skoliose |
| TxGNN-Vorhersagewert | 99,76 % |
| Evidenzlevel | L5 |
| Marktstatus in Deutschland | Nur erloschene Zulassung |
| Anzahl der Zulassungen | 1 (erloschen) |
| Empfohlene Entscheidung | Hold |
Warum ist diese Vorhersage (nicht) plausibel?
Für diese Indikation ist kein mechanistischer Zusammenhang erkennbar. Die Erkrankung ist eine seltene genetische Störung (ROBO3-assoziiert), bei der die Axonführung im Hirnstamm gestört ist. Risperidon wirkt vor allem als Antagonist an Dopamin-D2- und Serotonin-5-HT2A-Rezeptoren. Diese Wirkung hat keine erkennbare Beziehung zu dieser Pathophysiologie.
Der hohe Modellwert (0,998) ist daher mit Vorsicht zu interpretieren. Er ist eine reine Modellvorhersage und wird weder durch Studien noch durch Literatur gestützt. Detaillierte Mechanismusdaten (MOA) liegen für diesen Bericht nicht vor.
Klinische Evidenz
Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.
Literaturevidenz
Derzeit ist keine zugehörige Literatur verfügbar.
Marktinformationen Deutschland
| Zulassungsnummer | Produktname | Darreichungsform | Zugelassene Indikation |
|---|---|---|---|
| EMEA/H/C/005406 (erloschen) | Okedi | nicht angegeben | Schizophrenie |
Es besteht keine gültige Zulassung. Die einzige erfasste Zulassung ist erloschen.
Sicherheitsaspekte
Die Packungsbeilage der Zulassungsbehörde konnte nicht ausgewertet werden. Bitte entnehmen Sie Warnhinweise und Gegenanzeigen der Fachinformation.
Kontraindikationen laut Wissensgraph (aus Wirkstoff-Erkrankungs-Beziehungen des Wissensgraphen, nicht aus dem Zulassungstext): Folgende Erkrankungen sind als problematisch markiert:
- Herz-Kreislauf: Herzerkrankungen, Erregungsleitungsstörungen, plötzlicher Herzstillstand, Myokardinfarkt, Schlaganfall und zerebrovaskuläre Erkrankungen, orthostatische Hypotonie, Hypotonie, posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom
- Stoffwechsel: Diabetes mellitus, Hyperglykämie, diabetische Ketoazidose, Hyperlipidämie (auch familiär), Adipositas
- Blutbild: Neutropenie, Agranulozytose, Hämoglobinopathie
- Leber und Galle: Leberversagen, Lebererkrankung, Gallenblasenerkrankung
- Neurologie und Sonstiges: Epilepsie, Multisystematrophie, weibliches Mammakarzinom
Arzneimittelwechselwirkungen: Insgesamt wurden 100 Wechselwirkungen erfasst. Zu den wichtigsten zählen:
- Schwerwiegend (Major): Bupropion, Morphin
- Moderat: u. a. Metformin, Acarbose, Alogliptin, Albiglutid, Canagliflozin, Famotidin, Epinephrin, Hydrocortison, Amphotericin B, Atropin, Glycopyrronium, Hyoscyamin, Loperamid, Lorcaserin, Bisacodyl, Clidinium
- Gering (Minor): Ranitidin
Fazit und nächste Schritte
Entscheidung: Hold
Begründung: Die Vorhersage stützt sich ausschließlich auf das Modell (L5). Es gibt weder Studien noch Publikationen noch einen plausiblen Wirkmechanismus. Zudem besteht in Deutschland keine gültige Zulassung.
Für ein Weiterkommen wäre erforderlich:
- Ein belastbarer biologischer Mechanismus, der D2/5-HT2A-Antagonismus mit der ROBO3-assoziierten Pathophysiologie verknüpft
- Präklinische Daten oder erste klinische Beobachtungen
- Auswertung der Fachinformation zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen
- Klärung der regulatorischen Verfügbarkeit (derzeit nur erloschene Zulassung)
Hinweis zu weiteren Vorhersagen: Für dieselbe Substanz liegen weitere Vorhersagen mit deutlich besserer Evidenz vor, die gesondert bewertet werden sollten:
- Major affective disorder (affektive Störung): Evidenzlevel L1 mit Empfehlung „Proceed with Guardrails". Grundlage sind unter anderem die Phase-3-Studien NCT00095134 (n=630) und NCT00044681 (n=258) zur Zusatzbehandlung bei therapieresistenter Depression sowie mehrere Metaanalysen. Zu überwachen wären Gewichtszunahme, Stoffwechselwirkungen, Hyperprolaktinämie und extrapyramidale Symptome.
- Trichotillomanie: Evidenzlevel L4 (Fallberichte und kleine Fallserien, keine kontrollierten Studien).
- Phelan-McDermid-Syndrom: Evidenzlevel L4 (Übersichtsarbeit und Zebrafischstudie).
Haftungsausschluss
Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.