Ritonavir

Evidenzniveau: L4 Vorhergesagte Indikationen: 3

Inhaltsverzeichnis

  1. Ritonavir
  2. Ritonavir: Von HIV-Infektion zur Simianen Immundefizienzvirus-Infektion
    1. Zusammenfassung in einem Satz
    2. Kurzüberblick
    3. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    4. Evidenz aus klinischen Studien
    5. Evidenz aus der Literatur
    6. Marktinformationen Deutschland
    7. Sicherheitsaspekte
    8. Fazit und nächste Schritte
    9. Haftungsausschluss

## Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Ritonavir: Von HIV-Infektion zur Simianen Immundefizienzvirus-Infektion

Zusammenfassung in einem Satz

Ritonavir ist ein HIV-Proteaseinhibitor, der ursprünglich zur Behandlung von HIV-Infektionen und (als Bestandteil von Paxlovid) von COVID-19 zugelassen wurde. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei der Simianen Immundefizienzvirus-(SIV-)Infektion wirksam sein könnte. Hierfür liegen keine klinischen Studien und 10 Publikationen vor, überwiegend aus Tier- und In-vitro-Studien.


Kurzüberblick

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation HIV-Infektion; COVID-19-Virusinfektion
Vorhergesagte neue Indikation Simiane Immundefizienzvirus-Infektion (SIV)
TxGNN-Vorhersagewert 99,92 %
Evidenzlevel L4
Marktstatus in Deutschland Nur erloschene/widerrufene Zulassungen
Anzahl der Zulassungen 5 (alle erloschen)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Für diesen Bericht liegen derzeit keine detaillierten Daten zum Wirkmechanismus vor. Ritonavir gehört nach allgemeinem Wissen zur Klasse der HIV-Proteaseinhibitoren. Seine Wirksamkeit bei HIV ist belegt, und mechanistisch könnte es auch bei SIV anwendbar sein. Die Mechanismusangaben stammen aus allgemeinem Fachwissen, nicht aus den für diesen Bericht zusammengestellten Daten.

SIV und HIV sind eng verwandte Lentiviren, und ihre Proteasen sind strukturell und funktionell ähnlich. In-vitro-Daten stützen dies: SIVmac239 wurde durch Ritonavir mit einer EC50 von etwa 13 nM gehemmt, HIV-1 mit etwa 25 nM (PMID 12709355).

Wichtig ist die Einordnung: SIV-Infektion ist ein Tiermodell für HIV und keine eigenständige humane Indikation. Das Ergebnis spiegelt im Wesentlichen die bestehende HIV-Anwendung wider und ist keine echte neue Repurposing-Chance.


Evidenz aus klinischen Studien

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Evidenz aus der Literatur

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
12709355 2003 In-vitro-Studie Antimicrob Agents Chemother SIVmac239 wird durch Ritonavir (EC50 ca. 13 nM) ähnlich wie HIV-1 (ca. 25 nM) gehemmt
15040537 2004 In-vitro-Studie Antivir Ther Empfindlichkeit von HIV-2, SIV und SHIV gegenüber verschiedenen Anti-HIV-1-Substanzen; Bedeutung für Therapie und Postexpositionsprophylaxe
16973590 2006 Tierstudie J Virol Rascher Viruszerfall bei SIV-infizierten Makaken unter antiretroviraler Vierfachtherapie
25033210 2014 Tierstudie PLoS One Kombinierte ART plus HDAC-Inhibitor SAHA bei SIV-infizierten Rhesusaffen
22737073 2012 Tierstudie PLoS Pathog Hochintensivierte ART führt zu langfristiger Virussuppression und Reservoirrestriktion im Affenmodell
12951220 2003 Tierstudie J Virol Methods Orale HAART inkl. Lopinavir/Ritonavir und Effekt auf CD8-Subpopulation bei SHIV-infizierten Affen
17350308 2007 Tierstudie Microbes Infect Neuartiges SHIV mit HIV-1-Protease als Modell für In-vivo-Tests von Proteaseinhibitoren
34903055 2021 Übersichtsarbeit mBio Lentivirale Infektionen persistieren im Gehirn trotz wirksamer ART
12186895 2002 In-vitro-Mechanismusstudie J Virol Verarbeitung des HIV-1-Vif-Proteins durch die virale Protease
9875393 1998 In-vitro-Studie Antivir Chem Chemother Breitspektrum-Antivirusaktivität eines Fluorchinolonderivats (andere Substanz, nur indirekter Bezug)

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/000127 Norvir – HIV-Infektion
EMEA/H/C/004549 Ritonavir Viatris (zuvor Ritonavir Mylan) – HIV-Infektion
EMEA/H/C/005973 Paxlovid – COVID-19-Virusinfektion
EMEA/H/C/004025 Lopinavir/Ritonavir Viatris (zuvor Ritonavir Mylan) – HIV-Infektion
EMEA/H/C/000368 Kaletra – HIV-Infektion

Alle fünf Zulassungen haben den Status „erloschen/widerrufen“; derzeit ist keine gültige Zulassung verzeichnet.


Sicherheitsaspekte

  • Kontraindikationen aus dem Wissensgraphen (PrimeKG, kein Packungsbeilagentext): Kardiale Erkrankungen (u. a. Long-QT-Syndrom, Torsade de pointes, plötzlicher Herzstillstand, Erregungsleitungsstörungen, AV-Block, Kardiomyopathie, koronare Herzkrankheit, myokardiale Ischämie); Leber- und Gallenerkrankungen (Lebererkrankung, Leberzirrhose, chronische Hepatitis B, Gallenblasenerkrankung, Hyperbilirubinämie, Gilbert-Syndrom); Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, Hyperglykämie, diabetische Ketoazidose, Hypertriglyzeridämie, familiäre kombinierte Hyperlipidämie, Hyperurikämie, Gicht, Kaliummangel); Pankreatitis; Hämophilie.
  • Arzneimittelwechselwirkungen (100 Einträge insgesamt, Auswahl):
    • Schwerwiegend (Major): Loperamid, Triamcinolon, Budesonid
    • Moderat: Acarbose, Hydrocortison, Albiglutid, Alogliptin, Metformin, Alosetron, Bupropion, Aprepitant, Dexamethason, Lorcaserin, Betamethason, Metronidazol, Canagliflozin, Chlorpropamid, Clarithromycin

Für weitere Sicherheitsinformationen (Warnhinweise, Gegenanzeigen laut Fachinformation) siehe bitte die Packungsbeilage.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Evidenz für die SIV-Infektion beschränkt sich auf präklinische Daten (In-vitro- und Affenstudien), und es gibt keine klinischen Studien. SIV ist ein Tiermodell für HIV, daher bietet die Vorhersage keine neue humane Repurposing-Chance. Zudem sind in Deutschland derzeit alle Zulassungen erloschen.

Für ein Weiterkommen erforderlich:

  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) ergänzen
  • Packungsbeilage (Warnhinweise und Gegenanzeigen) beim BfArM beschaffen und auswerten, da dies für das Sicherheits-Screening blockierend ist
  • Prüfen, ob die weiteren vorhergesagten Indikationen (felines erworbenes Immundefizienzsyndrom, neurologische Entwicklungsstörung mit ataktischem Gang) überhaupt sinnvoll sind; für beide liegen weder Studien noch Literatur vor, und die hohen Modellwerte sind vermutlich Artefakte des Graphen
  • Klären, ob eine humane Indikation mit klinischer Relevanz besteht, bevor weitere Ressourcen eingesetzt werden

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.



Back to top

Copyright © 2026 藥提醒科技有限公司 (yao.care). This report is for research purposes only and does not constitute medical advice.

This site uses Just the Docs, a documentation theme for Jekyll.