Selpercatinib

Evidenzniveau: L5 Vorhergesagte Indikationen: 3

Inhaltsverzeichnis

  1. Selpercatinib
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Selpercatinib: Pulmonale Hypertonie
    3. Zusammenfassung
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Klinische Evidenz
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Zytotoxizität
    10. Sicherheitsaspekte
    11. Fazit und nächste Schritte
    12. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Selpercatinib: Pulmonale Hypertonie

Zusammenfassung

Selpercatinib ist ein selektiver RET-Kinase-Inhibitor, der ursprünglich zur Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms und von Schilddrüsentumoren eingesetzt wird. Das TxGNN-Modell sagt voraus, dass er bei pulmonaler Hypertonie wirksam sein könnte. Dafür liegen keine klinischen Studien und keine direkt unterstützende Literatur vor (3 Publikationen betreffen ausschließlich die Anwendung bei Krebserkrankungen bzw. das Nebenwirkungsprofil). Die Vorhersage beruht allein auf dem Modell.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom; Schilddrüsenneoplasien
Vorhergesagte neue Indikation Pulmonale Hypertonie
TxGNN-Vorhersagewert 0,9918
Evidenzlevel L5
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 1 von 1)
Anzahl der Zulassungen 1 (gültig: 1)
Empfohlene Entscheidung Hold

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist: Selpercatinib ist ein selektiver Inhibitor der RET-Kinase, und seine Wirksamkeit bei RET-getriebenen Tumoren (Lungenkarzinom, Schilddrüsenkarzinom) gilt als belegt.

Ein direkter mechanistischer Zusammenhang zwischen RET-Hemmung und der Pathophysiologie der pulmonalen Hypertonie (Gefäßumbau der Lunge, endotheliale Dysfunktion) ist anhand der vorliegenden Daten nicht erkennbar. Kinase-Inhibitoren als Klasse werden zwar im Zusammenhang mit pulmonalem Gefäßumbau diskutiert (z. B. PDGFR-Hemmung), dies ist jedoch nicht RET-spezifisch und wird durch die vorliegende Evidenz nicht gestützt. Der hohe Modellwert ist daher als Hypothese zu verstehen, nicht als Beleg.

Weitere Vorhersagen des Modells mit ähnlich hohen Werten sind Migräne (0,9917) und Migräne mit Hirnstammaura (0,9905). Auch hierfür gibt es weder Studien noch Literatur oder einen belegten Mechanismus; die Hirnstammaura-Vorhersage ist zudem vermutlich stark mit der Migräne-Vorhersage korreliert und keine unabhängige Evidenz.


Klinische Evidenz

Derzeit sind keine zugehörigen klinischen Studien registriert.


Literaturevidenz

Die gefundenen Publikationen stützen die vorhergesagte Indikation nicht direkt; sie betreffen die Anwendung bei Krebserkrankungen bzw. die Sicherheit.

PMID Jahr Typ Journal Kernaussagen
39372206 2024 Kohortenstudie Frontiers in Pharmacology Vergleich der Nebenwirkungsprofile von Pralsetinib und Selpercatinib anhand von FDA-Meldedaten (FAERS)
34178121 2021 Kohortenstudie Therapeutic Advances in Medical Oncology Retrospektive Analyse (SIREN) zu Selpercatinib bei RET-Fusions-positivem NSCLC im Rahmen eines Zugangsprogramms
41918669 2026 Fallbericht Cureus Metastasiertes medulläres Schilddrüsenkarzinom bei MEN 2B (RET M918T): Herausforderungen der Langzeit- und Zieltherapie

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/005375 Retsevmo – Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom; Schilddrüsenneoplasien (Status: gültig)

Zytotoxizität

Punkt Inhalt
Zytotoxizitätsklassifikation Zielgerichtete Therapie (selektiver RET-Kinase-Inhibitor)
Myelosuppressionsrisiko Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Emetogenitätsklassifikation Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Überwachungsparameter Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten
Handhabungsschutz Bitte Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beachten

Sicherheitsaspekte

  • Arzneimittelwechselwirkungen: In den zusammengestellten Daten sind 100 Wechselwirkungen verzeichnet (Quelle: DDInter). Als schwerwiegend (Major) eingestuft sind u. a.:
    • Säureblocker bzw. Protonenpumpenhemmer: Famotidin, Ranitidin, Cimetidin, Omeprazol, Rabeprazol, Dexlansoprazol
    • Aprepitant
    • Clarithromycin
    • Dexamethason
    • Magnesiumoxid
  • Mäßig (Moderate) eingestuft sind u. a. Hydrocortison, Triamcinolon, Betamethason, Budesonid, Pioglitazon, Loperamid, Bisacodyl, Saxagliptin und Polyethylenglykol (3350 mit Elektrolyten).

Für Warnhinweise und Gegenanzeigen bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Hold

Begründung: Die Vorhersage zur pulmonalen Hypertonie (Score 0.9918) stammt vom TxGNN-Modell (Deep Learning) und kann Ähnlichkeiten widerspiegeln, die das Modell zwischen verwandten Erkrankungen gelernt hat, nicht biologische Evidenz. Es liegen keine klinischen Studien, keine unterstützende Literatur und kein belegter Mechanismus vor. In Deutschland ist das Arzneimittel im Handel, 1 von 1 Zulassung ist gültig.

Für ein Weiterkommen sind folgende Punkte erforderlich:

  • Daten zum Wirkmechanismus (MOA) und Prüfung einer biologischen Verbindung zwischen RET-Signalweg und pulmonaler Hypertonie
  • Präklinische Studien (z. B. Modelle des pulmonalen Gefäßumbaus)
  • Auswertung der Fachinformation (Warnhinweise, Gegenanzeigen) zur Sicherheitsbewertung, da diese Daten derzeit fehlen
  • Prüfung der Wechselwirkungen, insbesondere mit Säureblockern und CYP3A-beeinflussenden Substanzen, bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie

    Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.