Sofosbuvir

Evidenzniveau: L3 Vorhergesagte Indikationen: 8

Inhaltsverzeichnis

  1. Sofosbuvir
    1. Pharmazeutischer Bewertungsbericht
    2. Sofosbuvir: Hepatitis-B-Virus-Infektion (hepatitis B virus infection)
    3. Zusammenfassung in einem Satz
    4. Schnellübersicht
    5. Warum ist diese Vorhersage plausibel?
    6. Evidenz aus klinischen Studien
    7. Literaturevidenz
    8. Marktinformationen Deutschland
    9. Sicherheitsaspekte
    10. Fazit und nächste Schritte
    11. Haftungsausschluss

Pharmazeutischer Bewertungsbericht

Sofosbuvir: Hepatitis-B-Virus-Infektion (hepatitis B virus infection)

Zusammenfassung in einem Satz

Sofosbuvir ist ein antivirales Nukleotid-Analogon, das die RNA-Polymerase NS5B hemmt. Das TxGNN-Modell sagt eine mögliche Wirksamkeit bei Hepatitis-B-Virus-Infektion (hepatitis B virus infection) voraus (Score 0,9977). Dazu liegen 12 klinische Studien und 19 Publikationen vor. Nur eine einarmige Phase-2-Studie mit 21 Teilnehmenden untersucht die Hepatitis-B-Infektion direkt, daher ist der Evidenzgrad L3.


Schnellübersicht

Punkt Inhalt
Ursprüngliche Indikation Hepatitis C, Chronic
Vorhergesagte neue Indikation Hepatitis-B-Virus-Infektion (hepatitis B virus infection)
TxGNN-Vorhersagewert 0.9977
Evidenzgrad L3
Marktstatus in Deutschland Im Handel (gültige Zulassungen: 4 von 4)
Anzahl der Zulassungen 4 (gültig: 4)
Empfohlene Entscheidung Zurückstellen

Warum ist diese Vorhersage plausibel?

Zum Wirkmechanismus liegen in den für diesen Bericht zusammengestellten Daten keine detaillierten Angaben vor. Bekannt ist, dass Sofosbuvir als Nukleotid-Analogon die virale RNA-abhängige RNA-Polymerase NS5B hemmt.

Die mechanistische Verbindung zum Hepatitis-B-Virus ist schwach. Dieses Virus vermehrt sich über eine Reverse-Transkriptase-Aktivität (DNA-Polymerase) und nicht über eine RNA-abhängige RNA-Polymerase. Für Sofosbuvir ist keine eigene antivirale Wirkung gegen das Hepatitis-B-Virus belegt. Der hohe Modellwert spiegelt vermutlich den gemeinsamen Kontext hepatotroper Viren und die gemeinsame Behandlung bei Koinfektionen wider, nicht eine gesicherte antivirale Wirkung.

Ein klinisches Signal kommt aus einer kleinen Phase-2-Studie mit Ledipasvir/Sofosbuvir bei Patientinnen und Patienten mit Hepatitis-B-Monoinfektion (NCT03312023, PMID 36045503). Diese Studie ging von einem Rückgang des HBsAg bei Koinfizierten aus und prüfte ihn bei HBV-Monoinfizierten. Die übrigen Studien betreffen HCV/HBV-Koinfektionen und beschreiben vor allem das Risiko einer HBV-Reaktivierung unter antiviraler Therapie.


Evidenz aus klinischen Studien

Studiennummer Phase Status Teilnehmerzahl Zentrale Aussagen
NCT03312023 Phase 2 Abgeschlossen 21 Ledipasvir/Sofosbuvir über 12 Wochen bei Hepatitis-B-Infektion. Direkt relevant, aber einarmig und klein; Endpunkte sind HBsAg und HBV-DNA
NCT02555943 Phase 2/3 Abgeschlossen 23 Direkt wirkende Virostatika bei HCV/HBV-Koinfektion; Fokus auf HBV-Reaktivierung
NCT04997564 Phase 4 Unbekannt 120 Sofosbuvir/Velpatasvir mit prophylaktischem TAF bei HCV/HBV-Koinfektion; betrifft das Management der HBV-Reaktivierung, nicht die HBV-Therapie
NCT03186313 Phase 3 Abgeschlossen 72 Randomisierte offene Studie zu Sofosbuvir-Kombinationen bei HCV Genotyp 4; Endpunkt ist HCV, nicht HBV
NCT02483156 Phase 2/3 Abgeschlossen 80 Sofosbuvir plus Ribavirin bei HCV Genotyp 4; Endpunkt überwiegend HCV
NCT03261349 Phase 2 Unbekannt 21 Ledipasvir/Sofosbuvir bei HCV-assoziiertem indolentem B-Zell-Lymphom; nur indirekt relevant
NCT03549312 Phase 4 Unbekannt 25 Umstellungsstudie bei HIV/HCV-Koinfektion; HBV nur am Rande
NCT03579576 N/A Abgeschlossen 803 Vereinfachte HCV-Behandlungsstrategie in Myanmar; nur indirekte Evidenz
NCT02363517 Phase 3 Unbekannt 420 HCV-Behandlung bei Menschen, die Drogen injizieren; nicht relevant für die HBV-Wirksamkeit
NCT02768961 Phase 4 Abgeschlossen 64 HCV-Screening- und Eliminationsprogramm in Haftanstalten; nicht relevant für die HBV-Wirksamkeit

Literaturevidenz

PMID Jahr Typ Fachzeitschrift Zentrale Aussagen
36045503 2023 Offene Phase-2-Studie J Med Virol Ledipasvir/Sofosbuvir über 12 Wochen bei HBV-Monoinfektion; Endpunkte sind der Rückgang von HBsAg und HBV-DNA. Die wichtigste Publikation zur Fragestellung
33523503 2021 Prospektive Beobachtungsstudie J Viral Hepat HBV-Reaktivierung bei Krebspatienten mit HBV/HCV-Koinfektion unter direkt wirkenden Virostatika
29334502 2018 Studie zum Reaktivierungsrisiko J Clin Gastroenterol Risiko einer HBV-Reaktivierung unter Ledipasvir/Sofosbuvir
27621502 2015 Bericht zu Nebenwirkungen Hosp Pharm HBV-Reaktivierung unter Simeprevir plus Sofosbuvir
25027705 2014 Übersichtsarbeit Minerva Gastroenterol Dietol Antivirale Therapie bei Hepatitis B und C und Auswirkungen auf die Nierenfunktion
34092970 2021 Übersichtsarbeit World J Gastroenterol Fortschritte und Herausforderungen bei pädiatrischer Virushepatitis; HBV-Therapie weiterhin nicht kurativ
39914746 2025 Übersichtsarbeit J Hepatol Behandlungszahlen bei HCV 2014–2023 und Lehren für neue HBV- und HDV-Therapien

Marktinformationen Deutschland

Zulassungsnummer Produktname Darreichungsform Zugelassene Indikation
EMEA/H/C/002798 Sovaldi – Hepatitis C, chronisch
EMEA/H/C/003850 Harvoni – Hepatitis C, chronisch
EMEA/H/C/004210 Epclusa – Hepatitis C, chronisch
EMEA/H/C/004350 Vosevi – Hepatitis C, chronisch

Alle vier erfassten Zulassungen sind gültig. Mehrere dieser Produkte sind feste Kombinationspräparate. Ihre Zulassungen beschreiben daher nicht die Zulassung der Einzelsubstanz.


Sicherheitsaspekte

  • Hepatitis-B-Reaktivierung: Bei HCV/HBV-Koinfektion wurde unter direkt wirkenden Virostatika über HBV-Reaktivierungen berichtet (PMID 27621502, 33523503, 29334502). Deshalb wird in Studien teils eine TAF-Prophylaxe eingesetzt (NCT04997564).
  • Arzneimittelwechselwirkungen (8 erfasst):
    • Schwerwiegend (Major): Apalutamid, Enzalutamid, Lorlatinib
    • Mittel (Moderate): Fostamatinib, Warfarin, Dicoumarol, Encorafenib
    • Gering (Minor): Ciclosporin

Angaben zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen aus der Fachinformation liegen in den zusammengestellten Daten nicht vor. Bitte die Fachinformation heranziehen.


Fazit und nächste Schritte

Entscheidung: Zurückstellen

Begründung: Die einzige direkte Evidenz ist eine kleine einarmige Phase-2-Studie (n=21). Ein klarer mechanistischer Zusammenhang fehlt, und die übrigen Studien zeigen vor allem das Risiko einer HBV-Reaktivierung, nicht einen Nutzen bei HBV. Der Evidenzgrad ist L3.

Für ein Weiterverfolgen ist erforderlich:

  • Auswertung der Ergebnisse von NCT03312023 (HBsAg- und HBV-DNA-Verlauf) und Bestätigung in einer größeren, kontrollierten Studie
  • Klärung eines möglichen Wirkmechanismus gegen das Hepatitis-B-Virus, da die bisherige Verbindung schwach ist
  • Erfassung der Fachinformation zu Warnhinweisen und Gegenanzeigen
  • Überwachungs- und Prophylaxekonzept zur HBV-Reaktivierung

Haftungsausschluss

Diese Inhalte dienen ausschließlich Forschungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Vor jeder klinischen Anwendung ist eine klinische Validierung erforderlich.